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Volltext: Das Biegen des Holzes, ein für Möbelfabrikanten, Wagen- und Schiffbauer wichtiges Verfahren

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Dimension, durch Leichtigkeit und Festigkeit, endlich durch 
Dauerhaftigkeit in hohem Grade aus. Die ganzen Stühle, 
Fauteuils, Kanape’s machten daher nicht geringes Aufsehen. 
Ja sie lenkten die Aufmerksamkeit von Männern auf Thonet, 
deren Beruf von der Verfolgung des industriellen Fortschrittes 
nach damaligen Begriffen ziemlich weit ablag. Den Mann von 
Geschmack konnten diese Erzeugnisse frappireu, aber nicht 
befriedigen. Auch Thonet erkannte in dieser Methode des 
Biegens nur eine erste Stufe*). 
Thonet versuchte ein breites gekrümmtes und getrockne 
tes Lamellenpaquet noch einmal zu zerschneiden, und zwar mit 
ebenen Schnitten senkrecht auf die Breite der Fourniere und 
dem früher geschilderten Verfahren nun neuerdings zu unter 
ziehen, so dass jetzt Krümmungen in einem neuen Sinne erzielt 
wurden und doppelt gekrümmte, geschweifte Möbeltheile ent 
standen. Die ganze Procedur war nun folgende: Man denke sich 
beispielsweise acht gerade, gleich breite Fournierstreifeu zu 
sammengebunden, in Leim gekocht und dann S-förmig ge 
krümmt. Im getrockneten Zustande dieses S senkrecht auf 
seine Dieken-Dimension, die Breite der Lamellen, in acht Blät 
ter zerschnitten, welche sammt und sonders eine dünne ebene 
Fourniere von S-förmigen Contour dargestellt hätten. Jedes 
dieser Blätter ist seiner ganzen Ausdehnung nach durch sieben 
Leimfugen gestreift; es besteht ja jedes dieser S aus je einem 
Abschnitt der acht ursprünglichen Lamellen. 
Legte man nun diese acht S-förmigen zusammengesetzten 
Blätter gebunden wieder in kochenden Leim und krümmte 
man nun das Paquet neuerdings, so erhielt man einen Möbel- 
tlieil nach einer Kurve zweiter Ordnung gekrümmt, d. h. einen 
*) Schon diese erste Methode Thonet’s fand ihre Nachahmer. 
In den lirevets d’inv. T. 88. p. 16, findet sich die Abbildung eines 
Stuhles, welcher eine intime, unverkennbare Verwandtschaft mit dem 
Thonet’sehen Erzeugnisse dieser Periode hat. Der Text bestätigt 
die Identität des Verfahrens mit dem obengeschilderten. Die Publi 
kation, welche mit vielfachen gewagten Behauptungen für das „Sy 
stem“ Propaganda macht, stammt von einem Rheinländer Meerten 
aus dem Jahre 1841 her.
	        

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