MAK

Volltext: Foto-Ausstellung: Österreichs Bundesländer im Lichtbilde Wien Juni 1933

20 
heimatlichen Bauten Gestalt angenommen hat. Volkskunst offen 
baren auch die von liebevollen Händen geschaffenen Einzelheiten 
an den Bauten, deren winzigste Feinheit im Lichtbilde festgehalten 
werden kann. Man muß die Fotos der kunstvollen Gitter und 
Portale, der reichgeschmückten Wirtshausschilder, die stimmungs 
vollen Höfe mit den verträumten Brunnen, die Bildstöcke und 
kunstgewerblichen Arbeiten überhaupt gesehen haben. Welch 
prächtige, ganz eigenartige Werkel 
Nicht minder anziehend wirken im Lichtbilde die Innenräume 
der Bauten, unter anderen Wohnzimmer und Säle, Kirchenschiffe, 
Stiegenhäuser, Werkstätten und Kellereien. Das auf diesem Ge 
biete gezeigte, die natürliche Abgrenzung von Licht und Schatten, 
die an Holbein erinnernde Peinlichkeit in der Wiedergabe wich 
tiger Einzelheiten und die ungekünstelte Belebung der Räume mit 
ihren Bewohnern bei der Alltagsarbeit, bedeutet Lösung schwie 
rigster Aufgaben durch die neuzeitliche Lichtbildkunst. So gibt 
es Bilder von alten Bauernstuben in der Ausstellung, die mit 
ihrer künstlerischen Einfachheit und Eigenart das Entzücken eines 
jeden kunstsinnigen Besuchers erwecken werden. Sie atmen 
förmlich die Seele des Besitzers, man spürt, daß beide unzer 
trennlich zusammengehören. 
Volkskunst drückt ungeschminkt das künstlerische Empfinden 
der jeweiligen Zeit aus und ist gleich dem Volkslied an keinen 
Künstlernamen und an keine bestimmten Stilarten gebunden. 
Darum hat der Heimatschutz keinen Grund, gegen Kunstrichtungen 
und die Technik der Neuzeit Stellung zu nehmen — im Ge 
genteile: Materialechtheit, einheitliche Raumwirkung und Per 
sönlichkeitsgehalt sind gemeinsame Eigenschaften der Volks- und 
der neuzeitlichen Kunst. Nicht um die Kopierung alter Stile handelt 
es sich, sondern um die Erhaltung des guten Vorhandenen, um 
die Fortsetzung der Bauüberlieferungen und die künstlerische 
Anpassung an das Gesamtbild. Auch müssen die Nützlichkeits 
werte mit ihnen in Einklang gebracht werden. Was geschaffen 
wird, muß nun einmal den Stempel seinerzeit tragen! Dies er 
kannt zu haben und mit Abbildungen von Ehrfurcht gebietenden
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.