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Internationale Sammler-Zeitung. 
und mit Goldschnitt, reichem Goldornament und einem fl unter der 
Kaiserkrone norn auf dem Deckel uersehen. König Gusfao erbte 
Josefinas Bibliothek, die er selber uermehrte. Den größten Zuwachs 
brachte jedoch die Vereinigung mit der Bibliothek König Oskars II , 
die namentlich in Geschichte, Religionswissenschaft und ITlusik- 
literatur sehr reichhaltig war. 
einen interessanten und roertuollen Zuwachs erhielt seine 
Bibliothek ferner durch die Büchersammlung des Prinzen non Wasa, 
die durch Testament des einzigen Kindes des Prinzen, der Königin 
Carola non Sachsen (f 15. Dezember 1907), in den Besitz des Königs 
uon Schweden überging. Diese Sammlung besteht teils aus der 
alten Gustaoianischen Haga-Bibliothek, deren Schätje in kostbare 
Cederbände mit Golddruck und den Exlibris Güstaus 111 und 
Gustaos IV. Adolf oorn auf dem Deckel eingebunden sind, teils aus 
der reichen Sammlung schwedischer Citeratur, die der Prinz uon 
Wasa (f 1877 in Pillnitj) mit unermüdlichem Interesse für Schweden 
während seines langen Cebens zusam nengebracht hat. Cine be 
sondere Abteilung bilden endlich die Bücher, hauptsächlich aus dem 
Gebiete der schönen Citeratur und der Geschichte, die König Gustaos 
Gemahlin Viktoria (uon Baden) gehören. 
Die Bibliothek ist reich an französischer Belletristik und ent 
hält zahlreiche kostbare und seltene Tafetoerke. fluf den großen 
Tischen in der Hütte des Saales liegt eine Reihe uon Prachtwerken 
in Solio und anderen grofjen formaten in teilweise wirklich könig 
licher Ausstattung und mit den Exlibris ihrer Besser Besondere 
Aufmerksamkeit lenkt ein Werk auf sich, das ein 0 II, mit Krone 
und Corbeerkranz und dem Wahlspruch „Öfoer djupen mot höjden“ 
[„Über die Tiefe zur Höhe hinan“] zeigt. 
Von Einzelheiten ist die reiche Sammlung Seldkarten zu er 
wähnen, die König Karl Johann auf seinen Feldzügen mit sich 
führte und die nun in einer Reihe Kartons geordnet sind, ferner 
die grolje Sammlung uon Adressen, die den königlichen Bessern 
und namentlich in grofjer Anzahl König Oskar überreicht wurden; 
kostbare Tafelwerke, wie die auf Kosten des französischen Staates 
hergestellten Reproduktionen uon Kupferstichen zu Cudwigs XIV. 
und llapoleons Krönungen usw. 
Dichter- und fHusiker-Flutogruphen. 
Das Antiquariat Karl Ernst Henrici in Berlin ueranstaltef 
am 24. und 25. d. HI. seine erste Auktion. Die Schäle, die unter 
den Hammer kommen, enthalten neben Porträts, Ansichten, Silhouetten 
eine Kollektion mertuoller Dichter- und lAusiker-flutagraphen. Goethe, 
Schiller und ihr Kreis, Hebbel, Heine und andere sind heroorragend 
uertreten. Van Goethe ist ein ungedruckter Brief an den Bib- 
liotheks-flccessisfen Kräuter da, der uns zeigt, womit sich 
der Dichter bei seinem Aufenthalt in Jena beschäftigt hat. Am 
Schlüsse des uom 50. Juni 181b datierten Schreibens, in dem 
Goethe überdies uon Kräuter uerschiedenes oerlangt, stellt er auch 
das prosaische Verlangen: „Auch allenfalls ein Paar Stiefel . . .“ 
Sehr interessant ist ein flutograph Hebbels. Der Dichter, 
der eben aus Weimar nach Wien zurückgekehrt ist, schreibt an 
Goethes Enkel, den Kammerherrn W. W. uon Goethe, über 
die politischen Unruhen in Wien folgendes: „Das Drama, das 
sich hier abspielt, ist so ganz ohne Kern; es kommt mir uor, als 
wären hunderttausend klappernde ITlühlen aneinander gebaut, und 
nicht eine einzige gäbe ITtehl ... Ich sehe das Schauspiel hier 
nun zum zweiten ITtal und wenn ich uor dreizehn Jahren (= 1848) 
doch wenigstens uon dem kreisenden Berg das „ITläuslein“ er 
wartete, obgleich nicht mehr, so will ich jet^t schon sehr zufrieden 
seyn, wenn nur nicht unnützer Weise Blut oergossen wird “ Hebbel 
spricht ferner uon Wien als „dem krankhaft aufgeregten Riesen 
staat“, in den er nerschlagcn sei, „wie Jonas in den Wallfisch 
Rachen“. 
In der Raritäten-Serie der Alusiker-Autographen finden wir 
Kompositionen und Briefe uon Bach, Gluck, Haydn u. a. Von 
Bach ist u. a. die Kantate „Herr Gott, dich laben wir“ (Ar. 130 
der Bach Ausgabe) oarhanden, uon der bisher auljer drei Chor 
stimmen nur die Bläserstimmen (mit Ausnahme uon Clarino II) 
bekannt waren; die hier uorliegenden Stimmen für die Streich 
instrumente galten bisher für u er sch ollen 
Über d ie ihm zu Gesicht gekommenen Originaluorlagen 
schreibt Dörffel in der Vorrede zum 26. Band der Bachausgabe: 
„Alle diese Stimmen sind durchgängig uon Bach selbst sauber und 
sorgfältig geschrieben. Das Papier der Originalpartitur ist ziemlich 
dick und fest, das darin hier und da erkennbare Wasserzeichen 
ein Halbmond Von den Stimmen lassen nur Clarino 111 u. Hoboe II 
den Halbmond in sich deutlich erkennen. . .“ Dieses Wasserzeichen 
des Halbmonds findet sich auf den ersten Blättern sämtlicher uier 
hier oorliegender Stimmen. Überall sind genaue Phrasierungen 
und Vorfragsbezeichnungen angegeben, die zum größten Teil in 
?ig. 7. Verkleinertes Faksimile der Bach’schen Kantate,
	        

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