MAK
Internationale Sammler-Zeitung. 
Nr. 21 
Seite 328 
Fig. 8. Peter der Große. 
druck für das sogenannte Capricepölsterchen (Wonne- 
gummel) ist. 
Ein solcher Oummel war wohl auch der Sack mit 
gesammelten Zigarrenstummeln, ein Vorrat auf zwei 
hundert Jahre, auf dem Cirias Bombe, der Held in J. E. 
Poritzkys Geschichte »Auf dem Speicher« (Welt 
spiegel 1909, Nr. 52), zu ruhen pflegte. 
Als im Braustübchen eines Klosters ein Gast fragte: 
»Darf man denn hier nicht rauchen?« antwortete der ihn 
bedienende Frater: »Nein, mein Herr!« Als er aber dann 
weiter fragte: »Ja, von wem sind denn dann die vielen 
Zigarrcnstiimpchen, die da herumliegen?«, erhielt er die 
treffende Antwort: »Von den Herren, die nicht gefragt 
haben!« 
Wie jedes Ding seinen Zweck hat, so ist es schließ 
lich das Los des Zigarrenstummels, doch auch aufge 
raucht zu werden, wenn auch von einem anderen als dem, 
der die Zigarre begonnen und zum Stummel gemacht hat. 
Als ein Sommerfrischler im Wirtshause fragte: »Ist 
denn hier nirgends ein Aschenteller?«, antwortete ihm 
ein neben ihm sitzender Bauer: »Da werfen S’ den Stum 
pen glei' in mei’ Pfeifenkopf ’nei’l« Auch der Stummel 
verwechslung beim Feuerbitten kann des Humors wegen 
gedacht werden, wie selbe ein Schlaukopf geschickt 
durchführte. 
Manche Stummeln haben einen gewissen Affektions 
wert, einen reliquiaren Charakter. In Sandringham 
erzählt man sich eine nette Anekdote vom König 
Eduard VII. Er sah eines Morgens, wie zwei Arbeiter, 
die im Parke des Schlosses in seiner Nähe arbeiteten, 
ihre Werkzeuge fortwarfen und sich um einen kleinen 
Gegenstand balgten, den sie am Erdboden entdeckten. 
Eine Weile beobachtete der Herrscher den Streit, ohne 
das Objekt desselben entdecken zu können. Er trat end 
lich näher und richtete an einen von ihnen die Frage, 
weshalb denn auf einmal Zwist zwischen ihnen ausge 
brochen sei. »Ich habe den Stummel der Zigarre gefun 
den, den Eure Majestät fortgeworfen haben, und mein 
Kamerad will ihn mir entreißen,« war die Antwort. 
Lächelnd ging der König fort, kehrte aber bald darauf 
mit zwei KNtchen feiner Zigarren zurück, die er den 
beiden Männern selbst gab. Auch auf der Marienbader 
Kollonade suchten sich oft feine Herren der vom König 
Eduard, der dort gerne weilte, weggeworfenen Stummel 
zu bemächtigen. 
In Berlin, vor dem Cafe Bauer, passierte es einmal, 
daß der Deutsche Kaiser das Mundstück seiner 
Zigarette fortwarf; ein fixer Junge langte es auf und bot 
es den Gästen des Cafes zum Kauf an und richtig fand 
sich ein Engländer, der es für zwanzig Mark erstand. 
Hier beginnt schon das Geschäftliche. 
In Italien, besonders in Neapel, werden die kleinen, 
die Zigarrenstummel auflesenden Jungen — Trovatori 
genannt. Schon E. M. Oettinger schreibt: »Auch der 
neapolitanische Lazzarone ist glücklich, wenn er einen 
Zigarrenstumpf erwischt.« In Chr. Grotewolds 
»Tabakindustrie«, pag. 106, ist ein Bildchen »Zigarren- 
stummelvcrkäufer in Neapel« reproduziert. Der italieni 
sche Staatsmann Graf Cavour, nach welchem die 
Cavours benannt sind, fragte einst einen solchen Stum 
melsucher vor seinem Palais, wie die Geschäfte gehen. 
Auf dessen Klage sagte der Bismarck Italiens, ihm 5 Lire 
reichend: »Da nimm, ich rauche wenig, kann also für 
dein Geschäft nicht viel tun.« 
Aber auch in anderen Großstädten ist dieser eigen 
artige Erwerbszweig aus dem Zigarrenstummelsammeln 
entstanden. 
Fig. 9. Jean Philippe Rameau.
	        
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