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Volltext: Katalog der Internationalen photographischen Ausstellung im Oesterr. Museum für Kunst und Industrie 1881

II 
Photographische Verfahren. 
Grand durch eine Lackschicht dunkel gefärbt oder weiss ist, Ferro- 
type 1 ) oder Albatype genannt werden. 
Beinahe gleichzeitig mit der Daguerreotypie (1839) wurde von Fox 
Talbot ein Verfahren angegeben, durch welches auf präparirtem Papier 
in der Camera ein Bild hergestellt werden konnte, welches hinsichtlich 
des Effectes von Licht und Schatten und bezüglich der Stellung das 
Gegentheil des Originals darbot und welches man das Negativ oder auch 
die Matrize nennt. Dieses Negativ, durch entsprechende Mittel durch 
sichtig oder durchscheinend gemacht, wird auf präparirtes Papier gelegt 
und an eine Glasplatte gepresst, dem Lichte ausgesetzt. Ein Abdruck 
resultirt in dieser Weise nach einiger Zeit, welcher, mit dem Negativ 
verglichen, das entgegengesetzte Verhältniss bezüglich Licht und Schatten, 
sowie in der Stellung zeigt, mit dem Originale aber hierin überein 
stimmt; man nennt es das Positiv. Das eben beschriebene Verfahren, 
Talbotypie oder Kalotypie 2 ) genannt, bot jedoch den Uebelstand, 
dass die Structur des zum Negativ benützten Papieres im Positiv mehr 
oder weniger störend wirkte. Man bemühte sich demnach, eine Substanz 
als Träger des Negatives zu finden, welche structurlos und durchsichtig 
wie Glas sein sollte. Schichten von Stärke, Leim, Eiweiss etc., auf Glas 
platten aufgetragen, wurden zu diesem Zwecke vorgeschlagen und ver 
wendet, bis durch die Erfindung des Pyroxylins und die Entdeckung seiner 
Löslichkeit in einem Gemische von Aether und Alkohol die Substanz ge 
funden war, die bei den Negativen seit dreissig Jahren vorwaltend den 
Träger des Lichtbildes bildet und deren Herrschaft erst in jüngster Zeit 
(1875) durch die Einführung der Gelatine als Träger des Bildes ernstlich 
bestritten wird. 
Negativprocess. 
Wir müssen uns versagen, die Methoden, welche in unseren Tagen 
entweder gar nicht oder nur ausnahmsweise zur Anwendung kommen, 
in dieser kurzen Darstellung zu besprechen, sondern wollen uns darauf 
beschränken, das noch gegenwärtig herrschende Collodionverfahren (nach 
seinem Erfinder Archer in England auch Archerotypie genannt) 
etwas eingehender zu skizziren. Das Collodionverfahren kann entweder 
auf nassem oder auf trockenem Wege zur Anwendung kommen,, 
daher man im photographischen Atelier ein nasses Verfahren und ein 
Trockenverfahren zu unterscheiden pflegt. Wegen seiner Rapidität 
tritt als mächtiger Concurrent des Collodionverfahrens in neuerer Zeit 
der Gelatineprocess auf. 
*) Zur Herstellung von Ferrotypen oder Melainotypen werden 
Collodionbilder auf schwarz lackirten Eisenplatten hergestellt. Das Collodionbild, 
welches auf Glas in der Durchsicht ein Negativ vorstellt, erscheint auf einer 
schwarzen Dnterlage positiv, aber verkehrt (das Rechte nach links gekehrt), wenn 
nicht die Photographie mittelst eines Spiegels oder Prismas erzeugt wurde. Nach 
dieser Methode kann ähnlich wie hei der Daguerreotypie immer nur je Ein Bild 
durch eine Aufnahme erzielt werden. Wegen der Schnelligkeit, mit welcher 
ein einzelnes derartiges Bild fertig gestellt werden kann, steht diese Methode 
noch immer hie und da in Anwendung. (Siehe Ausstellung C 49.) 
’) Siehe Ausstellung C 12, VI, X.
	        

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