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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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Die Zeit Ludwig XVI. und des Empire hat es versucht, die Por- 
cellangefässe in strengeren Formen auszubilden, allein keineswegs mit 
grossem Glück. Sie copirte entweder direct antike Gefässformen und 
benützte sie verkleinert zu gänzlich anderer Anwendung — und dies ist 
der seltenere Fall — wobei sich dann der Eindruck einer künstlichen 
Uebertragung und einer gewaltsamen Anpassung des Fremdartigen nicht 
vermeiden liess, oder sie versteifte die aus dem Chinesischen überkom 
menen und durch das Rococo hindurchgegangenen Formen, indem sie 
dieselben der geraden Linie als Contour unterwarf, in allzuarger Weise. 
Dagegen war diese Zeit entschieden glücklicher in der Ausbildung der 
malerischen Seite, womit wir allerdings nicht die zahlreich vorkommenden 
Porcellangemälde oder die Gemälde auf Tellern im Auge haben, sondern 
die rein ornamentale Seite, insbesondere die Randverzierung, die es zu 
den reizendsten Effecten gebracht hat. Da diese Art Ornamentation, in 
welcher wir der Fabrik von Wien in den Jahren von 1790—1810 den 
ersten Preis zuerkennen müssen, Glanz, Feinheit, Zartheit, Eleganz und 
farbigen Reiz vereinigt, so ist sie auch dem Material, dessen Eigenschaften 
in Feinheit, Glanz und Glätte bestehen, ganz angemessen, ohne dass wir 
damit sagen wollen, dass sie die einzig berechtigte sei. Jedenfalls ist das 
eine Weise, an die sich für uns anknüpfen lässt, zumal da die nachfol 
gende Zeit, die Wiederaufnahme des Rococo, der Blumennaturalismus, 
die schwere stumpfe, undurchsichtige Farbendecoration, nur solche künstle 
rischen Seiten darbietet, von denen wir uns eben freihalten oder befreien 
müssen. Die jüngsten Reformen auf diesem Gebiete, wie sie zunächst in 
England versucht worden sind, haben in der That auch diesen Weg ein 
geschlagen und halten sich ganz im Geiste der malerischen Porcellan- 
decoration aus dem Ausgange des achtzehnten und dem Anfänge jdes 
neunzehnten Jahrhunderts. Nur muss allerdings für die Bildung der 
Gefässe ein lebendigeres, frischeres, aber zugleich feineres Formengefühl 
hinzutreten, ein Gefühl, das sich gleich fern hält von der ungerechtfer 
tigten oder mechanischen Uebertragung antiker Formen für einen den 
Alten ganz unbekannten Gebrauch, wie von der Willkür des Rococo und 
den Bizarrerien oder Monstrositäten des chinesischen Zopfes. 
Treten wir mit diesen leitenden Gesichtspunkten an die Porcellan- 
gegenstände heran, wie wir sie auf unserer Ausstellung sehen, so sind 
es insbesondere zwei Firmen, welche unsere Aufmerksamkeit erregen, die 
von Haas & Czizek in Schlaggenwald und die von M. Fischer in 
Herend. Die erstere hat darnach mit Entschiedenheit den Weg betreten, 
den wir angedeutet haben, wenn sie auch keineswegs dem Umfange der 
Formen und der Mannigfaltigkeit der Decorationsweisen nach dasjenige 
erschöpft, was auf diesem Wege der modernen Reform liegt. Dafür ist 
der Charakter ihrer Werke ein durchaus harmonischer und soweit gleich 
förmig im Werth, dass nichts den Totaleindruck stört. Die zum Theil 
sehr gelungenen Ornamente schliessen sich an die Alt-Wiener Weise der
	        

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