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Nr. 4 
Flugblätter für Gemäldekunde 
Nr. 30. Die Literatur über einzelne Händler wird dann 
noch im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit an 
geführt. Zu dieser bemerke ich, daß sie, den ungünstigen 
gegenwärtigen Verhältnissen entsprechend, nur Skizze 
bleiben muß, obwohl es sonst recht nahe läge, sogleich 
weiter zu arbeiten und ein Buch über den Gegenstand 
zu schreiben. 
Wie in ähnlichen Fällen gewöhnlich, so auch bei 
einer Geschichte des Wiener Gemäldehandels. Aus An 
fängen, die nicht allzu klar sind, heben sich erst nach 
und nach bestimmte Gestalten ab. Aus dem, was über 
das Wiener Sammlerwesen bekannt ist, läßt sich übrigens 
schließen, daß in der Hauptstadt an der Donau schon 
im 17. Jahrhundert Bilder schwunghaft gekauft und ver 
kauft wurden, durch eingewanderte Händler und sicher 
auch durch ansässige Kaufleute und Sammler. Viele 
Maler und Kupferstecher trieben Handel mit Bildern, 
so z. B. um 1665 der Wiener Maler Hans Jacob 
Eyssen von Schütt, der Hofkupferstecher Franz 
v. d. Steen, der Maler Carl R u t h a r d t, der damals 
in Wien lebte, die „Illuministen“ Franz Schöffl- 
h u b e r und Franz Scheftler, denen ich noch 
beifüge die zwei Wachsbossierer Joh. Permann und 
Jak. Achat. Peuche 1. (Diese Namen nach Fleischer 
a. a. O.). In den unmittelbar darauffolgenden Jahren 
kommt in den Urkunden des fürstlich Liechtensteinschen 
Archivs noch eine ganze Reihe von Namen vor, die mit 
dem Wiener Gemäldehandel Zusammenhängen, wie der 
des Wiener Atalers Gottfried Libaldt. Ferner 
werden genannt: der Glasmaler Ulrich von Forst in 
Wien, der bürgerliche Handelsmann Melchior L i d e 1 
aus Augsburg (also wohl ein Besucher von aussen her), 
der Holländer J. v. O s s e n b e e k, der, wie man weiß, 
lange Zeit in Wien tätig war, „Gisbert von der 
Hem“, für den die Herkunft aus den Niederlanden 
höchst wahrscheinlich ist, der Bildhauer Francesco 
Geffeis (auch „Goffel“ geschrieben), endlich mehrere 
Künstler, die sich schon 1665 genannt fanden. Gegen 
1669 besaß der kaiserliche Kammerdiener Wolf Wil 
helm Prätner ein ganzes „Kabinet Malerei“, das 
im genannten Jahr vom Fürsten Karl Eusebius von 
Liechtenstein angekauft wurde. (Fleischer a. a. 0., S. 41 
und *t3.). Ein Joh. Peter von Horrich, über den 
ich vorläufig nichts Näheres anzugeben weiß, gehört 
ebenfalls in die Reihe der Leute, die mit dem Bilder 
handel gegen 1670 Fühlung hatten. In jener Zeit treten 
in Wien auch die verhältnismäßig wichtigen Namen 
Alexander und Wilhelm Forchondt auf. 
Alexander, der in Wien von 1669 bis 1681 nachweisbar 
ist, verkaufte im erstgenannten Jahr an den Fürsten 
Karl Eusebius v. Liechtenstein Gemälde um 560 Gulden. 
Offenbar hat er und sein Bruder Wilhelm wenig später 
eine Art Gemäldeladen offen gehalten und zwar „auf dem 
Judenplatz beim großen Jordan“. Fürst Liechtenstein 
kaufte wiederholt bei diesen Forchondts Gemälde. 
Markus Forchondt, ein Verwandter der Brüder 
Wilhelm und Alexander, übrigens kaum jemals in Wien 
ansässig, vermittelte dem Fürsten Johann Adam von 
Liechtenstein den Ankauf der wichtigen Decius-Mus- 
Gemälde, die noch heute in der Liechtensteingalerie zu 
sehen sind. (Dazu Fleischer a. a. 0. und in der „Neuen 
Freien Presse“ vom 7. Oktober 1907, sowie Blätter für 
Gemäldekunde, Bd. VII; S. 66f. und „Lexikon der Wiener 
Gemäldesammlungen“, 1. Bd., S. 402f.). 
Gegen 1673 besaß der Maler Christoph Lauch 
eine Art Galerie, die im genannten Jahr an den Fürsten 
Karl Eusebius v. Liechtenstein verkauft wurde. (Fleischer, 
S. 41f. und Anhang 1). 
ln den nächstfolgenden Jahren kommen für den 
Gemäldehandel in Betracht ein Wiener Barbier Joh. 
Mich. C r e i t z d o 11 e r, ein französischer Schneider 
Pet. Pausin, ein Herr „Daniel Marsali von 
Wien“ (genannt im Jahr 1674) der vielleicht identisch 
ist mit dem Maler M a r s e 11 i, von dem ich ein kleines, 
geschickt gemachtes Holzbild mit Kerzenbeleuchtung 
gesehen habe und zwar vor etwa einem Jahr im Wiener 
Kunsthandel bei Lion. Die Signatur nicht allzu deutlich 
rechts gegen unten wurde: A. Moreau gelesen, lautet 
aber A (oder D.) „Marselli“, der sich hier als Nach 
ahmer des Gerrit Dou und God. Schaleken zu erkennen 
gibt. Man könnte das Bildchen benennen: Die belauschte 
Briefschreiberin. Ein wohlgeformtes Mädchen, an einem 
Tisch einen Brief überlesend, den es offenbar soeben 
geschrieben hat. Sie hält ja die Kielfeder noch in der 
Hand. Hinterrücks ist ein junger Mann nahe heran 
gekommen, sicher sehr behutsam und leise, um nicht 
gehört zu werden. Noch unbemerkt, liest er ebenfalls 
den Brief, den das Mädchen vor sich hält. Links auf 
dem Tisch steht ein Leuchter, dessen Kerzenlicht 
aber von einem dicken ins Bild herein hängenden 
Vorhang verdeckt wird. Die nette kleine Arbeit hat 
seither schon mehrmals den Besitzer gewechselt. 
Ein Maler, der zum Wiener Bilderhandel 1674 in 
Beziehung trat, ist auch der bekannte Südniederländer 
R e i n i e r Megan, der bald darauf schon als Wiener 
Künstler genannt wird. Auch der Maler Christian 
Schmiedt von Eyssenwert, dessen früherer 
Aufenthalt nicht sicher bekannt ist, handelte 1674 mit 
Bildern. Zu nennen ist um jene Zeit auch der Wiener 
Maler Andreas Rueff (nach Fleischer a. a. 0. 
Seite 47). 
Noch andere Namen sind aus den Liechtenstein’schen 
Urkunden der nächstfolgenden Jahre bekannt geworden 
wie: Heinr. Oliv et, Ph. Franzisque L e h o y e, Franz 
S. Gässmann, Daniel T u b i n (auch Tobin ge 
schrieben) der kaiserlicher Vogelwärter gewesen, Wolf 
Adam Griesler, Johannes Kolb, Daniel 
S u tt i n ge r, dessen „Kunstück oder Federriß der Stadt 
Wien“ 1676 eigens erwähnt wird, Dom. Fr. Caliny 
und der Liechtenstein’sche Hofmaler P. F. D e M u s, 
der früher in Feldsberg, Goldenstein und Weigelsdorf 
tätig war. Weiterhin sind in die Liste einzubeziehen der 
„Kauf- und Handelsmann in Wien“ Moritz Brian 
Wolf Wilhelm Prämer, jedenfalls ein verkappter 
oder erklärter Händler, der seine Bilder 1669 an den 
Fürsten Karl Eusebius v. Liechtenstein verkauft hatte. 
Er schreibt schon 1 676 wiederanden Fürsten, daß er 
in seinem Gartenhause zu Wien Gemälde im Wert bis 
10.000 Gulden besitze. Nebstbei sei angemerkt, daß 
auch Prämers Gemahlin „Frau Braemerin“ und seine 
Tochter malten. Die letztgenannte versuchte sich in 
Ossenbecks Manier. 
Weitere Namen, die in jenen Jahren mit dem 
Wiener Gemäldehandel in Verbindung stehen, sind: 
Dr. J o s. La n g, Dr. phil. et med. Elias v. Breiten 
walde, Thomas Meraz, Mat. Gutkowsky, 
der Glasmaler Gerhard Jansen, der „bürgerliche 
Maler" Joh. Vogl und mehrere weitere Künstler, die 
uns schon aus den Jahren unmittelbar vorher bekannt 
sind, wie z. B. Megan, Peter Pausin, De Mus, Daniel 
Tubin, Rueff, Brian. 
1678 schrieb, anbietend, Franz von Imsten- 
rad von seinem „Cabinetle“ oder „Cabinet“ an den 
Fürsten, ohne den Standort anzugeben. 
1679 wird im Zusammenhang mit dem Bilder 
handel „Feldkriegskommissarius“ Christian Scharrer 
von Friesenegg genannt. 
Bis 1681 kommen noch die Namen vor des fürst 
lichen Hofmalers Andreas Distier, des Bürgers 
und Bildhauers M. Gunst, T.Wurmb „von Wien“, 
J. G. F, Z o f f e 1 ohne nähere Ortbezeichnung.
	        

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