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Volltext: Der gute billige Gegenstand

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STADTRAT 
ANTON WEBER 
DER WEG VOM SCHLECHTEN 
ZUM GUTEN UND VOM TEUEREN 
ZUM BILLIGEN GEGENSTAND 
Mellt alles, was wenig Geld kostet, Ist billig und noch weniger ist alles, 
was billig geiiamit wird, gut. Diese Binsenwahrheit ist zwar sehr land- 
Läufig, aber wird bei der Herstellung und beim Einkauf aller Dingo 
darauf Bedacht genommen und w'erden durch zweckmäßige Ermah 
nungen die Käufer daran erinnert? Keineswegs, denn w'äre es so, so 
würde schlechter und daher teurer Hausrat aller /Vrt gar nicht erst auf 
den Markt kommen. Leider kann nicht jedermann .sofort feststellen, ob 
der Gegenstand, den er anzuschaffen im Begriffe ist, auch gut und 
billig ist und so feiert denn die Verlogenheit und die Täuschung in 
der Produktion und auf dem Markte wahre Orgien. Wie kann diesem 
großen Übel wnrksam begegnet werden? Meines Erachtens einmal durch 
den Anschauungsunterricht, der nicht nur das Gute im Haushalt mit 
allen damit verbundenen Vorteilen zeigt, sondern besonders drastisch 
auch das Schlechte mit allen Nachteilen veranschaulicht. Dann durch 
einen ständigen Kleinkrieg gegen den Schund in Wort und Schrift und 
endlich durch die Erziehung zur kritischen Prüfung beim Einkauf. 
Diese Erziehung wird sehr, sehr mangelhaft gepflegt. Nur der un- 
orientierte Käufer läßt sich durch den niederen Preis bluffen und sich 
Schlechtes für Gutes aufschwatzen. Aber w'er soll diese Erziehung vor 
nehmen? Alle die berufen sind, das heißt jeder Mensch, der Gutes vom 
Schlechten zu scheiden vermag, in seiner Umgebung, vor allem abtn' 
die Schulen jeglicher Art und die Presse. Wenn jede Zeitung die Neu 
erscheinungen auf dem Büchermarkt bespricht und hiebei Gutes vom 
Schlechten und Teueres vom Billigen scheidet, wenn der Kunstkritiker 
alle Zweige der Künste gewissenhaft behandelt und schonungslos das 
Kitschige, Schale und Verderbliche scharf verurteilt und das Schöne 
begeistert feiert, ja w’arum soll das bei allen Gegenständen, die wir im 
täglichen Leben nicht missen können, die wir brauchen und bei deren 
Benützung wir doch auf die ästhetische Wirkung, auf die Bequemlich 
keit und auf das Behagen mindestens so viel Anspruch erheben, anders 
sein? Kritik, schonungslose Kritik ist’s, was der Gegenstand im Haus 
halt vor allem braucht! Dann wird .sich der teuere Gegenstand vom 
billigen und der gute vom schlechten für alle leicht erkennbar scheiden. 
Was ist gut, w'as ist billig? Gut ist alles, was dem Zweck, dem es dieneli
	        

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