MAK
THRAKIEN IN DER 
FRÜHEN EISENZEIT 
(GEOMETRISCHE 
KUNST, 
12.-1. JH. V. U.Z.) 
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Über Thrakien in der frühen Eisenzeit 
besitzen wir nur wenige Nachrichten. 
In Mythen und Sagen ist kein Name 
eines Königs oder Fürsten überliefert 
und noch weniger genaue Angaben 
über irgendwelche interessante Er 
scheinungen. Geblieben sind nur Hü 
gel, von denen in dieser Epoche be 
merkenswert viele entstanden. In der 
Archäologie wird diese Periode als die 
frühe Eisenzeit bezeichnet. Wir könn 
ten sie auch die Zeit der Megalithen 
oder der geometrischen Kunst nen 
nen. 
Wie die Einfälle von Völkerschaften 
vor und im 12. Jahrhundert vor un 
serer Zeitrechnung auch verlaufen 
sein mögen, eines ist klar ersichtlich: 
je weiter wir nach Südosten kommen, 
desto bedeutender waren diese Völ 
kerverschiebungen, die, von Europa 
ausgehend, in Richtung auf Asien 
verliefen und in großen Wellen auch 
Thrakien überfluteten. Die thrakische 
Bevölkerung erlebte schwere Zeiten, 
ein Teil mußte aus den großen frucht 
baren Ebenen fliehen und im Sakar- 
und Strandzagebirge, in den Rhodo 
pen im Osten und im östlichen Balkan 
Zuflucht suchen. 
Als diese Einbrüche fremder Völker 
schaften aufgehört hatten, erschienen 
in den südöstlichen Gebieten große 
steinerne Grabmäler, die Dolmen, die 
aus mächtigen, aus dem Fels ge 
brochenen Steinplatten errichtet wur 
den. Ihre aus ein oder zwei Platten 
bestehenden Wände umschlossen eine 
Grabkammer, die 2 bis 2,5 m lang 
sein konnte und von einer einzigen 
Platte bedeckt wurde. Manchmal füh 
ren ein Gang (Dromos) und ein Vor 
raum zur Grabkammer, die oft mit 
einem falschen Gewölbe überdacht 
und von einem aufgeschütteten Hügel 
überdeckt war. Schließlich findet man 
- wie immer im Südosten - auch 
Felsengräber. Alle diese Gräber waren 
nur für die Stammesaristokratie be 
stimmt. Schon im Altertum, aber auch 
im Mittelalter und am häufigsten in 
der Neuzeit ausgeraubt, liefern uns 
die Dolmen und Felsengräber heute 
nur noch Keramik. Trotzdem sind in 
Nordwestthrakien, wo die Handwerks 
produktion ebenfalls für die Aristo 
kratie bestimmt war, reichere archäo 
logische Funde zutage gekommen. 
Dabei ist zu bemerken, daß in den 
Frauengräbern hauptsächlich Fibeln 
und in den Männergräbern Waffen und 
allerlei Zubehör von Pferdegeschirr 
gefunden werden. 
Wie in Griechenland, zeigt auch die 
Keramik in Thrakien in dieser Epoche 
eine Rückkehr zur alten Technik und 
zum alten dekorativen Repertoire. 
Aber die Ausführung ist einfacher 
und manchmal sogar ungeschickt. Zu 
den vorherrschenden Ornamenten ge 
hören Kreise mit einem Punkt in der 
Mitte, miteinander verbundene Drei 
ecke und andere geometrische Mo 
tive, Zickzacklinien oder Spiralen. Die 
se Verzierungen sind meist gekerbt, 
oft mit weißer Farbe inkrustiert, hin 
und wieder auch erhaben. Die 
Toreutik erreicht nicht die Vollkom 
menheit der vergangenen Epochen. 
In Ostthrakien kehren die Fibeln zum 
Vorbild der ionischen Inseln zurück 
und im westlichen Thrakien zu denen 
des griechischen Festlandes und Ma 
kedoniens. Die bronzenen Tierfigür- 
chen dieser Epoche sind charak 
teristisch. Sie imitieren wiederum im 
Westen griechische und makedonische 
Vorbilder, im Osten weisen sie, aller 
dings selten, östliche, den klein 
asiatischen sehr nahestehende Ele 
mente auf. Ebenfalls östlich beein 
flußt sind bei den Thrakern gewisse 
königliche Insignien, die wir aus 
Kleinasien kennen. Zu diesen gehört 
an erster Stelle das eiserne Szepter, 
dessen oberer Teil - als Axt geformt 
und mit Tierköpfen oder Tierfiguren 
verziert - aus Bronze ist. Aber wäh 
rend im Osten alle Äxte einen höl 
zernen Stiel haben, wandeln sich 
manche von ihnen in Thrakien zu einer 
Art Amulett und sind nichts anderes 
mehr als eine verallgemeinerte geo 
metrische Figur. Auf den Äxten in 
Thrakien sind Widder, Stier, Ziegen 
bock, Hirsch, Pferd und Vogel an 
zutreffen. Dieser Axttyp ist sehr weit 
nach Norden verbreitet und wurde 
auch im Gräberfeld von Hallstatt an 
getroffen. 
Andere königliche Insignien aus dieser 
Epoche, die von Homer als bei den 
Karern und Lydern üblich erwähnt 
werden, sind verzierte Stirnplatten, 
die uns vom ganzen nördlichen Teil 
der Balkanhalbinsel her bekannt sind. 
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