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fullscreen: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 174 und 175)

 
 
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10 
 
11 
Erd- und Himmelsglobus finden wieder zueinander: Wäh- 
rend im islamischen Kulturkreis der Jahrtausendwende 
und später Hlmmeisgloben entstanden, die erhalten sind 
(z. B. Neapel, Paris, Dresden), ist von dort kein Erdgiobus 
nachzuweisen. Stärkere Verbreitung fanden Erd- und Him- 
melsglobus aber erst - erstaunlicherweise - durch 
deutsche Kartographen und Mathematiker, nicht, wie 
man glauben konnte, durch spanisch-portugiesische, de- 
ren Seeleute wohl interessierte Abnehmer für nautische 
Instrumente, deren Kaufleuten und Kriegern der Globus 
ftlr Zwecke der Wissensvermehrung dienlich sein hätte 
können. Nein, in Mitteleuropa wurde der Globus neu ent- 
wickelt und in eine Form gebracht, die - wiederum für 
Jahrhunderte - fast unverändert in der Herstelltechnik 
verbleiben sollte. - (Abb. 1 und 2) 
Folgen wir einmal kurz dem Herstellgang eines Globus 
mittlerer Größe, wie aus dem 18. Jh. beschrieben - vor- 
her und noch lange danach gtllt : in eine halbkugelige 
Form aus gebranntem Ton wird in Wasser elngeweichtes 
Papier - manchmal unter Zugabe von Leim - gedrückt 
in einer je nach Größe einige Millimeter dicken Schicht. 
Nach dem Austrocknen kann so eine Halbkugel aus der 
Tonform genommen werden, die mit einer gleichartig her- 
gestellten zusammengeklebt wird, nachdem man ein quer 
durchgehendes Verstarkungsholz eingeleimt hat. In die- 
ses Verstärkungsnolz werden zumeist Metaiistifte einge- 
schlagen, die als Endstücke der Erdachse (oder Himmels- 
achse) den Globus später im Gestell drehbar zu lagern er- 
lauben. Die Kugel wird mit einer dünnen Gipsschicht 
überzogen und glatt geschliffen. Sehr sorgfältig wurde ge- 
arbeitet: so hergestellte Kugeln aus dem 18. Jh. haben bei 
ca. 30 cm Durchmesser Abweichungen im Durchmesser 
von nur weniger als 1 mm, wenn man an verschiedenen 
Stellen vom Äquator oder Meridlanen nachmißt. Das Kar- 
tenbild - für Erd- oder Himmelsglobus -- ist auf Papier 
auf sogenannte Globusstrelfen gezeichnet - oder im 
Holzschnitt, später Kupferstich, dann, ab dem 19. Jh. be- 
ginnend, im Lithographieveriahren bedruckt, Die Globus- 
streifen werden mit Leim auf die vorbereitete Kugel ge- 
klebt, nach dem Trocknen wird die Kolorierung der Stern- 
bilder bzw. der Kontinente und Meere und eventuell der 
Kartuschen aufgebracht und ein schützender Flrnis dar- 
Obergelegt. - (Abb. 7) 
Auch die Form des Gestelle, in welchem der ältere Erd- 
oder Himmeisglobus ruht, ist - von wenigen Ausnahmen 
abgesehen - durch fast zweieinhalb Jahrhunderte fast 
unverändert geblieben - sofern es sich um Seriengloben 
handelt, die ja mit der Entwicklung der Drucktechnik bald 
manufakturartig hergestellt wurden. Mit gutem Grund war 
das Gestell so konzipiert, konnte man doch mit einem so 
ausgerüsteten Globus vieles von den Erscheinungsbil- 
dem der Bereiche Zeit, Klima, Ortsbestimmung, Sonnen- 
und Sternstände usw, demonstrieren. Dazu ist der Globus 
drehbar in einem Messingring gelagert, der, von Pol zu Pol 
gehend, dem Meridian entspricht und auch eine Gradtei- 
lung besitzt. Mit diesem Meridianring sitzt nun der Globus 
- selbstverständlich drehbar - in meist hölzernen grö- 
Seren, vor allem breiteren Horizontring, und zwar so, daß 
der Meridianring senkrecht stehend in verschiedene Lage 
gebracht werden kann, so daß die aus dem Meridianring 
herausragende Achse in verschiedene Neigung gebracht 
werden kann - für die Lage von Wien wäre der Globus 
auf etwa 4B" 15' einzustellen, dann weist die Erdachse 
zum Polarstern, und auf dem Globus ist mit Hilfe der fast 
immer auf dem Globus verzeichneten Ekliptik der Sonnen- 
höchststand an jedem Tag des Jahres zu ermitteln, die 
Himmelsrichtung von Sonnenauf- und -untergang und 
auch die für sie zugehörige Zeit. Durch Verstellen des Me- 
ridianringes in eine andere Neigung können solche Aul- 
gaben für jeden Ort gelöst werden. Der Horizontring 
selbst steht auf meist vier Säulen, die unter dem Globus 
durch eine Scheibe oder durch kreuzförmig verlaufende 
Hölzer zusammengehalten werden. Ein Stundenring, auf 
dem Meridianring aufgesetzt, mit einem kleinen an der 
Erdachse befestigten Stundenzeiger, ermöglicht, bei Dre- 
hung des Globus die Tag- und Nachtstunden einzustellen. 
Auf dem breiten Horizontring - schon im 17. Jh, manch- 
mal sperrholzartig hergestellt - ist in der Regel auch ein 
Stich aufgeklebt, mit Angabe über Himmelsrichtung, Tier- 
kreiszeichen und Kalender in Fiingiorm - letzterer oft- 
mais mehrmals gegeneinander verschoben wiederholt, ei- 
ne Auswirkung der Gregorianischen Kalenderreform 
(1582), die sich in protestantischen Gegenden Deutsch- 
iands und in England viel später durchsetzt. Da die Diffe- 
renz zwischen Frühlingsanfang nach Gregorianischem 
und Julianischem Kalender steigt, ist aus der Verschie- 
bung des Kalenders ein Schluß auf die Herstellzeit des 
Druckes des Horizontrlnges zu ziehen. Auch die Tages- 
buchstaben durften nicht fehlen - zur Berechnung der 
beweglichen Feste -, und manchmal dienten auch ge- 
wisse Angaben der Astrologie, der närrischen Schwester 
der Astronomie, wie sie von einem großen Astronomen 
des 17. Jh.s genannt worden ist. 
  
(SchiuB s. S. 78) 
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