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internationale Sammler-Zeitung. 
Hummer 2 
dem Gebiete der Kunst und insbesondere auch der Holzschnißerei 
eine alte Kultur hat, ist bekannt, und dieses Thema behandelt ein 
Leitartikel in der jüngsten ilummer dieses Blattes, den Dr. Ryork 
Ching Tsur oerfaßt hat, der in Deutschland studiert hat. Die 
Geschichte der Holzschnitzerei in llingpo reicht bis in die Zeit der 
Sung-Dynastie zurück, die um das zwölfte Jahrhundert der christ 
lichen Zeitrechnung herrschte, fluch in China ist die Kunst zumeist 
religiösen Ursprungs. Insbesondere werden die noch heute am 
häufigsten oerlangten Tempelgeräte nach mustern gearbeitet, die 
manche entworfen haben. Die künstliche Holzschnitzerei wandte 
sich den zur Schmückung des familienaltars bestimmten Kerzen- 
ständern, somie den Tischen und Stühlen für den flhnendienst zu. 
fluch in Deutschland finden chinesische geschnitzte Bilder, die nach 
alten mustern entworfen sind, künstlerische alte Illuster uon Leisten 
für Stuhllehnen, Wandsimsen usru. gute Abnahme, lieben den 
Ginzelmeistern gibt es in China auch „Gesellschaftsholzschnißer“, 
Hiermit ist dort ein Teil der mittelstandsfrage beantwortet, dafz eine 
Betriebsform für weniger kapitalkräftige Kunsthandwerker gefunden 
wird, die ihnen die Vorteile des Großbetriebes sichert, ohne ihnen 
den Charakter als Handwerker zu nehmen. So gibt es in llingpo 
acht „Gesellschafts-Holzschnitzereien“, deren Alter niemand angeben 
kann, ln ihnen arbeiten 20 und mehr Kleister unter einem Ober 
meister zusammen. Hier findet auch ein ITlitmirken uon oerwandten 
Kunstgewerben statt. Jede solche Gesellschaffsschnißerei hat einen 
Kunstzeichner und einen oder zwei Kunsttischler. Diese Gesellschafts- 
Schnitzereien arbeiten etwa zu einem Drittel auf Bestellung kunst- 
uolle, teure Gegenstände, ganze geschnitzte Landschaften mit Gebirgen 
und Wäldern, Regale für teures chinesisches Porzellan, endlich stellen 
sie auch den Holzschmuck Darnehmer IRandarinenpaläste her. Viele 
solche Gesellschaftsschnitzereien erhalten besseres und dabei doch 
billigeres material als der einzelne, genießen höheren Kredit und 
erzielen höheren Gewinn. Die Händler müssen sich ihrem oft sehr 
weitgehenden Cinfluß fügen. Jedenfalls die Lösung eines interessanten 
gesellschaftlichen Problems innerhalb einer halben Kultur. 
ffiuseen. 
(Der neue Direktor der Dresdner Gemäldegalerie.) 
Dr. Hans Posse, der zur Leitung der Dresdner Gemäldegalerie 
berufen wurde, gilt als einer der begabtesten jüngeren Galerie 
beamten, die aus der hohen Schule der Berliner ITluseen heroor- 
gegangen sind. Seit längerer Zeit als wissenschaftlicher Hilfs 
arbeiter tätig, wurde er im Sommer oorigen Jahres als Uachfolger 
des nach Sreiburg i. B. berufenen Prof. Dr. Vöge zum Direktorial 
assistenten hei der Gemäldegalerie des Berliner Kaiser Sriedrich- 
ITluseums ernannt und am 1. Oktober endgültig angestellt. Wissen 
schaftlich ist er besonders mit Arbeiten über die Kunst des 17. 
Jahrhunderts heroorgetreten. So galt seine erste Veröffentlichung 
dem Bologneser Bildhauer fllessandro Algardi, der in Rom in der 
Art des ßernini tätig war. fluch hat Dr. Posse wertoolle Beiträge 
zur Kenntnis der italienischen und französischen ITlalerei des Sei- 
cento geliefert. Seine letzte Arbeit ist der große beschreibende 
Katalog der Berliner Gemäldegalerie, der die Abbildungen sämt 
licher Bilder oereinigt und den er im Auftrag der Generaloermal- 
tung bearbeitet hat. 
(Das meraner llluseum) hat, wie man uns mitteilt, ein 
sehr sinniges Weihnachtsgeschenk erhalten. Cs besteht aus einer 
über 100 Jahre alten, großen Weihnachtskrippe mit über 300 figuren, 
Don denen die kleineren aus Holz geschnißt, die größeren jedoch 
bekleidet sind. Besonders großartig ist die Darstellung der hl. drei 
Könige; hier erreicht ein Clefant mit dem Turm, den er auf seinem 
Rücken trägt, die Höhe oon 55 Zentimetern. 
(Von den deutschen ITluseen) Aus Jena wird gemeldet: 
Das Prähistorische IRuseum hat in diesem Herbst zum dritten 
male Grabungen in dem prähistorischen Urnenfriedhof bei Groß 
romstedt, nicht weit oon Apolda, unternommen. Der friedhof stammt 
etwa aus der Zeit um Christi Geburt Außer den üblichen Urnen, 
die zum Teil uollständig erhalten sind, wurde diesmal als wert- 
oollstes Stück ein Bronzeeimer mit Brandbestatfung gefunden. Außer 
dem stieß man auf eiserne Schildbuckel, Lanzeuspißen und IResser 
und Gewandnadeln aus Bronze und Cisen. Die Rinde werden so 
wie aus den beiden Vorjahren für das Prähistorische IRuseum 
angekauft, 
Aus Dürnberg wird berichtet: Zu den oornehmsfen Rcuer- 
werbungen, die das Germanische IRuseum im taufe des Herbstes 
zu oerzeichnen gehabt hat, zählt eine silber-oergoldete gotische 
IRonsfranz oon überaus reichem und zierlichem Aufbau, die aus 
einer norddeutschen Kirche angekauft werden konnte. Über dem 
fein proportionierten, mit zwei Knäufen geschmückten fuß erhebt 
sich der zylindrische Hostienbehälter, der oon durchbrochenen 
Strebepfeilern flankiert ist. Cine reizooll mit fialen, Strebebögen, 
Baldachinen usw, ausgestattete Turmarchitektur bildet die Bekrönung 
des Ganzen Allerdings hat sich das kostbare Stück noch am 
Schlüsse des oorigen Jahrhunderts, da der Hostienbehälter zum 
Öffnen eingerichtet wurde, eine Überarbeitung gefallen lassen müssen, 
wobei einzelne Teile hinzugefügt und insbesondere die ganze IRon- 
stranz neu oergoldet worden ist, allein der eigentliche Kern ist 
dabei zum Glück unangetastet, die typische form durchaus gewahrt 
geblieben. Und eben hierin besteht der Hauptreiz der IRonstrauz, 
die in ihrer Vollendung ein heroorragend schönes Beispiel dieser 
architektonisch behandelten Kirchengeräte genannt werden darf. 
(Verein für das „IRärkische IRuseum“.) Aus Berlin 
wird uns geschrieben: ln der ersten Generaloersammlung des 
Vereines, die unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner im 
Vortragssaate des IRuseums stattfand, erstattete Bürgermeister 
Dr. Reiche den Verwaltungsbericht. Der Crledigung des Geschäft 
lichen gingen drei Vorträge ooraus. Cs sprachen Geh. Bnurat 
Dr. Ludwig Hoffmann über den Bau des IRuseums, Prof. Dr. 
Otlo Pniower über Berlin im Jahre 1600 und Dr. Albert Kieke 
busch über Bedeutung und Aufgabe der prähistorischen Samm 
lungen des IRuseums. 
(Sammlung prähistorischer funde.) Zum Ankauf 
einer mertoollen Sammlung prähistorischer funde aus den berühm 
ten Steinbrüchen oon Taubach bei Weimar für das städtische 
naturwissenschaftliche IRuseum in Weimar hat der Großherzog oon 
Sachsen die Summe oon 2000 )Rk. zur Verfügung gestellt. 
(Von der Württemberg!sehen Gemäldesammlung). 
Die kgl. württembergische Gemäldesammlung in Stuttgart hat in 
Brakes Kunstsalon in IRUnchen das große „Stilleben mit Dame im 
grauen Kleide“ oon Professor Teo Puß erworben. 
(Das Gemeindearchio in Conthey), Jnfolge der feuers- 
brunst, der dieser Tage das Gemeindehaus oon Conthey in der 
Schweiz zum Opfer gefallen, hat das Unterwallis eines seiner mert- 
uollsten Cokalarchioe eingebüßt. Als saooyische Grenzfestung gegen 
das Gebiet des Siftener Bischofs und als JRittelpunkt einer Kastel- 
lanie spielte in früheren Jahrhunderten der Ort eine heroorragende 
militärische Rolle. Im Jahre 1524 oon Graf Cduard oon Saooyen 
mit IRarktrecht ausgestattet, wurde 1352 Conthey oon Amadeus VI 
zur Stadt erhaben. Seine Rachfolger haben die erteilten PriDilegien 
zu wiederholten IRalen bestätigt und zum Teil erweitert, zuleßt 
1457 Herzog Cudmig. Rach der Groberung des Unterwallis durch 
die Landleute der oberen Zehnden büßte der Plaß seine einstige 
Bedeutung ein; heute liegt er ganz abseits oon der großen Heer 
straße. Das jeßt oernichtefe Archio barg reiche urkundliche Schüße 
oornehmlich aus der Zeit der saooyischen Herrschaft, die teilweise 
noch der Verwertung harrten. Glücklicherweise sind sie für die 
Wissenschaft nicht oöllig Derloren gegangen. Die auf die städtische 
Verfassungsgeschichte bezüglichen Dokumente hat der unermüdliche 
Walliser Geschichtsforscher A.-J. de Rioaz (j- 1856) kopiert, so daß 
deren Inhalt uns in seinen „Opera historica“ — im Staatsarchio 
Sitten erhalten geblieben ist. Die wichtigsten Stücke daoon sind 
oon i. Gremaud — leider nur nach diesen Abschriften — in den 
Uocuments reUtit's a, ITiistoire du Valais publiziert worden. Auch 
oon jüngeren Archioalien aus Conthey existieren im Siftener Archio 
Kopien, die freilich die Originalien nie oollwertig zu erseßen oermögen. 
(Von der „Raccolta Vinciana“ in IRailand.) Vor fünf 
Jahren gründeten einige IRailänder Kunstgelehrte eine Da Vinci- 
Sammlung, die alles umfassen sollte, was mit dem großen Leo 
nardo, der ja die Jahre seines herrlichsten Schaffens in der lom 
bardischen IRetropole oerbracht hatte, in Zusammenhang stünde, 
Originalwerke, Reproduktionen, Bücher, die sich mit seinem leben 
und Wirken befaßten usw. luca Beltrami, der bekannte Architekt 
und Kunstgelehrte, hatte der „Raccolta Vinciana“, — so wurde die 
Sammlung genannt, die in einem Saal des ehrwürdigen „Castello 
Sforzesco“ ihren Plaß fand — als erster Spender eine Anzahl inter 
essanter Gegenstände zugewandt. Seitdem hat sich die Anzahl der 
IRitglieder dieserSammlung auf zweihundert erhöht, und unter diesen 
sind die Akademien der Wissenschaften oon Paris, Wien, Teipzig, 
IRünchen und Krakau, sowie zahlreiche Gelehrte und Künstler aus 
aller Herren Ländern, die in der Bewunderung und Verehrung 
des unioersellsten Genius der Renaissance oereint sind. Die 
Sammlung hat sich in dem abgelaufenen lahre um 160 Objekte 
bereichert. Unter diesen sind die Handzeichnungen Leonardos, die 
sich bisher in der Oxfarder Christ Church-Bücherei befanden, eine 
Sammlung oon Da Vinci-Reproduktionen aus der römischen „Regia 
Calcografie“ und wertoolle bibliographische Unica besonders er 
wähnenswert. 
Uom Kunstmarkte. 
(Künstlerischer Rachlaß Gräfin fldrienne Pötting). 
Uber die durch die Kunsthandlung Hirschler in Wien durch 
geführte Versteigerung wird uns mitgeteilt: Das Grgebnis der
	        

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