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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 33)

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München, wo sie allgemeines Aufsehen erregten. Die Statuen des Rheins für die WVal- 
halla und des Kaisers Hadrian fiir die Glyptothek sind daraus gefertigt. Bedeutende An- 
träge fiir die Bauten König Ludwigs folgten; allein Umstände verhinderten Herrn Schweizer, 
einen längeren Aufenthalt in Laas zu nehmen. Er verliess den Ort und betrieb in der 
Folge nur den Bruch von Schlanders, der den bisher in München bekannten, weit gerin- 
geren Tiroler Marmor geliefert hat. 
Auf seiner ersten Reise nach Italien im Jahre"lP35 hatte der Bildhauer Steinhänser 
aus Bremen in München zuerst den Laaser Marmor gesehen und wnr dadurch in hohem 
Grade überrascht worden; allein vergebens forschte er weiter nach. Er erfuhr nur, dass 
es Tiroler Marmor, - dass von demselben keine Stücke weiter zu bekommen seien. Er 
verlor die Suche wohl nicht aus den Augen, allein er konnte sich doch keine weiteren 
Nachrichten darüber verschaden. Im Jahre 1863 fand er sich indess durch grosse Auf- 
träge des Grossberzogs von Baden veranlasst, sich angelegentlich um den Tiroler Marmor 
zu bekümmern, und setzte sich in Verbindung mit dem obgedachten Herrn Schweizer, der 
damals im Begride stand, die Ausbeutung der Msrnmrbriiche aufzugeben. Im Jahre 1865 
besuchte Steinhäuser selbst Schlanders und untersuchte die dortigen Brüche. ohne jedoch 
sich ganz befriedigt zu finden, bis er kurz vor seiner Abreise durch Zufall den Laaser 
Marmor kennen lernte. Diese Entdeckung veranlasste ihn, durch seinen Sohn, Herrn 
Johannes Steinhäuser, im Vereine mit Herrn Peter Lentz den Bruch von Laas in Angriß 
zu nehmen, dessen Marmor trotz seiner besseren Qualität fortan in Deutschland wehlfeiler 
geliefert werden kann, als der carrarische Statnar-Marmor. Eine Marmor-Schneidemiihle 
wird mit dem laufenden Frühlings in Thätigkeit gesetzt werden, um auch Platten in gräs- 
screm Masse liefern zu können. 
Eine kürzlich im k. k. österr. Museum ausgestellte, für Berlin bestimmte Statue 
Steinhiiusefs war geeignet, von den treiflichen Eigenschaften dieses Materials eine Vor- 
stellung an geben. (Aus dem Kunstblatt der N. fr. Pr.) 
Kleinere Mittheilungen. 
(Die Grundsteinlegung zum neuen Museumsgehäude am Slu- 
liellring) wird im Spätherbst d. J. in feierlicher aber einfacher Weise 
stattiinden. Die Eröifnun des neuen Gebäudes, welcher mit Ende 1870 
entgegengesehen wird, sol mit einer grossen Ausstellung alter und mo- 
derner Kunstindustrie-Gegenstände des In- und Auslandes in Verbindung 
gebracht werden. 
(Neu ausgestellte Gegenstände.) Am 16. Mai: Das dem Wiener Männer- 
gesangvereine von Sr. Majestät dem Kaiser gespendete Banner, Entwurf vom Architekten 
Hausen, Bronzcarbeit von Hollenhach, das Mittclbild gestickt von Marie Benko, 
vits jun. nach einer Zeichnung von Griepenkerlf") Elfenbeinkannen aus der franzö- 
sischen Renaissance, Eigenthum des Herrn A. Posonyi; Copien von alten Ofenkacheln, 
vom Major R. v, Franck in Graz; eine hölzerne gothische Thüre; Fayencen von Ulysse 
in Bleis (Frankreich); ein Hausaltar im gothischen Style, in Holz geschnitzt und eingelegt 
von J. Leimer. auf der Pariser Ausstellung mit der silbernen Medaille ausgezeichnet. 
Am 22. Mai: Die Ehrenbiirgerdiplome der Stadt Wien für Ihre Excellenzen, Reichs- 
kanzler Baron Benst und Herrenhaus -Präsident Fiirst Colloredo, die Malerei von Karl 
Geiger, die Schrift von Altenhurger, die Einbände nach dem Entwurfe des Archi- 
tekten Groner ausgeiiihrt im Atelier des Hofbuchbinders Groner; eine Suite von mo- 
dernen Glasgegenständen von J. 8: L. Lcbm syr; ein Bett, Theil einer Einrichtung im 
s. g. griechischen lüensissance-Styl, entworfen vom Architekten Blitzfeld, ausgeführt in 
der Fabrik für innern Ausbau der Wohngebäude von Ch. Ulrich jun. ä Cornp.; Sticke- 
reien von Therese Mirani; ein neues Zeichenwerk von GC-rome. Geschenk der Herren 
Goupii 8: Camp, vermittelt durch Herrn Hofrath Dr. Ritter v. Schwarz in Paris. 
Am 25. Mai: Die Dsnkadresse der Sendlinge des n. ö. Gewerhevereins zur Pariser 
Ausstellung 1867, ausgeführt von Fr. Fisclihach und C. Hrachowinn; alte Manu- 
scripte mit Miniaturen und Einbände in Lederplastik, Eigenthum des Stiftes Lambsch; 
eine Psyche in Marmor, von Prof. Ludwig v. Zitkovszky, Eigenthuxn der Familie Zit- 
kovszky; italienische Fayencen, Eigenthum des Herrn Curstors R. v. Friedland. 
Am 30. Mai: Eine Suite Gypsabgüsse nach Thierfiguren; eine Bronze-Copie eines 
grossen Candelabers aus der italienischen Renaissance; die vier Jahreszeiten von Thor- 
") Vergl. den Artikel ,Div: StickcRFAusstzllilng im Cllfsillßlll.
	        

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