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I n t e r 11 a t i o n a 1 e Sammler-Zeitung. 
Nr. 7 
Hiermit konnten die jüdischen Volksgenossen einen Beitrag 
fiir den Stolz und den Hort der Nation und den Mittelpunkt 
ihrer religösen Gemeinschaft liefern. Auch als das gelobte 
Land römische Provinz wurde, bleibt diese Steuer als Aus 
druck der Volksgemeinschaft bestehen. Nun aber war ia zur 
Zeit Trajans das Heiligtum in klammen aufgegangen, die 
politische Einheit des Volkes zersprengt. So muß Dosarion 
seine Steuer an einen römischen Beamten zahlen, und der 
Empfänger ist der Jupiter Capitolinus am Tiber. 
Von gleichem Interesse für die Frühezeit des Christen 
tums ist die andere neuerworbene Berliner Scherbe. Sie hängt 
mit dem Edikt des Kaisers D e c i u s zusammen, jenes Roman 
tikers auf dem Throne, der im Jahre 250 eine Verehrung der 
römischen Götter im Polizeiwege erzwingen wollte. Da erhält 
Aurelia Charis folgende Bescheinigung ausgestellt: 
»An die Opferkommission. Immer schon habe ich ständig 
den herkömmlichen Pflichten gegen die Götter durch Opfer 
genügt: und soeben habe ich, dem kaiserlichen Edikt gehorsam, 
in eurer Gegenwart ein Trankopfer und ein Schlachtopfer ge 
bracht und vom Opferfleisch genossen und ersuche euch, mir 
das durch eure Unterschrift zu bescheinigen. Gehabt euch 
wohl.« 
Darunter hat der Schreiber der Opferkornmission ge 
schrieben : 
»Wir. Aurelius Serenus und Aurelius Hermas, haben dich 
opfern gesehen.« Und Hermas schreibt darunter: »Ich. Hermas, 
bescheinige dies. Jahr 1 des Imperator Decius.« 
Die Scherbe lehrt, daß wohl das Edikt des Kaisers sich 
gegen die Christen richten mochte, daß es aber nicht lauter 
abtrünnige Christen waren, die sich diese Urkunden ausstellen 
ließen. Vielmehr hatten alle Römer das Opfer zu leisten, ließ 
sich doch auch die Priesterin eines ägyptischen Gottes, die 
über den Verdacht des Christentums erhaben war, diese Be 
scheinigung ausstellen. Das Vorgehen des Decius und der 
Kaiser nach ihm war also mehr der Versuch einer zwangs 
weisen Belebung der alten Kulte als einer Unterdrückung 
der christlichen Religion. Die Bemühungen waren ohnmächtig. 
61 Jahre später stellte das Edikt der Kaiser Galerius, Kon 
stantin, Licinius das Christentum gleichberechtigt neben die 
Staatsrcligion. 
Chronik. 
Autographen. 
(Ein Brief Friedrich Wilhelms III. von 
Preußen.) Wir lesen in der »Grazer Tagespost« (Nummer 
vom 27. März): »Einen Brief Friedrich Wilhelms III. 
von Preußen, des Gemahls der Königin Luise und Vaters 
Kaiser W i 1 h e 1 m s I, besitzt liier der gewesene Oberleutnant 
Herr Friedrich E i c h 1 e r, der bekannte Inhaber der Tanz 
lehranstalt in der Bürgergasse Nr. 5. Der Brief ist eines der 
wertvollsten Stücke aus der reichen Handschriftensammlung 
Friedrich Eichlers, Vorfahren des Besitzers haben in den 
Liitzowschen Freischaren gedient, von ihnen kam das Hand 
schreiben des Königs, der 1797 bis 1H40 regierte, in den Be 
sitz der Familie. Der Brief des Königs ist vom 23. März 1813 
in Potsdam datiert, also in diesen Tagen hundert Jahre alt. 
Er ist in den Tagen der tiefsten Erniedrigung Deutschlands 
in Vorbereitung der großen, schließlich so siegreichen Abwehr 
bewegung gegen die Franzosenherrschaft, zehn Tage nach 
dem zu Breslau erlassenen berühmten Aufruf: An mein 
Volk! geschrieben, ln dem Handschreiben, das an den Prinzen 
August von Preußen gerichtet ist, wird dem Freikorps des 
»Majoren von Liitzow« die Bewilligung zur Errichtung einer 
kleinen Batterie (»zwei dreipfündige Canons und einer sieben- 
pfiindigen Haubitze«) erteilt. Die Rückseite des Briefes ent 
hält die handschriftlichen Züge des Prinzen August von 
Preußen, der auf der Rückseite des Schreibens am 30. März 
1813 in Dresden einen Briet an den Oeneral von Blücher ent 
worfen hat, in dem er diesem die königliche Anordnung mit 
teilt. Gerade in diesem Jahre der Erinnerungsieiern an die 
große Zeit gewinnen diese Briefe gesteigerte Bedeutung.« 
Bibliophilie* 
(Illustrierte Bücher des 18. und 19. Jahr 
hunderts.) Die Versteigerung der Sammlung illustrierter 
Bücher des 18. und 19. Jahrhunderts bei Max Perl in Berlin 
fand unter reger Teilnahme statt und brachte fast durchweg 
annehmbare, vielfach sogar recht erhebliche Preise. So er 
zielte A r i o s t o s »Roland Furieux« 870 Mk., eine »Histoire 
generale d’Allemagne« von Barre le pere 1100 Mk., eine Bibel 
(Neues und Altes Testament) aus der Vulgate ins Französische 
übersetzt 450 Mk., »The musical entertainer, zwei Teile in 
einem Band (G. Bickbam), 360 Mk., Peuvres complettes de 
Crebillon (Crebillon pere) 660 Mk., Dorats »Les baisers« 
1050 Mk. und »Fables nouvelles« 910 Mk., Fenelon (»Les 
aventures de Telernaque) kam auf 700 Mk., Lafontaine (»Contes 
et nouvelles en vers«) auf 1700 Mk., ein zweiter Band auf 
1620 Mk., Lavater (»Essai sur la Physiognomie«) auf 1150 Mk., 
Sergent (»Portraits des Grands Hommes« ...) auf 2000 Mk., 
Vade (»Denvres poissardes...«) auf 2500 Mk. und Louis 
Legrand (»Cours de danse fin de siecle«) auf 800 Mk. — Gleich 
günstige Ergebnisse brachte die Versteigerung von Original 
radierungen, von denen wir erwähnen: Muirhead Bone 
»Demolition of the James’ Hall Exterior« ging für 620 Mk. fort, 
Fr. de Goya »Caprichos inventadoS...« für 1650 Mk.. Otto 
Greiner »Mutter Erde« für 810 Mk., »Die Hexenschule« fiir 
600 Mk., Max Klingers Selbstbildnis für 760 Mk., »Sommer 
nachmittag« für 610 Mk„ »Ein Schritt« für 910 Mk., »Eine 
Mutter« I und II für 900 Mk., bezw. 840 Mk., »Opus XIII. Vom 
Tode« für 2450 Mk. und »Die Pest« fiir 770 Mk. 
Bilder. 
(Ein vergessener »W a 1 d m ü 11 e r«.) Der 
Direktor der Galerie M i e t h k e in Wien, Dozent Dr. Haber 
feld, hat eines der schönsten Waldmüiler-Bilder in der 
Normandie entdeckt und fiir die von ihm geleitete Galerie er 
worben. Es handelt sich um das »Famiiiengemälde« betitelte 
Bild, das der Künstler 1835 gemalt hat. Die aus Vater, Mutter 
und Töchterchen bestehende Familie ist auf der Steinterrasse 
eines Landhauses dargestellt. Der Vater ist ein schon älterer 
Herr in schwarzer Biedermeierkleidung mit einem wunderbar 
charakterisierten Kopf. Er sitzt auf der Bank, hält das an ihn 
sich schmiegende Töchterchen umfaßt und reicht die Hand 
seiner neben ihm stehenden Gattin. Das kleine Mädchen, eine 
der lieblichsten Schöpfungen in der Galerie Waldmüllerscher 
Kinderbildnisse, trägt ein weißes, mit hellgelben Bändern ge 
putztes Mullkleidchen, weiße Strümpfe und schwarze, absatz 
lose Seidenschuhe; ihr feines Gesichtchen ist von braunen 
Locken umrahmt. Die noch jugendliche Mutter hat sich am 
festlichsten gekleidet, nämlich in ein reich gefälteltes Gewand 
aus schwerem, silbergrauem Atlasstoff, der überaus reizvoll 
mit einem zart ornamentierten roten Kaschmirtuch kon 
trastiert, das sie in weichen Falten an ihrer schlanken Figur 
niederfallen läßt. Der anmutige Kopf trägt eine schwarze 
Lockenfrisur, in der weiße Kamelien stecken. Die Balustrade 
ist mit einer barock ausladenden Vase geschmückt und wird
	        
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