MAK
Seite 282 
Internationale Sam ml er-Zeitung. 
Hummer 18 
dazu 98 einzelblätter oder Hutographe und 6 Sammlungen hand 
schriftlicher ltachlässe. eine ansehnliche Bereicherung erfuhr 
namentlich der Bestand an sainaritanischen Handschriften durch 
die Sammlung (35 Hummern), die einer der besten Kenner dieser 
Hiteratur, Dr. P. Kahle, in Hlablus selbst gemacht hat. Höchst be 
merkenswert sind ferner einige christliche Handschriften in arabi 
scher Sprache; die älteste dauon, eine der ältesten, die es aufjer 
dem Koran und den Papyrusurkunden in der Sprache überhaupt 
gibt, ist eine Pergamenthandschrift aus dein 10. Jahrhundert unse 
rer Zeitrechnung; sie enthält neben andern theologischen Traktaten, 
namentlich oon Johannes Chrysostomus, das Gespräch zwischen 
JTlönch und Hluslim, das der oerstorbene Professor K, Völlers 
durch eine Übersefjung bekannt gemacht hat, Der Autographen- 
sammlung überwies u. a. Prof. E. Darmstädter den ßriefnach- 
lafj des Berliner Professors der Botanik C. S Kunth (f 1850), 
namentlich fll. o. Humboldts Briefe an ihn. frl Therese Heng- 
stenberg überwies der königl. Bibliothek den umfangreichen Brief- 
nachlaf] ihres Groipafers, des Berliner Professors der Theologie 
Ernst Wilhelm Hcngsfenberg (f 1869), aus den Jahren 1825 bis 
1868. Der Theodor Ulammsensche Briefnachlafj wurde wieder 
sowohl um Originale als um .Abschriften uermehrt, Die Reoision 
des Handschriftenbestandes, die seit 30 Jahren nicht oorgenominen 
war und nach dem Umzuge beabsichtigt wurde, ist für die acci- 
denfalischen Fächer durchgeführt. Die ITtusi ksammlung (Direk 
tor Prof. Dr. Kopf ermann) erfuhr, abgesehen oon sonstigen 
Zuwendungen, namentlich durch die oon dem Sammler Dr. Eeopold 
Hirschberg überwiesene, aus zirka 400 Bänden und Heften be 
stehende, in ihrer Vollständigkeit einzige Sammlung aller Original 
ausgaben Carl Eoewescher Werke eine mcrtoolle Bereicherung, 
ebenso kann die Cntwicklung,die die „Deutsche niusiksammlung 
bei der königl. Bibliothek“ (Vorsteher Professor Dr. Altmann) 
im oierten ]ahre ihres Bestehens genommen hat, im allgemeinen 
als eine recht günstige bezeichnet werden. Dankbar gedenkt der 
Bericht dabei des fördernden Anteils, den die firma Breifkopf und 
Härtel inHeipzig und der Vorsitzende des Vereins der Berliner ITlusika- 
lienhändler, Herr Willibald Challier, sowie andere musikuerleger und 
sonstige Geschenkgeber an der Weiterentwickelung der Sammlung 
genommen haben. Der im Vorjahre angefangene Versuch, Inter 
essenten Werke in beschränkter Zahl, meist 3 oder 4, zur häus 
lichen Benutzung auf kürzere Zeit anzuuertrauen, wurde fortgesetzt. 
Sehr dankbar wurde die ITlöglichkeit anerkannt, Werke nach Hause 
mitzunehmen, die sonst oilleicht kaum in Berlin aufzutreiben sein 
dürften. Die Kartensammlung (Vorsteher Prof. Dr. meißner) 
ist Anfang lAai 1909 in die für sie bestimmten Räume im neuen 
Bibliotheksgebäude eingezogen. Konsul Vohsen schenkte zu deren 
Ausschmückung mehrere Wandkarten der deutschen Kolonien und 
einen großen Globus. Eine andere schätzbare Bereicherung erfuhr 
die Abteilung durch eine 569 Blätter umfassende Sammlung großer 
Originalphotographien oon Gegenden in Italien und dem Orient, 
die eine in Berlin lebende Amerikanerin, IDrs. Edye, nebst einer 
Anzahl oon englischen und amerikanischen Prachtmerken zum 
Geschenk machte. Durch Kauf wurden u. a. erworben: die zum 
ersten IDale oeröffentlichten offiziellen oder mit Unterstützung der 
betreffenden Regierungen herausgegebenen Karten oon Chile, Argen 
tinien, Brasilien usm., ferner der umfangreich angelegte Atlas zur 
Geschichte der Kartographie der japanischen Inseln uom Grafen 
Teleki und die grofzen ITtondatlanten oon Coemy und Puiseux 
und Weineck. 
(Die neue britische Cnzykloplädie.) Die Unioersität 
Cambridge hat die Kontrolle und die Rechte der Publikation der 
Encyclopaedia Britannica übernommen und wird eine neue und 
oollständige Ausgabe Cnde dieses Jahres erscheinen lassen. Diese 
neue Ausgabe, an der seit acht Jahren gearbeitet wird, dürfte die 
früheren Ausgaben als ueralfet erscheinen lassen. Sie wird aus 
28 Quarfbänden bestehen. Die Enzyklopädie hat eine interessante 
Geschichte. Sie wurde zuerst oon den Genflemen of Scotland, 
einer wissenschaftlichen Vereinigung oor 140 Jahren geplant und 
dann in oier Bänden herausgegeben. Die neue Ulethode, wichtige 
Gegenstände zusammen pj fassen und zu Sammelartikeln zu oer- 
einen, und auf der anderen Seite das Hachschlagen durch zahl 
reiche Separatarfikel, die alphabethisch angeordnet wurden, zu 
erleichtern, oerschaffte dem Werke bald Berühmtheit. Eine beträcht 
liche Erweiterung wurde immer wieder als notwendig anerkannt. 
Auflage folgte auf Auflage in schneller Reihenfolge bis die Anzahl der 
Bände zwanzig betrug, in welcher Stärke die Enzyklopädie 1815 
oon Archibald Constable herausgegeben wurde. 
Bilder. 
(Ein neuer Israels.) Aus Amsterdam wird berichtet’ 
Ein neuer Israels ist seit einigen Tagen im Saale der hiesigen 
Kunstfirma franz Buffa u. Zonen ausgestellt und, wie kaum 
anders zu erwarten gewesen ist, ist diese letzte Schöpfung des 
87 jährigen Greises, dessen Arbeitsfreudigkeit und Schaffungskraft 
die Jahre nichts anhaben können, der Gegenstand allseitiger Be 
wunderung, aber auch einer eingehenden Kritik. Das Bild stellt 
eine bereits in die Jahre gekommene frau oor, deren lAodell mir 
schon auf oerschiedenen Gemälden des llleisfers begegnet sind, 
die dem Künstler aber jetzt nur noch als Erinnerungsbild oorschroebte. 
Denn die formen haben sich in Eicht und Ton aufgelöst, auf den 
ersten Anblick kostet es mühe, in diesen fast idiotischen Zügen 
irgend welches Heben oder eine tiefere Bedeutung zu entdecken, 
aber je länger der Blick auf diesem Kopfe uermeilt, desto mehr 
drängt sich die überwältigende Schönheit dieser Vision auf, die 
alles Körperliche abgestreiff zu haben scheint. Es ist eine Dar 
stellung sowohl der Vergangenheit wie der Zukunft: auf diesem 
Gesicht spiegelt sich ein an Ereignissen, keinesfalls heiteren und 
erfreulichen, reiches Ceben ab, während die auf den ersten Blick 
teilnahmslos in die ferne starrenden Augen dem Eingeweihten die 
ruhige, gelassene Ergebung oerkünden, mit der diese frau der 
Zukunft, auch wenn diese neue Bitterkeiten bringt, entgegenblickt. 
Diese Stimmung drängt sich durch die tiefen Schatfenföne, das 
warme Grau und das glänzende Gelb auf der Stirne oon selbst 
auf, es ist die bezaubernde Harmonie, die an Sphärenmusik denken 
läfjt und die den Schleier oon dem Jsraelsschen Geheimnis der 
unübertroffenen farbenpoesie lüftet, ln gewissem Sinn kann dieses 
Gemälde als ein Seitenstück zu dem oor einigen lahren aus dem 
Atelier oon Israels heroorgegangenen „Eebensabend“ betrachtet 
werden, wo ein hochbetagter lAann, der seine Eebensrechnung 
ebenfalls angeschlosscn hat, noch erhobenen Hauptes und froh des 
erfüllten Hebenszwecks durch die Dünen wandelt. 
Exlibris. 
(Die Exlibris-Sammlung H. E. Stiebei.) Das Auktions- 
Institut C. G. ßoerner in Heipzig oersendet folgende Aufteilung; 
Ende nooember wird bei uns die Exlibris-Sammlung des in frank- 
furt a. m. uerstorbenen Herrn Heinrich Eduard Stiebei oersteigert 
werden. Sfiebel besaf; nach der dem „Germanischen Aluseum“ 
geschenkten Sammlung des Grafen o. Heiningen-Westerburg 
die gröfzte existierende Sammlung alter und neuer Exlibris aller 
Zeiten und Händer. Die Zahl seiner Blätter wird auf 18—20.000 
geschätzt, so dafj fast oon einer Vollständigkeit gesprochen werden 
kann. Sein Besitz geht über alles weit hinaus, was in Hand 
büchern oerzeichnet ist. Die Sammlung beginnt mit den seltensten 
handgemalten und oon Holzstöcken gedruckten Blättern des 15. 
Jahrhunderts und endet mit den modernen Erzeugnissen eines 
Klinger und Greiner. Eine derartig reiche Exlibris-Versteigerung 
hat überhaupt noch nicht sfattgefunden. Auch das Ausland, be 
sonders die Schweiz, England, frankreich und Amerika, ist mit 
umfangreichen Kollektionen üertreten. — Im Anschlufj an diese 
Auktion wird aus Stiebeis Besitz weiter oersteigert: die Sammlung 
kostbarer Einbände und die grofze Sammlung oon Titelblättern, 
Holzschnitt-Bordüren, Initialen und Druckerzeichen, die man unter 
dem Titel „Bücher-Ornamentik“ zusammenfassen kann und 
die gleichfalls wohl die umfänglichste existierende ist, da allein die 
Druckerzeichen auf 10—12.000 Blatt geschätzt werden.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.