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Full text: Die ägyptischen Textilfunde im K. K. Österreich. Museum

Stickerei (Nr. 581) ist auf einem Leinenärmel angebracht und besteht in 
einer doppelten Wellenranke, die in Purpurfäden mittels eines eigenthümlich 
geknoteten Kettenstiches durch die Nähnadel ausgeführt erscheint. Hier 
tritt das Bestreben, ein Relief zu erzeugen, ganz unzweifelhaft hervor. 
Ziehen wir zu diesen beiden Stickereien noch jene hellenistische heran, die 
nach Stephani’s Beschreibung') mittels gelber Wollfäden in Plattstich auf 
Purpurwollgrund ausgeführt ist, so zeigt sie in der Abbildung denselben 
knotigen und reliefartigen Charakter, wie unsere ebenerwähnte Purpur 
stickerei auf Leinen. Es ist hienach wohl der Schluss gestattet, dass die 
Textilkunst des classischen Alterthums die Stickerei im Allgemeinen nur 
dann heranzog, wenn es sich darum handelte, ein gewisses Relief auf dem 
zu verzierenden Grunde zu erzeugen. In allen anderen Fällen, wo das Muster 
flach erscheinen sollte, blieb die Wirkerei in ausschliesslicher Verwendung. 
Wir sehen daher an den meisten Gewändern im Grunde selbst den Raum 
für die einzuwirkenden Borten, Spangen und Einsätze ausgespart, um die 
Einheitlichkeit der Fläche nicht zu stören. Soweit der im Gewebe aus 
gesparte Raum (wo also die Kettfäden ohne Einschlag blieben) durch die 
eingewirkte Verzierung nicht ausgefüllt wurde, hat man die auf diese Weise 
freibleibenden Lücken nachträglich durch Fäden des Grundgewebes — 
gleichfalls im Wege der Wirkerei — ergänzt (Taf. I, unten zu beiden Seiten 
des Blattstieles). Wo sich die gewirkten Zierstreifen oder Einsätze nicht in 
die Grundkette eingearbeitet, sondern aufgenäht finden, da darf man stets 
annehmen, dass die betreffenden Verzierungen aus anderen Gewändern aus 
geschnitten und aus Ersparungsrücksichten wieder verwendet wurden. Von 
nicht geringer Wichtigkeit, jedoch nach anderer Richtung, ist Nr. 583, die 
insoferne als Stickerei bezeichnet werden muss, als die Verzierung auch in 
diesem Falle nicht durch Weberei oder Wirkerei, sondern durch Einarbeitung 
in das fertige Gewebe hergestellt ist. Da aber das eingestickte Material 
aus Silbgrlab«- 2 ) von 1 mm Breite besteht, kann das Instrument zur Ausführung 
nicht eine gewöhnliche walzenförmige Nadel gewesen sein, sondern ent 
sprechend breit abgeplattet. Die Musterung dieses Stückes ist eine rein 
geometrische, rautenförmige und durch Kreuzstiche im blauen Leinen hervor 
gebracht. Es ist dies der einzige Fall von Metallanwendung in unserer 
Sammlung. Die Silber- und Goldstickereien des abendländischen Mittelalters 
und der Renaissance zeigen andere Sticharten, aber an einem Punkte, der 
') a. a. O., S. 112 ff., Taf. III. 
4 ) Silberlahn wurde in Aegypten aus der Zeit Thutmes’ III. gefunden.
	        

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