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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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troffen sind. Reichere mit Gold verzierte und mit Bordüren umschlungene 
Decorationen, ebenfalls der neuen Richtung angehörend und zum Theil 
sehr gelungen, sind aus der Fabrik von Spörlin & Zimmermann 
hervorgegangen. Nur findet sich bei einem dieser Muster eine Umrah 
mung, welche in Lisenen und Bordüren gothische Schnitzerei und gothi- 
sches Masswerk nachahmt, wohl nicht auf dem rechten Wege. Sie gehört 
einem veralteten Geschmack und der Nachahmungsperiode der unver 
standenen Gothik an, da man mit aufgemalten gothischen Formen schon 
das Wesen dieses Styles getroffen zu haben meinte. Diese Stufe ist 
heute überwunden. Auch Kn epp er und Schmidt haben einige rei 
chere Decorationen in stylisirter Art ausgestellt, davon die eine für das 
Palais Epstein bestimmt ist. Ihre Hauptausstellung besteht aber in den 
mancherlei Tapeten, mit denen die Ausstellungssäle des Museums bedeckt 
sind. Es sind einfachere und reichere Muster, sämmtlich mit stylisirter 
Zeichnung nach Erfindung des Architekten Ferstel zum Theil nur mit 
zwei Tönen derselben Farbe, in jene Säle aber, die etwas zu repräsen- 
tiren haben, wie im Curatorensaal und im Vorlesesaal, auch mit Gold 
und anderen Farben und das schillernde Lüstre der Gewebe vortrefflich 
imitirend. Diese Mustertapeten geben uns einen guten Begriff von dem 
Streben und der Tendenz der modernen Reform auf diesem Gebiete. 
F. 
X. 
Gewebe. 
(Fussteppiche. — Vorhang- und Möbelstoffe. — Ph. Haas & Söhne, Giani, Kostner. — 
Die Fabriken von Cosmanos und Neunkirchen. — Tischdecken. — Leinendamast. — 
Küfferle & Wassertrilling. — Hlawatsch & Isbary.) 
Die Gewebe sind zwar im Allgemeinen von gemeinsamen Stylge 
setzen beherrscht, aber Stoff, Technik, Form und Bestimmung, daneben 
auch die Mode wirken so entschieden auf die Ornamentation ein, dass 
wir das ganze Gebiet in eine Reihe von Gruppen zerlegen und diese 
selbstständig besprechen müssen. 
Gedenken wir zuerst der Fussteppiche, eines Industriezweiges, 
der, obwohl nur durch eine einzige Firma vertreten, dennoch eine der 
ersten und grossartigsten Erscheinungen auf der Ausstellung ist. Diese 
Firma ist die von Ph. Haas & Söhne. 
In der Ornamentation der Fussteppiche streiten, oder stritten viel 
mehr, drei Richtungen mit einander. Die eine davon bedeckte die Fläche 
wild mit farbenreichen Blumen und Pflanzen, ja selbst mit ganzen baum 
reichen Gärten, die sich unter unseren Füssen ausbreiteten. Diese ursprüng 
lich französische Art wurde am eifrigsten und am extremsten von den 
englischen Fabriken geübt. Die zweite Richtung, ebenfalls französischen 
Ursprungs, hat in Frankreich in den letzten Jahren die Oberhand erhalten.
	        

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