MAK
Hummer 1 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Seite 9 
Chronik. 
Ansichtskarten. 
(Heuheiten.) Der markt wird nun ujn der Heujahrskarte be 
herrscht. Sie begegnet uns in reicheren Varianten, als in früheren 
Jahren und man muß es zur ehre der Ansichtskartenindustrie 
sagen, dafj sie sich immer mehr und mehr künstlerischen ITlofiuen 
zucuendet. Selbst jene ITlassenarfikel, deren Preise naturgemäß 
die minimalsten sein müssen, sind in so künstlerischer Ausführung 
und prächtigen entwürfen hergestellt, dafj sie wirklich bildend auf 
die großen ITlassen wirken. Wi: wollen gar nicht uon jenen drej 
entzückenden Alt-Wiener ITlägdlein sprechen, die durchaus nicht die 
gewöhnlichen Puppengesichter zeigen, sondern deren jede einen 
Typus für sich darstellt, reizend sind sie alle, alt-Wiener, alt-Eng- 
lische und die ganz modernen Ciebespaare, die unter schneebedeck 
ten Bäumen wandeln, auf dem Eise die kühnsten Eoalutianen 
ausführen, im Schlitten daher fahren, auf dem Rodel und auf Skiern 
den Berg heruntersausen. Daneben sehen wir allerorten die An 
kündigung jener drei Ansichtskarten, die uon der Reise des deutschen 
Kronprinzen aus Japan, China und Honkong auf Bestellung erhält 
lich sind. Vier Serien guter deutscher Künstlerkarten kommen aus 
der Werkstätte für moderne Cichtbildkunst uon Susanne Homann 
in Darmstadt auf den lllarkt. Alf-Augsburg und der alte Blias- 
friedhof in Dresden werden uns hier uor Augen geführt. Wie all 
gemein bekannt, ist ja Augsburg eine der schönsten deutschen 
Städte, schon um seiner Hauptstraße willen. Kenner und nicht- 
kenner der Stadt werden die trefflichen, zwanglos herausgegrif- 
fenen Bilder uon Oassen und Häusern, Türmen und Kirchen, 
Brunnen und Portalen, teils Brinnerungs-, teils Cntdeckerfreude 
bereiten. Die Dresdener Aufnahmen sind etwas Heues, da hier 
ein Altsfädtischer friedhof in systematischer Weise auf seine Schön 
heit ausgebeutet wird. Die Denkmalkunst und klangoolle Hamen 
aus zweieinhalb Jahrhunderten sind hier zu einem munderbar- 
samen Bild gewoben, das uns ein Beweis ist, daß unsere Geschmacks- 
oeredlung bezüglich der friedhöfe auch nur ein Zurückgreifen auf 
bessere alte Zeiten ist. st. 
Bibliophilie. 
(Cine Bibliothekarin im österreichischen Eisen- 
bahnministerium.) Wie man uns aus Wien berichtet, ist 
Baronin Dr. Ularie Possaner zur Bibliothekarin im Eisenbahn- 
ministerium ernannt worden. Baronin Dr. Possaner ist 29 Jahre 
alt, hat an der Wiener Unioersität romanische Philologie studiert 
und wurde 1908 zur Doktorin der Philosophie promooiert. Zuießt 
hat sie an der Wiener Hofbibliothek praktiziert. Sie ist die 
Schwester der Baronin Dr. Gabriele Possaner, der ersten Ärztin 
in Österreich, die derzeit in Wien praktiziert. 
Bilder. 
(Aus den Geheimnissen der japanischen IHalerei) 
Die Ceichtigkeit und Sicherheit der Technik, die die Werke der 
japanischen ITlaler auszeichnet, hat uon dem ersten Augenblicke 
an, da diese Arbeiten in Europa bekannt wurden, die höchste Be 
wunderung der Kunstkenner und Kunstfreunde erregt Wie kommt 
diese erstaunliche Technik zustande? Welches ist ihr Geheimnis? 
Auf diese oft gestellte frage gibt Sir f. T Piggotf, der Japan 
und die japanische Kunst aus eigener Erfahrung kennen gelernt 
hat, wohl die richtige Antwort, indem er in einem Aufsaße im 
„Art Journal" die Technik der japanischen mal- und Zeichenkunst 
unmittelbar auf den Zeichenunterricht zurückfiihrf, den der 
Kunstnooize in Japan empfängt. leicht ist dieser Unterricht keines 
wegs, denn er erfordert zehn Jahre lang eine täglich zehnstündige 
Arbeit. Br beginnt damit, daß Cehrer und Schüler mit einem 
kleinen, in seiner Einfachheit beinahe primitinen Häuflein oon 
materialien sich dicht neben einander uor zwei weiße Blätter 
Papier seßen, wobei sich der Schüler sehr unbehaglich fühlt, da 
er nicht begreifen kann, wie man in einer so unbequemen Stellung 
es überhaupt fertig bringen soll zu malen. IHodelle, ausgesfopfte 
Vögel oder dergleichen gibt es nicht: die IHodelle stecken im Kopfe 
des Cehrers. Als erste Aufgabe wird nun etwa die Darstellung 
eines fliegenden Sperlings gewählt. Die Unterrichtsmethode 
unterscheidet sich sehr wenig uon unserem Schreibunferrichte: 
Seite auf Seite wird mit Strichen und Krähenfüßen bedeckt Um 
nun den Sperling zu malen, lernt der Schüler zunächst einen dicken 
Pinsel mit sehr feiner Spiße handhaben. Blatt auf Blatt muß dann 
ausgefüllt werden mit jedem einzelnen Teile des Vogels, dessen 
Darstellung off wiederholt wird, bis sie beinahe mechanisch ge 
worden ist. Den Anfang macht der offene Schnabel mit der dünnen 
Cinie für die Zunge, es folgt das Auge und dann das Augenlid, 
hierauf Schnabel und Auge zusammen. Alle diese Cinien werden 
mit dem dünnspißigen Pinsel und chinesischer Tusche gezogen, 
Der Pinsel wird zuerst seitwärts auf Wasser gehalten, so daß sein 
dickerer Teil nahe dem Stiele eine gewisse Quantität Wasser auf 
saugt, und dann wird mit der Spiße die Tusche oon der Palette 
genommen. Her leiseste Druck läßt den Pinsel sich biegen und 
die richtige Berechnung des anzuwendenden Druckes bildet 
eines der japanischen Kunstgeheimnisse, fllan kann diese Kunst 
des richtigen Pinseldruckes gar nicht erlernen, wenn man nicht 
den Pinsel auf japanische Art hält, und ebenso wichtig scheint die 
Haltung des Japaners beim IHalen zu sein, für Kopf und Körper 
des Vogels wird ein anderer langer und nachgiebiger Pinsel ge 
braucht, der etwas dünner und ahne die feine Spiße ist. Dieser 
wird ganz mit färbe getränkt. Sein flacher Kopf ermöglicht breite 
Pinselstriche, sowie sie für Kopf und Körper gebraucht werden, 
wobei Körper und flügel nur schwach umrissen werden. Dann 
kommen die flügel und die Schwanzfedern, die mit dem 
selben Pinsel gezeichnet werden, und schließlich wieder mit dem 
ersten Pinsel die füße. Hiernach also besteht das Geheimnis der 
japanischen Kunst in Haltung und Gebrauch des Pinsels 
auf japanische IHanier. So und souiel uom Arm oder der 
Hand muß steifgehalten werden, so und sooiele fingergelenke sind 
in Bewegung uon rechts nach links oder uon oben nach unten zu 
halten, wobei zwischen den Pinselstrichen eine kleine Ausdehnung 
oder Zusammenziehung der IHuskeln erfolgen muß, die durchaus 
gleichmäßig ist. Die flügelstudien werden mit großer Geschwindig 
keit angelegt; geschwinde Ausführung ist überhaupt ein wichtiges 
Element bei der Wiedergabe uon Bewegungen. Eine japanische 
Cinie zu „kopieren“ ist tatsächlich unmöglich; möglich ist nur, 
sie durch Anwendung des dabei beobachteten Verfahrens zu re 
produzieren. 
(Amerikas Besiß an Werkzn Remb r and ts.) Hoch uor 
50 Jahren befand sich kein sicheres Werk Rembrandts in 
amerikanischem Besiße. Erst in den Sechziger Jahren des oorigen 
Jahrhunderts fauchten in amerikanischen Sammlungen zwei Bilder 
auf, die dem holländischen IHeister zugeschrieben wurden; allein 
beide sind u.n Bode in seinem Rembrandtwerke nicht angeführt 
und sind nicht als oerbürgt echt anzusehen. Es waren dies eine 
Dame im Goldregen, die eine IHr. francis Brooke 1854 in Paris 
erstanden hatte und 1S6I dem IHuseum der schönen Künste zu 
Boston schenkte, sowie ein lllännerbildnis, das IHr. Thomas T. 
Bryan 1866 der historischen Gesellschaft in Hew-lJork oerehrfe. 
Erst in dem folgenden Jahrzehnte kamen unzweifelhaft echte 
Arbeiten Rembrandts, die freilich nicht zu seinen bedeutendsten 
zu zählen sind, uielmehr bescheidene Studienbilder darstellten, 
nach Amerika und zwar auch nur zwei: eine Studie nach dem 
Kopfe eines bejahrten Juden und ein König Saul. Sehr langsam 
hat sich dann der amerikanische Rembrandtbesiß oermehrt, ln 
den Achtziger Jahren stieg er um etwa 10 Werke, um nun freilich 
uon Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer erheblicher anzuwachsen. Das
	        

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