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Volltext: Die Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände in Wien

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Die Ausstellung kirchlicher Kunstgegenstände in Wien. 
Dazu gibt es keine Aualogieen deutscher Herkunft. Viel vornehmer ist das 
berühmte Faldistorium vom Nonnberg mit seinen romanischen Löwenköpfen 
und Reliefs aus Elfenbein, sowie mit dem gothisclien Holzgestell und den 
wohl im Anfänge des XV. Jahrh. aufgemalten Miniaturen. Drei geschnitzte 
Faltstiihle aus dem XVI. und XVII. Jahrh., einer mit Armlehnen versehen, 
schliessen sich an, ebenso mustergültige als seltene Exemplare, die Figdor 
in seiner auch an alten Möbeln sehr reichen Sammlung zu vereinigen ge 
wusst hat. Das Sängerpult desselben Besitzes und das Messpültchen aus 
Kremsmünster, beide aus weichem Holz, welche um die Wende des Mittel 
alters nach süddeutscher Sitte mit eingeschnittenem Flachornament ver 
sehen uud mit etwas Farbe belebt sind, verdienen besondere Beachtung, 
wie der spätgothische Tabernakel mit seinen Maaswerkfüllungen. Die 
beiden mit Satteldach bekrönten Reliquienschreinehen aus Klosterneuburg 
haben den Vorzug einfacher aber sehr harmonischer Anordnung und 
ursprünglicher Bemalung. Das oblonge Kästchen aus Wilhering, welches 
ringsum mit durchbrochenen und vergoldeten Bleireliefs umkleidet ist, wie 
sie das XIV. Jahrh. zur Ausstattung von glanzversilberten Schreinchen 
mit Vorliebe verwandte, hat leider eine vollständige Erneuerung erfahren. 
Die wenigen Schnitzaltäre sowohl wie die einzelnen Reliefs zeichnen sich 
weder durch hohes Alter, noch durch hervorragende Schönheit aus. Es 
fehlt aber doch nicht an spätgotischen Flachgruppen, welche besonderer 
Beachtung werth sind. Diese verdienen noch mehr die Einzelfiguren, die 
ohne sehr zahlreich zu sein, zu einer guten chronologischen Serie sich ver 
einigen. Diese beginnt freilich erst mit der frühgothischen Periode, über 
welche Holzfiguren überhaupt sehr selten hinausreichen. Will man den Fi- 
gurenstil aus den früheren Epochen kennen lernen, so muss man sich den 
Elfenbeinsculpturen zuwenden, die auf der Ausstellung in aussergewöhn- 
licher Zahl und Güte vertreten, aber in einer anderen Gruppe untergebracht 
sind, desswegen hier noch nicht behandelt werden können. Eine kleine 
sitzende Holzmadonna des Grafen Wilczek weist noch romanische Reminis- 
cenzen auf, eine andere mit alter Bemalung hat frühgothischen Charakter, 
von dem die ebenfalls bemalte schlanke und edle St. Georgsfigur nur noch 
Erinnerungen zeigt. Einen gewaltigen Crucifixus von etwas übertriebenem 
usdrucke, wohl ein ehemaliges Triumphkreuz, hat Graf Wilczek ge 
schickt, einige gute Statuetten und Gruppen des XV. Und XVI. Jahrh. 
furst Liechtenstein, vier vortreffliche Evangelistenfiguren Frau Lang. 
Das Statuettchen der klugen Jungfrau und die St. Catharinenbüste aus 
oem Besitze fies Museums sind von aussergewölmlicher Schönheit. An sie 
schhesst sich das italienische Frührenaissancefigürchen der hl. Margaretha 
dem der ganze Reiz der reichen Bemalung erhalten geblieben, würdig an.' 
Auch die beiden grau angestrichenen und nur in den Carnationstheilen 
bemalten Standfigürchon von Maria und Johannes (unter dem wohl nicht 
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