MAK
Seite 358 
Nr. 23 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Die Einrichtung der Burg Vöttau. 
Die alte historische Burg Vöttau in Mähren, die 
einst dem berühmten österreichischen Heerführer Grafen 
Daun gehörte, hat in jüngster Zeit ihren Besitzer ge 
wechselt und es ist eine für den Kunsthandel wohl nicht 
bedauerliche Folge, daß deren kostbare Einrichtung 
jetzt im Wiener D o r o t h e u m zur Versteigerung ge 
langt. 
Die einstigen Schätze Dauns sind längst in aller 
Welt zerstreut — das interessanteste Stück, der Helm 
Zrinyis befindet sich im Budapester Nationalmuseum 
— was aber der letzte Besitzer von Vöttau, Graf 
Johann St. Z a m o y s k i auf seinen Reisen zum Schmuck 
Untersatztisch, schwarz politiertes Holz mit Füllungen in 
Marmor, hauptsächlich Lapislazuli, in den Nischen und 
auf der Galerie Bronzefigürchcn klassischer Gottheiten. 
Florentinisch, XIX. Jahrhundert. Höhe 200 cm, Breite 
138 cm, Tiefe 50 cm.« 
Hat Graf Zamoyski, worauf schon dieses Stück hin 
weist, im allgemeinen Arbeiten der Renaissancezeit be 
vorzugt, so fanden sich auf Vöttau auch Möbel anderer 
Stilgattungen, besonders Empire und Biedermeier. 
Neben einem Bicdermcierflügel von Konrad Graf in 
Wien aus Kirschholzflader mit Pedalen für Pauken- und 
Tschinellenbegleitung finden wir aber auch ein pracht- 
Fig. 11. Velazquez, Kardinal Infant Ferdinand. 
seines Heims zusammengetragen hat, dürfte sich auch 
sehen lassen und machte in der Tat die nächst dem 
lieblichen Ausflugsorte F r a i n gelegene Burg zu einem 
Zielpunkte für Kunstfreunde. 
Ohne eigentlich Sammler zu sein, hat Graf Za 
moyski mit feinem Verständnisse Objekte angekauft, 
denen Kunstwert eignete. Besonderes Augenmerk lenkte 
der Graf auf das Mobiliar und es bildete seinen Stolz, 
daß er manch schönes Stück aus dem Besitze des pracht- 
licbenden Bayernkönigs Ludwig II. erwerben konnte. 
Ein Prunkstück dieser Provenienz dürfte das Kabinett 
im Renaissancestile sein, von dem der stattliche, mit 
lobenswerter Gründlichkeit verfaßte Katalog folgende 
Beschreibung gibt: »Kabinett im Renaissancestile, auf 
volles Piano von P1 e y e 1 in Inaris, das mit Gescll- 
schaftsiszenen nach Boucher geziert ist und auf kunst 
voll geschnitzten vergoldeten Füßen ruht. 
Bei Erwerbung wertvoller Gemälde hatte Graf 
Zamoyski eine besonders glückliche Hand. Seine Samm 
lung alter Meister enthält manches Stück, um das ein 
heißer Wettstreit bei der Auktion entbrennen dürfte. 
Der Clou ist ein Porträt des Kardinal-Infanten Ferdi 
nand, das keinem Geringeren als Velazquez zu 
geschrieben wird. Schon D e z a 11 i e r d'A rgens- 
v i 11 e erzählt uns in seinem 1767 erschienenen »Leben 
der berühmtesten Maler, nebst einigen Anmerkungen 
über ihren Charakter«, daß Velazquez im Aufträge 
Philipps IV. dessen Bruder, den Kardinal-Infanten Fer-
	        
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