MAK
Nr. 11 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Seite 165 
nicht daran, daß eine deutsche Flotte auf dem Wege 
des Kollektierens zustande gebracht werden wird, ich 
glaube noch weniger daran, daß die deutschen Dichter 
vom Schicksal ausersehen sind, ein Kanonenboot mit 
beizusteuern, ich glaube sogar, daß Deutschland seine 
Schiffe nirgends anders als in Dänemark zu suchen hat.« 
Robert H a m e r 1 i n g ist mit einem interessanten 
literarischen Brief, Graz, 6. Juli 1887, vertreten. Er 
äußert sich darin über die »Tagebücher« Friedrich Heb 
bels und besonders über den Dichter persönlich. Er 
soll eine Besprechung bringen. Das Schreiben ist an 
L e m m ermeyer in Genua gerichtet, der ihm ein 
Exemplar der »Tagebücher« geschickt hat. »Ucber- 
wiegend war Hebbel im ganzen und großen doch Geist- 
mensch, — der Geist arbeitete in ihm so gewaltig, daß 
jenes Element etwas zu kurz kam, welches ich das 
Weibliche nennen möchte und ohne dessen Beimischung 
Poesie und Kunst etwas männlich Sprödes behalten, 
das die höchste und allgemeinste Wirkung des Genies 
nicht voll aufkommen läßt.« 
Drollig ist ein 
Brief des Humori 
sten Moritz Gottlieb 
Saphir, gerichtet 
an den König Lud 
wig I. von Bayerri, 
seinen früheren ge 
krönten Feind und 
nunmehrigen in 
timen Freund und 
Gönner, den er nach 
seiner Ernennung 
zum Hoftheater- 
intcndaiizrat um die 
Erlaubnis zum Tra 
gen einer — U n i- 
f o r m bittet. Für 
den Spötter Saphir, 
der sich sonst über 
die Eitelkeiten der 
Menschen so weid 
lich lustig machte, 
ist dieses Verlangen 
in hohem Grade be 
zeichnend. Gleich 
falls an den König 
Ludwig I. von 
Bayern ist ein Brief Fig. 3. Dirk van 
des Dichters der 
»Totenkränze«, Joset Freiherrn v. Zedlitz, adressiert. 
Er bittet den Monarchen in sehr devoten Ausdrücken 
um die Gnade einer Audienz und bezeichnet diese 
Audienz als den einzigen Zweck seiner Reise nach 
München. 
Von. den Autographen österreichischer Feldherren 
ist ein Brief Radetzkys besonders hervorzuheben, 
der au König Ludwig I. von Bayern gerichtet ist. Es 
heißt da u. a.: »Eure Majestät geruhte mit Allerhöchstem 
Handschreiben vom 4ten dieses Monats mir zu eröffnen, 
daß Allerhöchstdieselben meinen Nahmen würdig halten, 
der Zahl jener sechzehn Führer beigefügt zu werden, 
die an der Befreiung des gemeinschaftlichen Vaterlan 
des vom fremden Joch tätigen Anteil nahmen. Unmöglich 
konnte ich auf eine so huldvolle und schmeichelhafte An 
erkennung meiner bescheidenen Verdienste vorbereitet 
sein.« Eine Erinnerung an Beriedek erweckt dessen 
Schreiben aus Ofen, den 31. Oktober 1860. Gleichsam 
vorahnend sagt er darin: »Am liebsten wäre ich in der 
Ruhe. Kann nichts gewinnen an Lebensglück, kann aber 
umwerfen. Sage, wie Gott will.« Und zum Schluß: »Ich 
wollte, es wäre Schlafenszeit und alles wäre zu Ende.« 
Von historischem Interesse ist ein Schreiben des 
römisch - deutschen Kaisers und Königs von Böhmen 
Ferdinand I. vom 10. August 1553, denn es enthält 
das Verbot, dem wilden Markgrafen Albrecht von Bran 
denburg, der damals zur Entrüstung von ganz Deutsch 
land trotz des von Ferdinand eben glücklich durchge 
setzten Religionsfriedens die Bistümer Würzburg und 
Bamberg brandschatzte, irgendwelchen Vorschub zu 
leisten. 
Besondere Beachtung verdient ein eigenhändiger 
Brief Josefs II. betreffend den Herzog Karl Eugen 
von Württemberg, in dem sich Josef der Klagen 
des Landes gegen den Herzog und seinen Minister an 
nimmt. Der Brief ist im Jahre 1767 geschrieben — es ist 
das Jahr, in dem Karl Eugen auf dem Gipfel seiner Ver 
schwendungssucht und seines Leichtsinnes stand, und an 
der Seite Montmartins jenen prunkvollen Einzug 
in Ludwigsburg hielt, wie ihn die Geschichte deutscher 
Höfe bis dahin nicht 
erlebt hatte. Unter 
dem Volke, das sich 
zu beiden Seiten des 
Weges drängte, um 
den Herzog in dem 
von acht weißen 
Pferden gezogenen 
Muschelwagen zu 
sehen, befand sich 
auch der achtjährige 
Sohn des Haupt 
mannes Schiller, 
der den Eindruck 
dieses Bildes nie 
mals vergessen hat. 
Immer wieder 
tauchte die Erinne 
rung an den Glanz 
des fürstlichen Ein 
zuges in ihm auf, 
wenn er höfische 
Pracht und könig 
liche Machtfüllc 
poetisch gestaltete; 
es war ein Tag, den 
keiner seiner Bio- 
Deelen: Architektur. graphen nennt, und 
der dennoch für 
sein Leben von außerordentlicher Bedeutung ge 
wesen ist. 
Hochinteressant ist ein schöner in französischer 
Sprache verfaßter Jugendbrief des Kaisers Franz 
Josef vom 10. Juli 1843. Er zeigt dem Adressaten »A 
Monsieur Hypoliti Dore ä la suite de son altesse lc prince 
de Metternich ä Ischl« seine baldige Ankunft in Ischl an. 
Nicht minder wertvoll ist eine Depesche an seine Mutter, 
die Erzherzogin Sophie, also. lautend: »Der Kaiser 
an I. K. K. Hoheit die Frau Eh. Sophie in Schönbrunn. 
Ich bin mit Sisi (Kaiserin Elisabeth) soeben glücklich 
angekommen. Morgen früh 7 Uhr reisen wir nach Laxen 
burg. FJ.« Auch von der Erzherzogin Sophie ist ein 
Schreiben, datiert Schönbrunn, 7. Juli 1869, vorhanden, 
gerichtet an die Baronin Emilie Binzcr, zu der auch 
ihr verstorbener Sohn Erzherzog Maximilian, der 
mexikanische Kaiser, in sehr freundschaftlichen Bezie 
hungen stand, wie aus seinen zahlreichen Briefen an die 
selbe hervorgeht. Fast der ganze Brief, ist dem Andenken 
ihres so tragisch geendeten Sohnes gewidmet. Er be-
	        
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