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Seite 292 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Nr. 19 
Numismatik. 
(Münzfunde in Ober-Laifrach.) Vor einiger 
Zeit wurde ein kleiner, 15 römische Münzen umfassender 
Schatzfund gemacht, der sich auf Gallienus, Claudius üothicus 
und Maximinian (?) verteilt. Die Münzen, speziell jene 
des Maximinian (?), waren weniger abgeschliffen als arg 
korradiert. Sie dürften am Anfang des vierten Jahrhunderts, 
als der Kampf zwischen Licinius und Constantin begann, ver 
graben worden sein. Ein weiterer Fund betrifft eine silberne 
Barbarenmünze der älteren schriftlosen Type. Sie ist sehr gut 
erhalten, zeigt am Averse einen Kopf mit einem dreiteiligen 
breiten Kopfschmucke. Der Revers zeigt ein lediges schreitendes 
Pferd. Als Beizeichen ein Punkt mit zwei Strichen, die von ihm 
ausgehen. Ober dem Fußgelenk, zwischen den Vorderfüßen vier 
Punkte. Gewicht 9'45 Gramm. Baron Z o i s (Wien). 
(Neue französische Nickelm ft nzen.) Im Laufe 
des nächsten Jahres sollen in Frankreich alle Kupfermünzen 
verschwinden und durch Nickelmünzen ersetzt werden. Die 
Entwürfe zu den neuen Münzen sind bereits von namhaften 
Künstlern im Münzmuseum zu Paris ausgestellt. Von den 
weit über hundert eingereichten Zeichnungen sollen zehn von 
der Jury ausgewählt werden. Alle Einsender haben sich bemüht, 
das Vorbild der belgischen Münzen nicht nachzuahmen; trotz 
dem ist die in Belgien übliche Lochung der Münze wieder auf 
genommen worden. 
(Eine K ö r n e r - M e d a. i 1 l e) hat jetzt der Numis 
matische Verein zu Dresden in künstlerischer Ausführung 
prägen lassen. Die von Fritz Hörnlein (Dresden) entworfene 
und von der kgl. sächs, Münze in Mullenhütten hergestellte 
Medaille zeigt auf der einen Seite Theodor Körners Porträt, 
auf der anderen den am gesattelten Pferd stehenden Reiter und 
die Körnerschen Verse: »Der Hochzeitsmorgen graut, Hurra, du 
Eisenbraut, Hurra!« 
Philatelie. 
(N e u h e i t e n.) Bulgarien hat anscheinend seine 
Absicht, neue Marken herauszugeben, aus Sparsamkeitsgründen 
vertagt und beschränkt sich darauf, die bisherigen Wertzeichen 
mit einem Ueberdruck zu versehen, der die lakonischen 
Worte enthält »Befreiungskrieg 1912—13«. Der Ueberdruck ist 
rot, grün oder schwarz und verteilt sich wie folgt; 1 Stotinke 
myrtengrün mit rotem Ueberdruck, 2 Stotinki karmin und 
schwarz, grüner Ueberdruck, 3 St. lackschwarz und stumpfes 
Schwarz, grüner Ueberdruck.; 5 St. grün und schwarz, roter 
Ueberdruck, 10 St. rot und schwarz, schwarzer Ueberdruck, 
15 St. nußbraun, grüner Ueberdruck und 25 Stotinki, ultramarin 
und schwarz mit rotem Ueberdruck. 
Die Cu'baner haben eine neue Marke für Eilbe 
stellungen ausgegeben, deren Zeichnung das Land an der Spitze 
der technischen Zivilisation zeigt: man sicht den Hafen von 
Havanna mit der Festung und dem Leuchtturm, mit einlaufen 
den Segelschiffen und Dampfern; und über dem Hafen be 
schreibt stolz ein Eindecker seine Kreise. Die Zeichnung ist 
sehr hübsch, aber der Graveur hat sich bei ihr die Freiheit ge 
nommen, die Sonne im Norden aufgehen zu lassen. 
(Neue Marken der Niederlande.) Der Verlag 
des Schaubeck-Album, C. L. Lücke in Leipzig, schreibt uns: 
Die Niederlande sind soeben im Begriff, eine Jubiläums 
serie von 16 Werten zu bringen, doch wird bedauerlicherweise 
über alles Nähere gleich einer geheimen Staatsaktion das 
tiefste Stillschweigen gewahrt. Nichts gelangt hierüber in die 
Oeffenlichkeit, selbst die Albumverleger und Fachzeitschriften, 
die beim Vertrieb der Marken an Sammler und Händler ge 
wiß keine zu unterschätzende Rolle spielen, sind nicht ein 
mal unterrichtet, und doch sollen die neuen Wertzeichen 
bereits Ende Oktober verkehrsfähig sein. Nur soviel 
sickerte bisher durch, daß diese Marken die Bildnisse der 
Könige Wilhelm I., II., III. und der Königin W i 1 h e 1 m i n a 
tragen. 
(Die Briefmarken von Scotts Südpol 
expedition.) Den Briefmarkensammlern steht eine Ucber- 
raschung bevor. Es wird nämlich der Rest jener Briefmarken, 
die für die Südpolexpedition Scotts hcrgestellt worden sind, 
in London versteigert. Der Erlös soll dem Scott-Fonds zu 
fließen. Es handelt sich um zwei Briefmarkensorten, eine grüne 
Halbpcnny und eine, rote Einpenny von Neuseeland, die den 
Ueberdruck »Viktoria-Land« tragen. Jede von diesen Marken 
ist von der Expedition mitgeführt worden. Es sind noch un 
gefähr 800 Stück Halbpennymarken erhalten; die Zahl der 
Einpennymarken ist noch größer. Die Mitglieder der Expedition 
haben sich entschlossen, die Halbpennymarken nicht unter 
20 Mark für das Stück und die Einpennymarken nicht unter 
5 Mark zu verkaufen. 
Verschiedenes. 
(Eine P1 a k a t s a m m 1 u n g.) Wie man uns mitteilt, 
war der in der vorigen Woche im Raxgebiete verunglückte 
Sprachlehrer Maurice Schoonheyd Mozart van Leiten thal 
ein passionierter Plakatsammlcr. Seine Wohnung in W i e n war 
mit Plakaten aller Länder bespannt und auch Mappen bergen zahl ■ 
reiche interessante Plakate, die er in W i e n und auf der Reise 
gesammelt hatte. 
(Kunstausstellungen für Kinder.) Wie ernst 
es den Vorständen der amerikanischen großen Museen mit der 
Pflicht ist, durch ihre Sammlungen erziehlich zu wirken, zeigt 
die Tatsache, daß Kinderführungen eingerichtet wurden, in 
denen von geeigneten Persönlichkeiten die Kinder vor hervor 
ragende Kunstwerke geführt werden. So hat das zweitgrößte 
amerikanische Museum, das Museum of fine Arts in B o s t o n, 
jetzt in seiner Kupferstichsammlung eine Ausstellung von einigen 
hundert Stichen, Radierungen, Lithographien, Holzschnitten 
und Farbendrucken zu einer Ausstellung für Kinder vereinigt, 
die von einem Kinderkomitee ausgesucht worden 
sind. Die Kinder haben zumeist ohne Hinweise anerkannte 
Meisterwerke der Kupferstich- und Radierungskunst aus 
gewählt. 
(Eine Bonbonsammleri n.) Das seltsamste aller 
Museen ist wohl das »Bonbon-Museum«, das nach den Angaben 
der »Daily Mail« eine vornehme Französin zu ihrem Privat 
vergnügen angelegt hat. Da finden sich Süßigkeiten in allen 
möglichen Größen, Formen und Geschmäckern, in den ver 
schiedensten bunten Verpackungen, zum Teil mit altertümlichen 
Bildchen und Sinnsprüchen geziert, aus der Gegenwart, der 
jüngstcnVergangenheit, aus der Zeit Napoleons I., aus den Tagen 
der du Barry, bis. zurück aus der Zeit Katharinas von Medici. 
Wie die Französin die Schätze ihres Museums zusammengebracht 
hat, wird leider nicht verraten: cs wird nur angedeutet, daß sie 
alte Möbel, vergessene Schubfächer und dergleichen aus alten 
Zeiten durchsucht und dabei zuweilen auf solche Süßigkeiten 
stößt, die dem Gegessenwerden durch einen Zufall entgangen 
sein mögen. Das merkwürdige Museum hat nur einen Fehler: 
es ist nur für das Auge, nicht für den Geschmack, auf den die 
Gegenstände, die es enthält, doch berechnet waren. 
(DerWert zuwachsanspruchdesbildenden 
Künstler s.) Ungewöhnliche Preissteigerungen der letzten 
Zeit auch bei modernen Kunstwerken haben in der Künstler 
schaft den Wunsch nach Beteiligung an solchem Wertzuwachs 
rege gemacht. Der Fall Degas, dessen »Ballettschülsrinnen«, 
einst für ein Butterbrot von ihm fortgegeben, im letzten Winter 
435.000 Franken brachten, hat in Frankreich die Einbringung 
eines Gesetzentwurfes veranlaßt, dahingehend, daß bei jedem 
Verkauf eines Kunstwerkes der Künstler oder seine Erben bis 
50 Jahre nach seinem Tode 2 vom Hundert des Kaufpreises zu
	        
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