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fullscreen: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 10)

DAS HARRACHSCHE MAJORATSHAUSSIP 
VON JOSEF DERNJAC-WIEN 50' 
"V : ' e? M die Wende des XVII. Jahrhunderts stehen 
" die I-Iarrach, seit dem XIII. in Böhmen in 
Geltung und Ansehen, seit dem XVI. in Nieder- 
österreich Herren, dann Reichsfreiherren von 
Rohrau und Bruck, endlich Erblandstallmeister, 
verwandt mit den Gonzagas, mit den Hohen- 
zollern, zumal aber mit sämmtlichen historisch 
gewordenen Familien des Reiches, unter 
letzteren an Macht und Einfluss obenan. 1 Impo- 
nirend hebt sich von den Trägern der grossen 
Zeit, da unser Reich sich zu consolidiren und 
seine ersten Kraftproben in glorreicher Weise zu bestehen begann, die 
Gestalt des Grafen Ferdinand Bonaventura I. ab, eines Enkels jenes Karl, 
des ersten Reichsgrafen von Rohrau, Oberststallmeisters und Oberstjäger- 
meisters der Kaiser Mathias und Rudolf II., der durch die Stiftung des 
gräflich Harrach'schen, aus den Herrschaften Bruck und Rohrau, Stauf und 
Aschach bestehenden Familien-Fideicommisses die Basis für das weitere 
Emporsteigen der Familie geschaffen, von dessen Söhnen der eine erst 
Fürstbischof von Prag, dann Bischof von Trient geworden, der andere in 
der Schlacht bei Lützen in schwedische Gefangenschaft gerathen, von dessen 
Töchtern eine Albrecht Wallenstein, Herzog von Friedland, die Hand 
gereicht. Die Bildnisse, gemalt von der Meisterhand eines van Schooten, 
eines Hyacinthe RigaudY zeigen uns den Grafen Ferdinand Bonaventura 
als einen energischen, wohlwollenden Mann, ausgestattet mit dem durch- 
dringenden Blicke des vollendeten Menschenkenners. Als hochgebildet und 
human, gewissenhaft und pflichtgetreu erscheint er uns auf jeder Seite 
seiner mit eisernem Fleiss und in einem, für jene Zeit vortrefflichen Deutsch 
geführten Tagebücher, welche, leider nur zu einem Drittheil, und auch da 
nur fragmentarisch edirt, eine der wichtigsten Quellen bilden für die politische 
und Culturgeschichte der zweiten Hälfte des XVII. Säculumsß Für die 
 
1 Der vorliegende Essay bildet eine Vorstudie zu einer grösseren Publication. welche der Verfasser 
und Ferdinand Menöik im Auftrage Seiner Erlaucht des Herrn Grafen johann Harrach über das Palais auf der 
Freiung vorbereiten. Vgl. über die Geschichte des Hauses den Artikel von Stramberg in Ersch und Grubers 
Encyclopädie (x8z8). Die Aufsätze in der österreichischen National-Encyclopädie, bei Hyrtl, die Fürstlichen, 
gräflicben und {reihen-liehen Familien des österreichischen Kaiserstaates, sowie bei Wurzbaeh basiren 
alle darauf. Über das Palais siehe Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon, II, Seite 3 ff. 
2 Das Bild van Scbootens, ganze Figur, gegenwärtig in der Bibliothek; von den Bildern Hyacinthe 
Rigauds (Brustbilder), bei dem er die Sitzungen selbst beschreibt (Tagebuch xGGB), das eine in der Galerie, das 
andere im sogenannten Rauchsalon. 
3 Für die Charakteristik des Grafen vgl. Carl Gaedeke, die Politik Österreichs in der spanischen Erh- 
folge, I., Leipzig 1877. 8". Sein während der Passauer Reise geführtes Tagebuch hat Ferdinand MenEik im 
Archiv für österreichische Geschichte, Band LXXXVI, Seite 205 H. edirt, eines seiner Madrider Tagebücher, 
leider mit I-Iinweglassung alles dessen, was kunst- und culrurgeschichrlich von Interesse, Gaedeke, ibid., 
Band XLVIII, Seite r53.]usti konnte für seinen Velazquez diesen Band im Original benützen. 
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