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Volltext: Die Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände in Wien

Die Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände iu Wien. 219 
stickt ist, noch diese alte Form. Die beiden frühgothischen Pluviale aus 
St. Paul und aus St. Michael in Salzburg mit ihren kleinen Kapuzen (aus 
denen später die anfangs auch ganz kleinen Schilde sich entwickelt haben) 
theilen mit den vorher genannten Gewändern die technische Ausführung, 
die namentlich bei letzterem durch den Goldfond eine sehr brillante ist. — 
Der Beutel aus dem Kapuzinerkloster in Wien ist eine überaus delikate 
romanische Seidenstickerei, nicht minder die ebenfalls mit Perlen ver- 
briihmte Aermelborde an den im Uebrigen mit der Stricknadel herge 
stellten Bischofshandschuhen au3 Brixeu, die ein byzantinisches Zellen 
schmelz-Medaillon schmückt. An Alter steht ihnen die aus demselben 
Schatze stammende Mitra, deren Schmuck nur in gewebten (wohl siciliani- 
schen) Borten verschiedener Breite besteht, nur wenig nach. Mit ihr mag 
die erst im XVII. Jahrh. zu einer Bursa verarbeitete Parura aus Brünn 
die Ursprungszeit theilen. Die frübgothische Periode vertritt am glänzend 
sten das berühmte Salzburger Antipendium, welches ganz mit der Nadel 
hergestellt ist bis auf einige merkwürdiger Weise in Metall getriebene auf 
geheftete Appliquen. Hier sind Anordnung, Zeichnung, Ausführung, Er 
haltung gleich vorzüglich. Aus derselben Zeit stammen auch einige gut 
ausgeführte gestickte Caselkreuze, die aber beschnitten sind, von den im 
XVI. Jahrh. immer knapper sich gestaltenden Messgewändern in Mitleiden 
schaft gezogen. Sie sind fast alle durch Flachstickerei entstanden und durch 
das Bestreben ausgezeichnet, durch schwere Betonung der Gewandfalten 
und stark aufgetragene grünliche und gelbliche Lichter die Figuren, um so 
lebendiger und wirkungsvoller von dem in der Regel goldenen Rautengrunde . 
sich abheben zu lassen. Bei einem dieser der Akademie zu Prag gehörigen 
auch durch die Grösse seiner Figuren hervorragenden Kreuze wird die' 
Wirkung noch erhöht durch die mit Perlen ausgefüllten und von ver 
goldeten Metallwulsten eingefassten Nimben. Von geringerer Bedeutung 
sind sieben gestickte Caselkreuze, die Christus am Kreuz und unter ihm 
Maria und Johannes in der schematischen Weise darstellen, die sich bis 
tief in’s XVI. Jahrh. fortsetzt. Die Reliefstickerei, die stilistisch als eine 
Verirrung, technisch aber als eine Errungenschaft zu betrachten ist, er 
scheint auf mehreren Gewändern des Brünner Domes, namentlich auf einer 
Casel von violetter Atlasseide, die die Jahreszahl 1487 trägt und ihre ur 
sprüngliche Gestalt bewahrt hat. Maria ist im Strahlenkränze dargestellt 
von vier Engeln umgeben, unter ihr eine gekrönte Standfigur mit Wappen. 
Sogar der Mantel von dieser und das Untergewand der Gottesmutter sind 
reich mit Golddessins ausgestickt. Ranken bilden ringsumher die Ein 
fassung. — Bevor wir, mit diesem glänzenden Gewände an die Schwelle 
der Renaissance gelangt, ihre reichen Erzeugnisse auf unserer Ausstellung 
prüfen, müssen wir noch einiger älterer Stickereien gedenken. Zunächst 
handelt es sich um zwei gestickte Mitren; die eine aus Admont hat inter-
	        

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