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Volltext: Bericht über die kirchliche Kunst-Ausstellung des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie

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entzielien, um sie vor der Oeffentlichkeit zur Schau zu stellen; denn 
\venn auch die Sicherheit der jetzigen Verkehrsmittel die grösste 
Beruhigung einflössen kann, und wenn noch mehr unsere jetzigen Zeiten 
’ erschieden sind von jenen, wo z. B. die kostbarsten Kunstantiquitäten 
nach Laxenburg eingefordert werden konnten, ohne jemals mehr von 
iort ans Tageslicht zurückzukehren, oder wo eine allgemeine Consignation 
luir Punzirung nur das Vorspiel war von einer allgemeinen Confiscation 
des Kirchen-Silbers und -Goldes, so darf man es dennoch Niemandem, 
der sonst etwa auch in der Lage gewesen wäre, werthvolle Beiträge 
liefern, verargen, wenn er die absolute Sicherheit der relativen 
vorzog und namentlich in Anbetracht des modernen Heisshungers nach 
derlei Dingen sich dachte: „Ignoti nulla cupido”; „depraedari autem 
riesiderat, qui thesaurum publice portat in via.” Ausserdem ist ja 
schliesslich nichts so wenig für öffentliche Schaustellung zu blos 
ästhetischen Zwecken bestimmt, als dem Cultus geweihte Glegenstände. 
Die dem Unternehmen gewidmeten Bemühungen und Opfer können 
somit ihre volle Eechtfertigung nur davon erwarten, dass durch sie der 
Hiodernen Kunst und Kunstindustrie reiche Belehrung und Anregung 
gegeben und hiermit also das Interesse der Kirche ebenso wie jenes der 
tür sie Arbeitenden gefördert werden sollte. In welchem Masse kann nun 
wohl eine Erreichung dieses Zieles erhofft werden? 
Die ausgewiesene Besuchsziffer kann hierfür nicht massgebend sein. 
Wer will behaupten, wie viele Procentc von den 60.000 gezählten Be 
wuchern auf solche von wirklichem Berufe entfallen? Und selbst, wenn 
allen ausübenden Künstlern und Kunstarbeitern die besten Beispiele und 
Vorbilder beständig vor Augen gehalten werden könnten, so muss doch 
von unserem Standpunkte auch einmal der Anschauung Ausdruck ge 
geben werden, dass mit allem solchen Studium und mit aller Fach 
bildung die Kunst der Gegenwart sich auf die bewunderte Höhe der 
alten Kunst aus dem Grunde nie recht wird erheben können, weil und 
so lange sie nicht auch wieder etwas mehr Auffassung für den Geist 
:inimmt, der jene Zeiten erfüllte und als bildendes und treibendes 
.'^rincip wie das Leben, so auch die Kunst dirigirte. Von jeher ist das 
Ihhahenste in der Kunst nur aus einer lebendig-religiösen Gesinnung 
heraus geschaffen worden; in ihr wurzelt die Begeisterung und der 
Hohe Schwung der Gedanken, in ihr auch die opferwillige Hingabe, die 
ausdauernde Pflichttreue und die gewissenhafte Solidität in der Arbeit. 
Vermisst man gerade diese letzten Bedingungen gar so häufig bei den 
heutigen Leistungen, so wird man sie auch weder durch Kunst-Theorie, 
noch durch Anschauung wieder anerziehen können. Nicht recht stimmt 
' S deinach zu der Anerkennung, die man heute der Kirche bezüglich 
■hrer Stellung zur Kunst in der Oeffentlichkeit wohl angedeihen lässt, 
-venn man es andererseits wieder so ängstlich meidet, sich auch sonst 
oiit ihrem wahren Geiste etwas mehr vertraut zu machen, oder ihr gar 
auf das öffentliche Leben einen actuelleren Einfluss einzuräumen. 
Endlich erscheint es uns aber auch noch als eine Einseitigkeit, 
wenn man alles Heil für die Kunst immer nur von der Bildung des 
HUBübenden Künstlers selbst erwarten will, den Standpunkt des Bestellers 
und Auftraggebers hingegen dabei nicht berücksichtigt. In Hinsicht auf 
kirchliche Kunst hat unstreitig der Bildungsgrad und die Geschmacks-
	        

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