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Full text: Der gute billige Gegenstand

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LUDWIG NEUMANN 
DER GRBRAUCHSGEGENSTAND 
ALS 
OBJEKT DER VOLKSWIRTSCHAFT 
Nur auf den pnmitivsten Stufen des Wirtschaftslebens ist der Erzeuger 
und der \erwendor eines Gebrauchsguts ein und dieselbe Person. Je 
mannigfaltiger und höher die Bedürfnisse werden, desto stärker tritt 
eine Trennnng zwischen Erzeugung und Verbrauch hervor, und zwar so 
wohl in persönlicher wie auch in räumlicher Beziehung. Dadurch wird 
allerdings die Einschaltung eines Verbindungsfaktors in das Wirtschafts 
leben notwendig und diesem Umstande verdankt der Handel seinen 
stärksten Entwücklungsantrieb. 
Wesentlich später als dieser Prozeß, aber dafür mit desto größerer Inten 
sität und Schnelligkeit hat sich in der Produktion selbst der Übergang 
von der Erzeugung auf Bestellung für einen speziellen Bedarf zur Massen 
produktion aul Vorrat vollzogen. Selbst Gebrauchsgegenstände, die Jahr 
hunderte hindurch nach Maß mid spezieller Angabe hergestellt wurden, 
wie Kleider, Schuhe und Möbel, werden heute fabriksmäßig in Massen 
hergestellt, wobei den Verschiedenheiten des Bedarfs teils auf Grund 
von Erfahrungen und Normen, teils aber auch nach der Einschätzung 
des Erzeugers durch Verschiedenheit der Größenverhältnisse, des Mate 
rials, der Qualität und der äußeren Form Rechnung getragen wird. Der 
wuchtigste Faktor, der dieser Tendenz zum Siege verholten hat, liegt 
in der Jatsache, daß die serienweise Massenproduktion eine beträchtliche 
Verringerung der Erzcugmigskosten gestattet. Dadurch wird einerseits 
eine Herabsetzung des Verkaufspreises möglich, die eine große Menge 
von Gebrauchsgegenständen überhaupt erst für die breiten Massen 
zugänglich gemacht hat, andererseits aber auch eine Vergrößerung der 
Gewinnspanne für den Erzeuger und den Händler. 
Diese Trennung zwischen dem Verbrauch und der zur Massenerzeugung 
vorgeschrittenen Produktion auf dem Gebiete der Gebrauchsgegenstände 
hat aber unter andern nachteiligen Folgen auch die eine gezeitigt, daß 
bum und Zweck der Wirtschaft vielfach geradezu in ihr Gegenteil ver 
kehrt wurden. Eigentlich ist es ja die Aufgabe der Erzeugung und des 
Handels, den V'erbraucher mit jenen Gütern zu versorgen, die er benötigt 
und sie ihm so zur V erfügung zu stellen, wie es für ihn nach seinen 
speziellen Bedürfnissen am zweckmäßigsten ist. Gegenwärtig ist aber 
umgekehrt der Konsument, der auf billige also industriell erzeugte Gegen-
	        

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