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Volltext: Katalog der Special-Ausstellung Mittelalterlichen Hausraths

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•wahrten sie treu die Form des Faltstuhles mit gekreuzten Beinen, über 
welche Leder oder ein gewebter Stoff gespannt war. Ein solcher Sessel, 
dieser Epoche angehörig, aus hölzernem, gefärbtem Stabwerk, mit Füßen 
aus Erz und Abschlüssen aus Elfenbein versehen, hat sich noch im Kloster 
Nonnberg in Salzburg erhalten. Wir begegnen dem Faltstuhl zahlreich 
auf den Bildern, wie insbesondere auf den Siegeln, immer als Thronsessel 
herrschender Persönlichkeiten, seien sie weltlicher oder geistlicher Art, 
männlichen oder weiblichen Geschlechts. Sie dienen als Sitze Königen und 
Fürsten, Bischöfen und Aebten, und ebenso Fürstinnen und Aebtissinnen. 
In der Regel enden die Stäbe oben in einen Thierkopf, unten in Tatzen. 
Die Rundung und Dünnheit der Stäbe lassen vermuthen, dass sie nicht 
selten noch aus Erz bestanden, und die gelbe Farbe zeigt an, dass sie 
vergoldet waren. 
Von den thronartigen Sitzen und Sesseln abgesehen bestand das 
Sitzmöbel des früheren Mittelalters fast einzig aus Bänken, welche an 
der Wand entlang liefen, sei es mit, sei es ohne Rücklehne. In den 
Hallen der großen Herren dienten sie der Gefolgschaft bei dem Mahle 
und nach «aufgehobener« Tafel auch zum Schlafen, nachdem das nöthige 
Bettzeug darauf gebreitet war. Jener Ausdruck «aufgehoben«, den wir 
noch heute bei der Mahlzeit gebrauchen, mag in dieser Zeit entstanden 
sein, da er für sie buchstäblich zu nehmen ist. Der Herr und sein oft sehr 
zahlreiches Gefolge von Lehns- und Kriegsmannen speisten gemeinsam. 
Zu diesem Mahle wurden vor den Bänken die Tische aufgeschlagen, das 
heißt, es wurden Bretter auf Schrägen gelegt und diese Bretter nach 
beendeter Tafel wieder »aufgehoben« und die Schrägen entfernt. So gab 
es Platz für die Nacht. An festen Tischen in kleinerer Wohnung wie im 
Gemach der Frauen fehlte es selbstverständlich nicht; man bedurfte ihrer 
ja zu mancherlei Arbeit, da die Sitte des Liegens beim Essen oder sonst 
zur Tageszeit von der antiken Welt aus nicht auf den Norden über 
gegangen war. Sie sind aber doch auf den Bildern eine verhältnissmäßig 
seltene Erscheinung. Noch im i3. Jahrhundert haben Herr und Dame, 
die Schach spielen, das Schachbrett zwischen sich auf der Bank liegen, 
auf welcher sie sitzen. 
Bei dem Mahle in kleinerer Gesellschaft, das sich oft in den Minia 
turen findet, z. B. als Abendmahl Christi, als das Mahl des Herodes, als 
König Artus’ Tafelrunde, in welchem Falle der Tisch die runde Form 
hat, ist der Tisch stets mit einem Tuche bedeckt, das von den Kanten 
herunterhängt. Oftmals erscheint das Tafelluch auch nur wie ein breiter 
Behang um die Kanten herumgezogen. Verzierung, Musterung in Streifen 
oder in regelmäßig wiederkehrender Anordnung kommt erst in gothischer 
Periode auf den Bildern vor. Das Speisegeräth ist im Ganzen einfach, da 
wohl anzunehmen ist, dass die Ueberreste antiker Gold- und Silberarbeit, 
welche noch die Tafeln der Merovinger und ihrer Zeitgenossen bedeckten, 
allmälig aus dem Gebrauch verschwunden waren. Bemerkenswerth aber
	        

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