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Volltext: Ausstellung neuer amerikanischer Baukunst

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immer mii dem Augenblicklichen. Seine Kraft zum Nachdenken 
ist unentwickelt, und so übersieht er selbst jene einfachen, lebens 
wichtigen Dinge, die neben ihm aufwachsen, und mit denen er 
eines Tages, als seinem Geschick, zu rechnen haben wird. Dieser • 
Tag wird ihn unvorbereitet finden. Der klare Verstand solcher 
Leute, die Weite ihrer Einbildungskraft, der scharfe Blick, der kräf 
tige Wille setzen uns manchmal in Erstaunen. Aber wenn wir näher 
nachprüten, finden wir, da& all dies nur ein glänzender Oberbau 
ohne tiefere Fundamente ist. 
So haben wir an den Polen unseres Denkens zwei Klassen von 
Menschen, von denen jede glaubt, daß sie sich mit Wirklichkeiten 
beschäftigt. Tatsächlich arbeiten beide nur mit Ausschnitten oder 
Phantomen; sie haben beide zusammen alles studiert, nur nicht das 
Wichtigste, die letzten wirklichen Gedanken, die Wahrheit, die 
tieferen Triebkräfte, das wirkliche Herz der Menschen. Sie haben 
nicht genügend mit der einzigen Quelle sowohl der sozialen Be 
ständigkeit, wie des sozialen Wechsels gerechnet. Wenn mit der 
Zeit solche Gedankenfehler, die natürlich an Schärfe zunehmen, 
zu schmerzlichen Ausgleichen führen, so wird dies nur das natürliche 
und unvermeidliche Ergebnis verhängnisvoller Mißverständnisse 
sein, die Folge des unheilvollen Mangels, unvollständig zu denken 
und in einer Art, die uns von unseren Nebenmenschen hinwegtührt. 
Wenn ich nun sage, daß dieses Bild unserer Gedanken natür 
lich auch in unserer Architektur zu lesen ist, so sage ich nicht viel 
und auch nicht wenig. Wer nur will, kann es unschwer mit mir er 
kennen. Alles steht ja vor uns. Wir haben vollkommene Muße. 
Das Bauwerk hat keine Möglichkeit der Bewegung; es kann sich 
nicht verbergen und uns nicht entgehen. Da ist es, — und berichtet 
mehr Wahrheiten über den, der es erdachte, als er in seiner Einfalt 
sich träumen ließ. Es enthüllt seinen Geist und sein Herz genau in 
ihrem wahren Wert, keine Spur mehr, keine weniger. Das eine 
sagt uns: „Ich bin ebenso wenig ein echtes Bauwerk, wie der 
Mensch, der mich schuf, ein echter Mann war!“ Das andere läßt uns 
deutlich und mit Freude die ehrliche Anstrengung eines Mannes 
erkennen, der etwas Echtes schuf, ln einem dritten mag man einen 
Geist erkennen, der vielleicht noch unfertig und seiner selbst noch 
nicht ganz sicher, aber doch mutig genug war, einen Weg zu suchen. 
Einen Mann, den man ermutigen sollte, anstatt ihn durch Spott zu 
unterdrücken. Gerade ihm müßte man sagen: „Lerne noch mehr 
Natürlichkeit, lerne. Deine Aufgabe auf ihre einfachsten Formen zu 
bringen; laß alle Fragen, so verwickelt sie scheinen, zu einer Ein 
fachheit kommen. Nimm diese Einfachheit auf, verliere nicht den 
Mut. Denn Du bist hier an dem Punkt, den die Menschen so achtlos
	        

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