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Volltext: Die historische Ausstellung von Wand- und Plafond-Decorationen im Sommerhalbjahr 1885

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und C. Mell in Salzburg, Gustav Perger in Baden, Toni Brioschi, 
Alfred Morgenstern in Wien, endlich noch der Kunsthandlung von 
Ernst Wasmuth in Berlin, welcher seine neuesten Publicationen in 
Chromolithographie nach Aufnahmen von Leopold Theyer übersandte. 
Das System der Aufstellung ist folgendes: 
I. Aegypten (mit Assyrien); 
II. die griechisch-römische Wand-Decoration; 
III. die altchristliche und byzantinische Decoration; 
IV. orientalische (muhamedanische) Decoration , von Spanien bis 
Indien; 
V. Decoration des Mittelalters im Occident; 
VI. italienische Frührenaissance; 
VII. italienische Hochrenaissance; 
VIII. Die Renaissance in Deutschland und anderen Ländern; 
IX. die Barock- und Rococozeit; 
X. der Styl Louis XVI. und Empire. 
I. Aegypten (mit Assyrien.) 
Das erste und den größten Theil des zweiten Wandfeldes nehmen 
eine Reihe Tafeln ein, gewählt aus dem großen Werke von Prisse 
d’Avennes »Histoire de l’art egyptien«. Tempel und Grabkammer, durch 
das einzige Klima des Landes geschützt, haben uns ihre Decorationen 
erhalten, zumeist in voller Farbenfrische, als wären sie eben aus der 
Hand des Künstlers hervorgegangen, während doch etwa fünfunddreißig 
Jahrhunderte zwischen unserer Zeit und jener liegen, in welcher die 
XVIII. Dynastie Aegypten beherrschte, jenes großartige Geschlecht von 
Eroberern, dem das Land auch seine reichsten und schönsten Tauten 
verdankt. Wir finden in diesem ältesten Decorationsstyl eine vollkommen 
ausgebildete Polychromie. Wände, Decke, Säulen und Pfeiler, die Stützen 
jener mächtigen Tempelhallen, mit Darstellungen aller Art überzogen, 
beweisen uns, dass schon dieses entfernte Volk nirgends auf Buntfarbig 
keit verzichten wollte. Dazu versichern uns die Kenner des ägyptischen 
Alterthums , dass dieses erhaltene Ornamentsystem keineswegs ein 
ursprüngliches ist — die meisten der ausgestellten Beispiele fallen in 
das 16. —17. Jahrhundert vor den Beginn unserer Zeitrechnung — sondern 
nur die Renaissance eines älteren heimischen Kunststyles. Die Erfindung 
einer vollständig durchgeführten Polychromie der Gebäude, und zwar 
sowohl ihrer Innenräume als ihrer Außenseiten, ist aber in unabsehbare 
Ferne gerückt. 
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