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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Heft 138)

I Aktuelles Kunstgeschehen I Österreich 
 
Es wird aber auch versucht, eine 
vielleicht brachliegende bzw. wenig genützte 
Möglichkeit künstlerischer Ergänzung zu beleben. 
Bestimmt besonders gelungen war die Wechsel- 
beziehung bei R. Angelika Kaufmanns Graphik zu 
„Spiegeltexte" von Friederike Mayröcker, Günther 
Kraus' zu „Quadratroman" von Friedrich Achleitner 
und Renate Bertlsmanns zu „Ein Fest für Boris" 
von Thomas Bernhard. 
(24. 10.-4. 12. 1974) - (Abb. 13) 
Alais Vogel 
Salzburg 
Museumspavillon 
Anton Steinhart 
Weitaus bekannter als die Gemälde dieses 
Salzburger Malers (1889-1964) sind zwar seine 
quantitativ weit überwiegenden Rohrfeder- 
zeichnungen. Doch scheint Steinharts Bedeutung 
für die österreichische Kunst unseres Jahrhunderts 
ebenso in seinen Landsdiaftsgemälden zu liegen. 
Wohl wäre es nur bedingt richtig, Steinhart einen 
lmpressionisten zu nennen. Ab_er es ist doch die 
„lmpression" und deren Festhalten an Ort und 
Stelle in der Landschaft, die diesen in Fortsetzung 
mancher Ideen Anton Faislauers entstandenen 
Zeugnissen unermüdlicher Arbeit und strengster 
Selbstkritik den Reiz hoher künstlerischer Qualität 
verleiht. Wie Faistauer fußt auch Steinhart auf 
Cezannes Erkenntnissen von der Farbe. Der 
Farbauftrag mit der Spachtel ist virtuos und eruptiv, 
die viel sensibleren Finger helfen dabei mit und 
erzeugen eine Ober-Fläche, die sofort den Kontakt 
mit der geistigen Tiefe dieser Bilder herstellt. 
(27. 11.-22_ 12. 1974) 
Salzburg-Grödig, Galerie Sazenhofen 
lnge Werthmann 
Begonnen hatte der künstlerische Weg mit Kartoffel- 
drucken „ä la naiv". In den iüngst vergangenen 
zwei Jahren aber hat sich die Salzburger Malerin 
mit ihren keramischen Arbeiten ein handwerkliches 
Rüstzeug geschaffen, welches eigene Vorstellungen 
in persönlichen Aussagen verwirklichen hilft. Es 
ist Frau Werthmann nicht nur darum zu tun, nur 
seelische Vorgänge darzustellen, sondern sie hat 
auhch den Mut, dazu Stellung zu nehmen. Die streng 
sc warzweißen grap ischen Blätter verfügen über 
kompositionelle Dichtheit und erweisen die 
Kompliziertheit menschlicher „Eigenschaften". 
In die mit urmalerischer Farbbehandlung aus 
einzelnen „Kacheln" aufgebauten Bilder scheint 
Metaphysisches, ia Psychedelisches eingeflossen 
zu sein. 
(September 1974) 
Salzburg l Kunstverein 
Ingrid Pöhler 
Die 18 ausgestellten Wandteppiche der Leiterin 
einer Textilwerkstatt an der Mündiner Kunst- 
akademie sind eines der selten gewordenen 
Beispiele dafür, daß textile Kunst etwas anderes 
sein kann und vor allem sein soll als schängeistige 
Tüdilein, als betont fraulicher Aufputz fürs traute, 
liebliche Heim. Das - in diesem Falle abstrakte 
- Bild wird nicht als „Vorlage" verwendet, 
Bildkomposition und Ausführungstechnik beziehen 
sich aufeinander, hier gibt es nicht einmal eine Spur 
von negativ Kunstgewerblichem. 
Eva Maria Blädner 
Zusammen mit den Wandteppichen von Frau Pöhler 
waren Arbeiten der iungen Augsburger Bildhauerin 
zu sehen. Inhalte der Darstellung sind - wohl 
auch auf Grund des Studienganges durch 
salzburgischesommerakademische ltalianismen - 
Mensch und Tier. Daß eine kleine Statuette „Große 
Stehende" benannt wird, ist zwar allein noch nicht 
Grundlage für Monumantalität. Aber im „Farträtkopf 
Carola" oder in der „Sich Biegenden" wird deutlich, 
claß das Format keine Rolle spielt, wenn die 
Qualität bedeutend ist. 
(5. 9-22. 9. 1974) 
40 
Galerie Academia 
Anton Raidel 
Der in Gmunden lebende, 31 iährige Keramiker, der 
auch bei der Ohnsorg-Ausstellung in Wien und 
Linz vertreten war, zeigt höchst persönliche 
graphische Blätter in Mischtechnik aus Tusche und 
Buntstiften, zum Teil mit Wasserfarben getönt. 
(Abb. 14) 
Otto Dix 
Dankenswerte, repräsentative Auswahl aus dem 
Werk des hervorragenden Zeichners, des Schöpfers 
erschütternder Skizzen, unbarmherziger Sitten- 
schilderungen und realistischer Akte höchster 
künstlerischer Qualität. (Abb. 15) 
Franz Wagner 
Tirol 
Innsbruck - Galerie im Taxispalais 
Kunst des 20. Jahrhunderts 
aus Tiroler Privatbesitz 
75 Exponate wurden von Peter Weiermair aus fast 
dreißig privaten Sammlungen zusammengetragen 
und der Uffentlichkeit präsentiert. Das Gras stellen 
österreichische und deutsche Expressionisten. Lovis 
Corinth und Cv Twombly markieren etwa die 
Spannung des Gezeigten. Viele Österreicher mit 
guten Arbeiten. Für die Kunstwissenschaft durch die 
erstmalige Katalogisierung mancher Werke eine 
besonders wichtige Ausstellung. 
(5-30. 11. 1974) 
Junge Österreicher V 
Ernst Caramelle beschäftigt sich mit Video-Aktionen 
und Ironisierungen. Günther Lierschof versucht 
auf Papierstreifen Lebensläufe einzufangen. Cora 
Pangracz arbeitet mit der Fotografie, Einstellung, 
Optik. Turi Werkner ist der einzige, der sich 
überkommener Materialien bedient. Seine Graphiken 
sind bewegt und vielversprechend. 
(3.-23. 12. 1974) 
Steiermark 
Graz - Künstlerhaus und Neue Galerie 
Joannis Avramidis - Plastik und Graphik 
79 Plastiken und etwa 150 Zeichnungen gaben 
erstmals einen umfassenden Einblick in das Werk. 
Arbeiten aus den Jahren 1945-1974 zeigten, mit 
welcher Intensität, Konzentration und mit welchem 
immensen Fleiß dieser Künstler arbeitet. Der Mensch 
ist in allen seinen Arbeiten gegenwärtig, der 
Mensch, nebeneinandergereiht zur Polis, der Mensch 
zur unendlichen Kette oder Säule in den Himmel 
ragend, der Mensch als Torso, der Mensch noch im 
Teil. Ähnliches ist von der Graphik in ieder 
Variation (es gibt deren viele, von der 
Werkzeichnung bis zur Aktstudie) zu sagen. 
Avramidis, Zeuge so vieler Unmenschlichkeit, ist 
trotzdem oder gerade darum ein großer Künder 
humanen Denkens. Ein umfangreicher, ausführlicher 
Katalog. 
(5. 10.-10. 11. 1974) - (Abb. 16) 
Ingeborg Strobl - Anti-design 
Die Strobl will die Design-Bewegung in Frage stellen. 
Realistisch nach Tierkärperteilen geformte Services 
u. ä. sollen dazu beitragen. Sie will aber auch nach 
der Identität des realen Objektes fragen. Ihre 
Formungen sollen Anstoß zu mehr, zu eigenen 
Denkvorgängen sein. Dabei wird uns die Spannung 
dieser und ähnlicher Kreationen zu den Hungernden 
dieser Welt wieder einmal bewußt. 
(6. 10.-G. 11. 1974) - (Abb. 17) 
Werke der IX. internationalen Malerwochen 
in der Steiermark 
Vierzehn sehr verschieden kreativ tätige Menschen 
aus Italien, Jugoslawien, Ungarn und Österreich 
nahmen daran teil. Der Bogen spannte sich von 
dem Protokoll der lda Biard, Conzept-art, bis zu 
Ahmed Karicfs Staffeleibildern in ziemlich reicher 
Variation. Wobei festgestellt werden kann, daß 
ieder der anwesenden Künstler eine gefestigte 
Position vertrat und sich nicht von den Kollegen 
beeinflussen ließ. 
(5. 10.-S. 11. 1974) - (Abb. 18) 
Kapfenberg - Valksheim 
Künstlergruppe „Der Kreis" A 
Es waren Arbeiten von 24 bekannten Österreich 
Künstlern vertreten, daher von iedem auch nur 
ein kleiner Einblick in das Schaffen gegeben. f 
Muhr, Karl Prantl und Josef Schagerl, die Bilc 
gaben ein Schwergewicht. Von den Malern sin 
Stoizner und Zadrazil als Antipoden, von den 
Graphikern Fleck, Malli und Paar besonders z 
nennen. 
(29. 11.-B. 12. 1974) - (Abb. 19) 
Oberösterreich 
Linz - Neue Galerie 
Manessier A _ 
Die Ausstellung von Alfred Manessier, eines 
führenden Malers der Ecole de Paris, wies etw 
50 Werke aus dem Zeitraum von 1944 bis 1971 
Reine Abstraktionen, Farbsymphonien, die sict 
manchmal (nicht immer zum Vorteil) zu symbol 
Formen zusammenschließen. Die Leuchtkraft d 
Farben ist oft enorm. Und doch können 
wahrscheinlich nur einige Werke als von Best: 
bezeichnet werden. 
(24. 10-23. 11. 1974) 
Herbert Dimmel V 
Zum 80. Geburtstag des Künstlers und vormali 
Leiters der Kunstschule wurden 40 Kohlezeichn 
des Jubilars gezeigt. Die Graphik, eine Techni 
bei der man am wenigsten schwindeln kann, e 
die Meisterschaft. Blätter wie „Landschaft auf 
oder „Ätna" zeugen von der großen Sicherhei 
der Hand, „Aus Kreta" oder „Nomade" bewe 
die iederzeit wache Phantasie, die einem gera 
hier auf Kubin verweist. Beachtlich scheinen ur 
der Schwung und die Bewegtheit der Strichfüh 
(28. 11.-21. 12. 1974) - (Abb. 20) 
Niederösterreich 
Perchtoldsdorf - Galerie Romanum 
Christine Heuer 
Etwa 25 Federzeichnungen und Aquarelle nach 
Wiener Motiven, hauptsächlich vom Wurstell 
und der Augartengegend, wobei die naß 
gemalten Aquarelle sehr der lockeren Atmaspl 
des Praters kongruent sind. Der Strich bei den 
Tuschezeichnungen ist fester und dichter gewo 
(23. 10.-11. 11. 1974) - (Abb. 22) 
Zwettl - Galerie im Stüberl 
Herwig Zens 
Zens zeigte Radierungen, in denen das technis 
mechanische Weltbild unserer Zeit eine Rolle 
Große Flächen werden nur am Rande angeze 
alte Formen klaffen. Das Antlitz des Menscher 
scheint isoliert. 
(6. 10.-26. 10. 1974) 
St. Pölten - Galerie in der Stadtbibliot 
Literatur optisch 
Großfotos in Gegenüberstellung zu Gedichten 
Mit dieser erstmals in der Galerie in der Passt 
in Wien gezeigten Schau versucht der 
Literaturkreis Podium den heute sehr optisch 
orientierten Menschen mit Hilfe des Bildes auf 
poetische Texte aufmerksam zu machen. Eine 
Schau, die wegen ihres Erfolges von verschied 
Städten angefordert wurde. 
(26. 11. 1974-15. 1. 1975) - (Abb. 23) 
Burgenland 
Eisenstadt - Landesgalerie 
Robert Schmitt 
Aquarelle, Zeichnungen und Bilder, Öl und Ac 
geben einen sehr guten Überblick der 
Arbeitsweise der letzten Jahre. Bei den Zeichn 
gibt es einige bestechende Landschoftsstudier 
Akte. Auch bei den Bildern scheint uns der 
liegende Akt aus dem Jahre 1973 mit seinen gi 
Flächenteilungen am reifsten. Die Aquarelle si 
von einer meisterhaften Leichtigkeit und mit 
sparsamstem Farbeinsatz ein Optimum an Au: 
Mit den Acrylarbeiten hat Schmitt einen ähnli: 
Weg in einem neuen Medium gefunden. 
(12. 12. 1974-31. 1. 1975) - (Abb. 24) 
Alois V
	        

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