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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 10)

solcher Bedeutung vorübergehen lassen, ohne dasselbe von einem all- 
gemeinen Standpunkte aus zu würdigen, ohne insbesondere von der 
gegenwärtigen Beschaffenheit des deutschen Kunstgewerbes Kenntniss zu 
nehmen und zu geben. 
Wenn man das, was diesen Sommer hindurch in München von 
deutscher Kunstarbeit ausgestellt ist, richtig beurtheilen will, so muss 
man mancherlei Dinge bedenken und einen relativen Maßstab anlegen. 
Und zwar in doppelter Weise. Einmal ist es nicht das ganze Deutsch- 
land, welches auf dem Plane erschienen ist. Es fehlt z. B. fast gänzlich 
die rheinische Möbelindustrie, es fehlen ganze Provinzen aus dem Osten 
und dem Norden, es ist das Elsass im Verhältniss zu seiner außerordent- 
lichen lndustrie nur schwach vertreten. Wir legen aber auf diese Unvoll- 
ständigkeit in quantitativer Beziehung nicht allzu großen Werth für die 
Beurtheilung. Das Fehlende hätte allerdings die Masse der Gegenstände 
vermehrt und vielleicht einen größeren Eindruck von der wirklichen 
Production des deutschen Kunstgewerbes hervorgerufen, aber qualitativ, 
was Stil, Geschmack, künstlerische Leistungsfähigkeit betriHt, wäre das 
Urtheil kaum anders ausgefallen, als wir es aus dem Vorhandenen ge- 
schöpft haben. 
Zum andern, was die ästhetische Würdigung betrifft, so darf man 
wohl nicht vergessen, dass das deutsche Kunstgewerbe sehr jung an 
Jahren ist, dass sein Aufschwung erst von den Siebziger Jahren an datirt, 
dass man daher, wenn man einen Vergleich ziehen will, diesen mit der 
eigenen Vergangenheit anstellen muss. Es ist eine im Fortschritt begriffene 
Kunstindustrie, welche wir zu beurtheilen haben, nicht eine, welche sich 
einer langen und gesicherten Blüthe erfreut. Und von diesem Standpunkt 
aus hat man sicherlich dem, was in der Münchener kunstgewerblichen 
Ausstellung zu sehen ist, viel Gutes nachzurühmen. 
Sprechen wir zuerst ein paar Worte vom Arrangement; es legt ja 
auch das ein Zeugniss ab von dem fortgeschrittenen Urtheil in ästhe- 
tischer Beziehung. Es war ein in seinem unregelmäßigen Grundplan 
sehr ungünstiger Platz, der für die Ausstellung erwählt worden, ein lang 
gestreckter Platz, in welchen die Gebäude von der Stadtseite so ver- 
schieden und so tief einsprangen, dass sie in der Mitte nur Raum für 
einen Corridor übrig ließen. Diese lange Stadtseite musste daher künst- 
lerisch völlig aufgegeben werden, dagegen wurde von der anderen Seite 
rnit Architektur, mit Benutzung der Allee, der wasserreichen lsar und 
den gegenüberliegenden grünen Höhen ein solcher Gebrauch gemacht, 
dass die Gesammtwirkung eine ebenso schöne wie großartige ist. 
Innerhalb des auf diesem Grundplan entstandenen, ebenfalls ganz 
unregelmäßigen Gebäudes sollten nun die deutschen Länder untergebracht 
werden, räumlich jedes für sich, nicht in einer Ordnung nach den Ge- 
genständen oder lndustriezweigen. Anfangs hatte man die Absicht, das 
Princip der Anordnung in der Ausstellung von 1876 wieder aufzunehmen,
	        

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