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Volltext: Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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am Schlüsse unserer Ausstellung im Vorlesesaal angewiesen. Sie ist ein 
Kunststyl eigener Art, der auch seinen eigenen Gang gegangen ist, nach 
dem er einmal aus dem Gemisch byzantinischer und arabischer Orna 
mente hervorgewachsen. 
V. Decoration des Mittelalters im Occident. 
Die Glasmosaik ist nicht über die Alpen herüber gekommen. Fresco- 
malerei musste sie überall ersetzen. Von dieser hat das Mittelalter nord 
wärts der Alpen reichlichen Gebrauch gemacht in Kirchen und Klöstern, 
wie in Schlössern und Burgen. Unsere neue (fünfte) Abtheilung, welche 
die ganze dritte Wand der Arkaden einnimmt, gibt dafür die Beispiele; 
sie sind aus österreichischen oder deutschen Ländern, die letzteren vor 
zugsweise vom Rheine, entnommen dem großen Werke von Ernst Aus’m 
Weerth: Wandmalereien des Mittelalters in den Rheinlanden; diejenigen 
von österreichischer Herkunft sind meist Copien, welche die k. k. Central 
commission für Kunst- und historische Denkmale hat machen lassen. Die 
Aufstellung folgt dem historischen Gange der Kunst vom romanischen 
zum gothischen Style. 
Den Anfang romanischen Styls macht die berühmte, figurenreiche 
Flachdecke der Kirche St. Michael im alten, an frühmittelalterlicher Kunst 
so reichen Hildesheim, ein vortreffliches Beispiel aus jener Zeit, bevor 
Gewölbe das Innere der Kirchen überdeckten. Ihr zur Seite treten gleich 
zeitig Malereien aus dem benachbarten Dome in Braunschweig, ornamen 
taler wie figürlicher Art, während Gewölbeverzierungen dieser Art mit 
den Malereien der Unterkirche von Schwarzrheindorf bei Bonn beginnen. 
Diese deutschen Beispiele werden durch nicht minder bedeutende Bei 
spiele aus Oesterreich ergänzt. Von ihnen sind leider die Fresken im 
1 etersschloss zu Friesach bereits stark mitgenommen, während diejenigen 
im Nonnenchor zu Gurk alle Strenge und Grösse der Zeichnung in 
höchst charakteristischer Art bewahrt haben. Man muss sie freilich nicht 
vom Standpunkt einer technisch vollendeten Kunst betrachten wollen, 
nicht mit den Werken der griechisch-römischen Kunst oder denen der 
Blüthezeit der Renaissance vergleichen. Man muss denken, dass hier eine 
neue Kunst sich mit neuem Inhalt erfüllt und für diesen Inhalt nach 
neuen und eigenthümlichen Formen ringt. Von diesem Standpunkt aus 
bieten die Gurker Malereien das höchste Interesse. Man wird in der 
thronenden Madonna bei aller Herbigkeit und Strenge einen edlen und 
eihabenen Styl nicht verkennen, der nunmehr, im Uebergang zum gothi 
schen Styl, mit wachsender technischer Fertigkeit eine Wendung zum 
Lieblichen, Sanften und Naiven nimmt. 
Diesen neuen Charakter zeigen die ausgestellten Malereien gothi 
schen Styls aus den rheinischen Ortschaften Ramersdorf und Brauweiler
	        

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