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Volltext: Der gute billige Gegenstand

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GUSTAV KLUMPP 
WIE KOMMEN INDUSTRIE 
ARTIKEL ZUSTANDE? 
Um die Beaiitw'ortung dieser Frage zu vereiiiracheii, will ich nur rein 
technische und Ueschmacksarlikel in Betracht zielion. 
Eine INadel, eine Nähmaschine und eine Lokomotive sind Artikel rein 
technischer Art. 
Für die Inneneinrichtungen von Wohnungen, Hotels, Passagierdampfern 
und dergleichen kommen hauptsächlich Geschmacksartikel in Frage. 
Technische Artikel heginnen im Konstruktionshurean, Geschmacksartikel 
aber im Zcichenhurcau oder Küustleratelier. 
Zwei Beispiele, das Entstehen und der Werdegang eines Rasierapparates 
und eines Eßlöffels werden uns die Ihiterschicde klar machen. 
Ein Rasierapparat ist eine Erfindung, w’elche als Type in Form und 
Größe in der ganzen Welt l'eststeht und dem Zeitgeschmack nicht unter 
liegt. Entwürfe für neue Formen sind deshalb nicht erforderlich. Sein 
Werdegang beginnt im Konstruktionshurean, wo die Grund-, Aufriß- 
und Detailzeiclinungen angefertigt werden, welche durch genaii;\ste Dar 
stellung aller Teile, sowie durch minutiöseste Maßeintragungen gekenn 
zeichnet sind. 
Nach solchen Zeichnungen werden auf mechanischem Wege die zur 
Fabrikation notwendigen Präzisionswerkzeuge angefertigt, und die Kosten 
dieser Einrichtung sowie alle Stadien des Fabrikationsprozesses, wie das 
Ziehen, Fräsen, Drehen, Prägen, Bohren, Gewindeschneiden, Schleifen, 
Versilbern usw.. berechnet. 
Die Kalkulation hat nebst den Löhnen die Preise für Brutto- und Netto 
gewicht der Materialien, die Erneuerung.skosten der abgenützten Werk 
zeuge, den Materialverlust, den Abfall, die W'erk.stätten- und allgemeinen 
Regien, die Handlungsunkosten und den eventuellen Gewinn zu berechnen. 
Unter ganz anderen Voraussetzungen entsteht ein neues Löffelmii.ster, 
dessen Grundtype wohl auch gegeben ist, aber in der geschichtlichen 
Formentwicklung eine Menge Vai'iationen zeigt, welche durch die Art 
der Herstellung, die kulturellen Verhältnisse und die Speisegewohnheiten 
der Völker bestimmt wurden. Im Mittelalter war der Eßlöffel noch ein 
seltener Luxusartikel, der von Hand, meist sehr kunstvoll verziert, 
angefertigt wurde. Als sich der Gebrauch von Eßlöffeln verallgemeinerte 
und teilweise maschinelle Herstellungsmethoden zur Anwendung ge 
langten, haben sich im Laufe der Jahrhunderte in Italien, Spanien, Frank-
	        

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