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Objekt: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift für Architektur, angewandte Kunst und alle modernen Kulturaufgaben, 4. Jahrgang 1908

Brückenportal der neuen Dombrücke, Kölner Seite, vom Stapelbaus gefeben 
DIE NEUE DOMBRÜCKE IN KÖLN 
EINLEITUNG 
D ie neue Kölner Nordbrücke, die nach den Plänen des Ber 
liner Geb. Oberbaurats Profeffor FRANZ SCHWECHTEN 
bereits in Angriff genommen worden ift, wird mäch 
tige, fogenannte romanifcbe Torbauten erhalten, wie aus den 
Skizzen bervorgeht, trotjdem in diefer Architekturmaske ein Werk 
moderner Eifenkonftruktion fteckt. □ 
Das Raifonnement, das die romanifcbe Stilimitation der Brücken 
köpfe rechtfertigen foll, befagt, daß der romanifcbe Stil hier des 
halb am Platje wäre, weil die älteren Kölner Bauwerke, welche 
in der Rbeinanficbt hervortreten, ebenfalls romanifcb find. Wir 
leben ja im Zeitalter der beimifcben Bauweife, und da müffe die 
neue Architektur der Umgebung Rechnung tragen. »An den 
Ufern Kölns, wo zahlreiche herrliche Gottesbäufer und volkstüm 
liche Bauten aus alter Zeit hervorragen, ift daher der Brücken 
bau in denjenigen Formen zu fcbaffen, die dort beimifch find.« 
Das ift ein Weg, auf dem die äftbetifcbe Durchbildung der 
Ingenieurbauten niemals erreicht wird. Wir feben, wie die ein- 
feitige Betonung der heimatlichen Bauweife geradewegs in die 
alte Stilmaskerade wieder bineinfübrt. Wie leicht hätten es hier 
die Ingenieure, wenn fie die Unzulänglichkeit der Architektur 
beweifen wollten. □ 
Die bloße Erinnerung an jene zahlreichen Beifpiele der ver 
gangenen Kunft, die ficb bei den tecbnifchen Bauten, zu denen 
auch die Brücken gehören, mit der äußerften fcblichten Betonung 
und der Herftellung guter Verhältniffe begnügte, foltte vor folcben 
Mißgriffen bewahren. □ 
Güddicherweife bleibt diefer Brückenarcbitekturplan nicht un- 
widerfprocben. Vielleicht ift das Übel abzuwenden. Wir geben 
in nacbftebendem den Inhalt einer folcben baufachmännifchen 
Kritik, die fachlich fo trefflich begründet ift, daß eine weitere 
Charakteriftik diefes nebenbei fkizzierten Projektes erübrigt. 
ZUR KRITIK DER KÖLNER RHEINBRÜCKEN 
I n den Berichten wurde übereinftimmend als ein befonderer Vor 
zug gerühmt, daß die Hrcbitekturteile der Brücke, im befondern der 
Strompfeiler und Portalbauten, in mittelalterlichen romanifchen Bau 
formen, unter Anlehnung an Motive rheinifcber Burgen, fich befonders 
barmonifcb dem Kölner Städtebild einfügt. Man fpracb davon, daß 
diefe gewaltigen Brückentore mit ihren Säulengängen und trotzigen 
Türmen wieder ein Stück romantifcben Burgenzaubers an den Ufern 
des Rheines erftehen ließen; man war der Meinung, daß fie mit ihrer 
großen Maffe in der Umrißlinie der Stadt fo bedeutfam in die Er- 
fcbeinung treten werden, daß fie nicht nur von den gewaltigen Dom 
türmen nicht erdrückt, fondern als ein Gegenftück zu diefen wirken 
würden. Im Architekten- und Ingenieurverein waren aber nicht nur 
die Architekten, fondern, was wir ganz befonders betonen wollen, die 
Ingenieure der Meinung, daß eine fotcbe Kritik nicht die heutigen An- 
fchauungen der Fachkreife zum Ausdruck bringe und deshalb diefe, 
folle anders nicht die öffentliche Meinung über die äftbetifcben Begriffe 
der Ingenieurkunft verwirrt werden, nichtunwiderfprochen bleiben dürfe. 
Trat in früheren Jahrhunderten an den Baumeifter die Aufgabe 
heran, die Ufer eines breiten Stromes zu verbinden, fo fchuf er, da 
feine Zeit andere Konftruktionsmittel nicht kannte, die hölzerne Joch 
brücke oder die gewölbte Steinbrücke, die fich nach Form und Material 
ftets barmonifcb der Umgebung anpaßte. Als klaffifcbe Beifpiele der 
artiger Schöpfungen feien nur genannt: die alte Reußbrücke in Luzern, 
die berühmte Auguftusbrücke in Dresden, die Mofelbrücke in Trier und 
die alte Mainbrücke in Frankfurt. Wenn derartigen Brücken große 
Turm- und Torbauten angefügt wurden, wie bei der Taynbrüdke in 
Prag, fo dienten diefe lediglich zu Verteidigungszwecken, waren alfo 
Nutjbauten. Hierin liegt fcbon die Urfache, daß fie ftets in organifcber 
Weife mit dem Brückenbau verbunden waren, der feinerfeits durch die 
vielgeftattige Ausdrucksfähigkeit feines Baumaterials, felbft bei an ficb 
einfacbften Formen, fich faft ohne Ausnahme als eine künftlerifcb voll 
endete Schöpfung darftellt. Hierzu kommt noch, daß eine lange Tra 
dition die Sicherheit des Schöpfers gefcbult hatte. Als nun mit dem 
Beginn des neunzehnten Jahrhunderts als bisher unbekanntes Bau 
material das Eifen auftrat, fab ficb der Baumeifter ganz neuen
	        
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