MAK
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde, 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
16. Jahrgang. 15. September 1924. Nr. 18. 
Sfassen zur Safzßurger ,9iussfeffung. 
Von Richard Moser f. * 
Als im Vorjahre in einer Generalversammlung des 
Kunstvereines von allen anwesenden Mitgliedern das 
seit einigen Jahren ganz besonders starke Hervortreten 
sogenannter modernerMachwcrke einstimmige Ablehnung 
fand, was diesen allerdings den Vorwurf völliger Laien- 
haftigkeit und Unverständnis eintrug, glaubte man, daß 
Salzburg in diesem Jahre durch eine Parallel-Ausstellung 
bereichert sein werde, die dem Publikum Gelegenheit 
bieten werde, zu entscheiden, in welchem Lager die 
wahre Kunst zu finden ist. Die diesjährige Ausstellung 
zeigt aber, daß alle, die dem Kunstverein die Fehde 
erklärt hatten, doch wieder fast vollzählig sich einge 
funden haben, was besagt, daß der Plan einer Parallel- 
Ausstellung gescheitert ist, oder vielleicht wohl gar nicht 
ernst in Erwägung gezogen wurde. Verwunderlich ist 
freilich, daß der Kunstverein so ganz ohne Einwand, 
trotz der Ablehnung von Seite seiner Mitglieder, all 
diesen Reuigen so willig wieder Eingang gewährte, als 
dürfte an deren Beteiligung wirklich nur einzig das 
Heil des Kunstvereines hängen. Selbst A. Fei stauer, 
das Haupt dieser Gruppe, welcher sich die Vorherrschaft 
im Kunstverein zueigen machte, ist nach seinem vor 
jährigen Fernbleiben wieder mit einer bescheidenen 
Arbeit eingezogen, und gerade von diesem hätte ich 
doch etwas mehr Künstlerstolz vorausgesetzt, wo sich 
doch gerade eigentlich am meisten gegen ihn, seine 
Ueberhebung und völlige Verfehmungaller andersDenken- 
den die Stellungnahme gerichtet hatte. Man mag über 
moderne Kunst, d. h. was man darunter versteht, denken 
wie man will, aber es geht gewiß nicht an, allen, die 
an solchen Erzeugnissen keinen Gefallen finden, einfach 
als Unverständigen geringschätzig jedwedes Urteil ab 
zusprechen. Wenn nur in solcher Mache die wahre 
Kunst zu finden ist, dann können wir unseren gesamten 
Musealbesitz getrost einpacken und müßten uns unserer 
alten Kultur schämen. 
Ob das kunstliebende Publikum wohl mit der dies 
jährigen Ausstellung zufrieden sein wird? Eigentlich hat 
sich fast nichts geändert, höchstens, daß nicht wie bisher 
üblich, dem Besucher gleich beim Betreten derselben 
jene bizarren Machwerke entgegenstarren, obgleich deren 
wieder genügend Eingang gefunden haben, wie auch 
*) Die vorliegende Arbeit ist die letzte des zu früh der 
Kunst entrissenen Malers. Sie wurde am 31. Juli geschrieben, 
zwei Tage darauf war Moser tot. Ein Schlaganfall hatte seinem 
Leben ein jähes Ende bereitet. 
Erzeugnisse, die, wenn auch prämiiert, eigentlich mit 
Kunst, folglich auch in einer Kunstausstellung nichts 
zu tum hätten. 
Nun zur Ausstellung selbst: Hier sind der Größe 
nach voran 3 Arbeiten Reisenbichlers. Zwei sind 
originelle, fast ornamental wirkende Friesmotive, ohne 
Anspruch auf den Titel Gemälde erheben zu dürfen. 
Einem in Farbe und Technik interessanten Blatte stellt 
A n g e r e r ein zweites perspektivisch nicht einwand 
freies Bild gegenüber. Von guten Arbeiten sind die 
ansprechendsten die naturwahren Landschaften von 
Lutz, Frank und Kulstrunk, vor allem aber die 
Helmbergers mit ihren fein empfundenen Stim 
mungen, welche Zeugnis geben für seine Hingabe an 
die Natur und deren Studium. 
Von besondererer Qualität sind die Arbeiten 
Kempfs, deren feine technisch vollendete Durchführung 
allgemeine Bewunderung findet. Leider nur bescheiden 
mit einem nur kleinen aber vorzüglichen Bilde ist 
diesmal P o r s c h vertreten, sowie Höhn e. 1, beachtens 
wert die flott gemalten Bilder P a u 1 u z z i s. 
Zwei fein gestimmte Blumenstücke bringt Hübner, 
kleinere, ebenso naturwahre Hofbauer von den 
Innviertlern; weniger der Natur als dem Dekor der 
Bauern-Keramik entnommen erscheinen die Blumen 
Funkes. Im Saale der Innviertler finden wir die be 
kannt stets guten Blätter L i e b e n w e i n s, ein Porträt 
Weidingers, gut in Qualität, leidet an allzu frontaler 
Auffassung; weniger sympatisch sind die Arbeiten 
W a c h ’ s (prämiiert), derb und roh, sowie schwer im 
Ton, bilden selbe eine wenig gelungene Nachahmung, 
aber nur, der Klobigkeit E g g e r - L i e n z. Im letzten 
Saale finden sich zwei Bilder D i e 11 s im Gegensatz 
zu einem hübschen ausgestellten, farbig graphischen 
Blatte. Die Bilder „Madonna am Berg" (präm.) und 
„Eisbahn", letztere wieder eine wenig gute Nachahmung 
L a s k e s, ohne deren Lebendigkeit und Frische. 
Die großen Tafeln Th. Kerns nehmen die Stirn 
wand ein. Wenig empfehlenswert erscheint das krampf 
hafte Kopieren seines angeblichen Lehrers Fei st au er. 
Der eigene Weg dürfte der bessere sein, wie dessen 
Arbeiten in der gleichzeitig bei Welz in Salzburg statt 
findenden Kollektivausstellung zeigen, welche mehr 
Ernst an der Arbeit, als der Lehrer verraten. Noch 
manch Gutes und unter dem Mittelmaß ist zur Schau 
gestellt. Von der im ersten Saale leider ungünstig
	        

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