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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 19 
(Qiulio Cantalamessa.) Im Alter von 78 Jahren ist am 
11. September in Rom der langjährige Direktor der Borghe- 
seschen Gemäldegalerie, Giulio Cantalamessa-Carboni, ge 
storben. Er gehörte zu den auch in Italien seltenen Museums 
leitern, die nicht von der Kunstgeschichte, sondern von der 
Kunst herkommen. Der 1846 in Ascoli Piceno Geborene war 
Maler und in der ihm gewidmeten biographischen Notiz ver 
zeichnet Thieme-Beckers „Künstlerlexikon“ gewissenhaft alle 
Bilder, die der Jüngling und der Mann geschaffen und von deren 
Existenz niemand mehr etwas weiß. 1900 ging er als Leiter 
einer Privat-Galerie zur Museums-Verwaltung über, war kurze 
Zeit in Venedig und trat 1906 an die Spitze der Galerie Borg 
hese in Rom. Der Staat hatte sie wenige Jahre vorher der in 
Geldnot geratenen Nepotenfamilie Pauls V. abgekauft und ein 
vortreffliches Geschäft gemacht, denn der Riesenpark der Villa 
Borghese, Kasino und Galerie kosteten nur 2'/,, Millionen. Ein 
schlauer Antrag der Familie, die Galerie dem Staat zu schenken, 
wenn man den freihändigen Verkauf „eines einzigen Bildes“ 
gestatte, wurde abgelehnt, denn das „einzige“ Bild sollte 
Tizians „Himmlische und Irdische Liebe“ sein. 
(Ein Lenbach in Boston.) Das Museum in Boston, 
eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Vereinigten Staa 
ten, ist jetzt durch Vermächtnis in den Besitz eines Bildnisses 
Bismarcks von Lenbach gekommen. Das Bild ist der Teil 
einer umfangreichen Stiftung von Robert Jordan aus der 
Sammlung von D. Jordan, in dem sich englische Meisterbild 
nisse, wie das der Tochter von Gainsborough und Landschaften 
von Corot, befinden. Das Lenbach-Porträt, ein Brustbild, zeigt 
den Herrn von Friedrichsruh mit dem großen Schlapphut, in der 
Gestalt, wie er in seinen letzten Lebensjahren den Bewohnern 
seines Parkes entgegenzutreten pflegte. 
(Die Zukunft der Düsseldorfer Kunstaka 
demie.) Berliner Blätter melden: Der Posten eines Direktors 
der Düsseldorfer Kunsthochschule, der seit Prof, Roebers Tod 
frei geworden, ist noch immer nicht wieder besetzt. Man ent 
sinnt sich, daß vor dem Ruhreinbruch die Absicht bestand, den 
Essener Landrat Dr. Schöne, einen Sohn des früheren Gene 
raldirektors der Berliner Museen, an die Spitze der rheinischen 
Akademie zu stellen. Dr. Schöne wurde dann von den Fran 
zosen verhaftet und hat die Tortur einer längeren Gefängnis 
strafe über sich ergehen lassen müssen. Aus der Haft ist er 
zwar seit einiger Zeit befreit, doch steht sein Name auf der 
Liste der Personen, denen auch nach dem Londoner Pakt die 
Rückkehr ins besetzte Gebiet mit unbedenklicher Willkür ver 
wehrt wird. Wie wir hören, ist nun der Gedanke aufgetaucht, 
Dr. Walter Kaesbach, den verdienstvollen Direktor des Er 
furter Museums, den Stifter der bedeutsamen modernen Ge 
mäldesammlung in seiner Vaterstadt München-Gladbach zum 
Leiter der Düsseldorfer Kunsthochschule zu berufen. Diese Wahl 
könnte nur beifällig begrüßt werden; denn Kaesbachs feines 
Verständnis für alle künstlerischen Fragen ist allgemein bekannt. 
Selbstverständlich hat die Ankündigung des Planes in Düssel 
dorf bereits wieder die Gegnerschaft der älteren Akademiker 
kreise hervorgerufen, die nicht verstehen wollen, daß ein „Nicht 
künstler“ von hervorragenden Eigenschaften der geeignete Mann 
für ein solches Amt sein kann, ja, daß bei der heutigen Zer 
klüftung der Künstlerschaft gerade eine solche Persönlichkeit 
vielleicht am ehesten in der Lage ist, die vorhandenen Kräfte 
zusammenzufassen und eine einheitliche Gestaltung der not 
wendigen Kunstschulreform durchzuführen. 
(Erwerbung eines altdeutschen Kunstwerkes 
für den Louvre.) Der Louvre erwarb für seine Sammlung 
altdeutscher Kunstwerke, in deren Mittelpunkt seit zwei Jahren 
Albrecht Dürers Selbstbildnis aus seiner Wanderzeit, einst in 
der Leipziger Sammlung Felix, hängt, ein fesselndes Gemälde 
aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Die Pariser Gelehrten er 
klärten das Bild zuerst für ein Werk des sogenannten Meisters 
des Hausbuches, eines vor 1500 am Ober- und Mittelrhein 
tätigen genialen Zeichners und Malers. Offenbar handelt es sich 
aber um ein Werk des Hinrik Funhof, der von 1475 ab in 
Hamburg genannt wird und in jener Zeit große Aufträge in 
Lüneburg ausführte. Die Persönlichkeit dieses Funhof ist erst 
seit kurzem durch die Studien des Lübecker Museumsdirektors 
Dr. Karl Georg Heise bekannt geworden. Noch heute steht 
als Hochaltar an der Lüneburger Johannes Kirche ein großes 
Werk von ihm, mit Bildern aus dem Leben der Heiligen Georg 
und Ursula. Das eine der Bilder dort erzählt den Drachenkampf 
Georgs, der die Prinzessin von dem Untier befreit. Dieselbe 
Szene stellt die Pariser Neuerwerbung dar. Aber während in 
Lüneburg ein eleganter, ritterlicher Kämpfer auf dunklem Pferde 
sich mit großem Ungestüm dem Kampfe hingibt, ist die Schil 
derung auf dem Pariser Bilde mit dem heiligen Georg als 
Schimmelreiter von einer komisch-derben Drastik. 
VOM KUNSTMARKT. 
(Ausserdeutsche moderne Graphik.) Die am 5. 
und 6. Oktober bei Paul Graupe in Berlin stattfindende 
Auktion ist der außerdeutschen modernen Graphik gewidmet. 
Die Sammlung kulminiert in einer Z o r n - Serie von ungewöhn 
licher Reichhaltigkeit und wir finden da nicht weniger als 160 
Blätter des Meisters, darunter zahlreiche Zustandsdrucke seiner 
frühen Arbeiten aus den Achtzigerjahren. Toulose— Lau- 
trec ist mit 200 Blättern vertreten, darunter das berühmte 
Werk „Elles“ von 1890, das „Souvenir a Londres“ von 1896 
und andere gleichwertige. Aber neben diesen Hauptserien, an 
die sich noch die umfangreichen Serien von Munch, Brach 
vogel und Pennell anschiießen, enthält die Sammlung noch 
alle geschätzten Namen der außerdeutschen modernen Graphik. 
So st England noch durch Whistler, Cameron und Haclen, 
Frankreich durch Manet, Rodin, Cezanne, Forain, Legrand, 
Legros und Rops, Holland durch Israels, die Schweiz durch 
Hodler vertreten. 
(Die Ostasien-Auktion Frick.) Am 17. und 18- 
November gelangen in Zürich die nachgelassenen, ostasia 
tischen Sammlungen eines in der Schweiz sehr bekannten Kunst 
freundes, des Dr. Th. Frick, unter den Hammer. Dr. Frick 
war der Typus des Sammlers, der sich, wie Professor Dr. Ernst 
Grosse, Freiburg, in seinem ausführlichen Vorwort zum Ka 
talog schreibt, „niemals seine Freude durch Rücksichten auf die 
Interessen der Wissenschaft oder auf die Launen der Mode 
stören und verderben ließ. Er hatte immer den Mut gehabt, 
seinem eigenen Geschmack zu folgen. Auf solche Weise hat er 
aus dem fernen Osten, der für ihn das Wunderland war, wo er 
sich von seiner Berufsarbeit erholte, eine Fülle von schönen 
Dingen zusammengebracht.“ Neben den buntbemalten Mingpor- 
zellanen, den selten gewordenen Emails sur Biscuit und den 
vielen guten Porzellanen der Kanghi- und späterer Epochen 
sind die schönen Gefäße des 18. Jahrhunderts, die mit den ein 
farbigen und geflamten Glasuren, besonders gut vertreten. Von 
japanischer Töpferkunst sind feine Fayencen aus Satsuma, Kyoto 
und Kutani, dann die höchst dekorativen Porzellans von Iniari, 
Arita, Nabeschima und Kaga in reicher Auswahl der Sammlung 
einverleibt worden. Auf dem Gebiet der japanischen Lackarbeiten 
hatte Dr. Frick besonders glückliche Erwerbungen machen 
können. Neben großen Prunkstücken, alten Schreibtischen, Pick 
nick-Spiel- und Medizin-Kästen finden sich Schreibkästen und 
Inros, die die ganze Fülle und Feinheit der japanischen Lack 
kunst erkennen lassen. Die Netsuke der Sammlung zeichnen 
sich dadurch aus, daß es fast durchwegs getragene Stücke, also 
nicht bloß für den europäischen Markt gearbeitete Waren sind. 
Schnupftabaks Fläschchen aus Glas, Porzellan und halbedlen 
Steinen bilden eine eigene Abteilung von besonderem Reiz. 
Unter den Metallarbeiten figurieren zahlreiche Stücke in Cloi- 
sonnetechnik und in Maleremail, einige von den letzteren sollen 
wegen ihrer feinen, wohlerhaltenen Malerei besonders erwähnt 
sein. Unter den Jadestücken gebührt die erste Stelle einer Kanne 
in archaistischer Form. Die alte Waffenschmiedekunst repräsen 
tieren fürstliche Zeremonialschwerter, Lang- und Kurzschwerter, 
von denen manche eingehender Einzelbetrachtung wert sind. 
Diese Angaben geben nur einen kurzen Hinweis auf die Gebiete 
ostasiatischer Kunst, welche die Sammlung Frick in sich ver 
einigt. Interessenten finden Ausführlicheres darüber in dem von 
der ‘Auktionsleitung Messikommer (Zürich) und Hugo H e I- 
b i n g (München) edierten Katalog (825 Numern mit 14 Tafeln). 
(Eine neue Boerner-Auktion.) Aus Leipzig 
wird uns gemeldet: Die nächste Boerner-Auktion, die außer her 
vorragenden Handzeichnungen noch Dubletten des Britischen 
Museums in London und solche der Albertina in Wien 
bringen wird, ist für den 13.—15. November in Aussicht ge 
nommen. 
(Grapkik-Auktionen in der Schweiz.) Aus Zürich wird 
uns berichtet: Die beiden von den Genfer Experten Mincieux 
u, Kündig veranstalteten Graphik-Auktionen am 18.u. 19.Sept. 
im Savoy-Hotel (Baur en Ville) bestätigten aufs neue, daß das 
Interesse für die schweizerische Kleinkunst des 18. und begin 
nenden 19. Jahrhunderts noch keineswegs nachgelassen habe. 
Das Angebot hatte zum Teil sehr gute Notierungen zur Folge. 
Nicht nur bei Preisen wie 1220Fr. für Lorys „Vue de Lausanne“ 
oder 3100 Franken für die beiden Pendants Chillon und Mon 
treux von Joyeux und Wexelberg, sondern auch bei Preisen 
für weniger gesuchte Stücke, zeigte es sich, wie sehr Mode und 
Liebhaberei gerade auf diesem Gebiet preisbestimmend sind. 
— Von den Ergebnissen des ersten Tages seien die folgenden 
notiert: Ansichten von Aberli 250—925 Fr.; Bidermanns 
Bern 500, zwei Gietscherbilder zusammen 585; H. Füßli, fünf 
Blätter zusammen 480; Hegis Palermo 135; Heß, sechs radierte 
Naturprospekte 85; H. Keller, Alpen von Zürich gesehen, 190, 
Rigi 200; König, Trachtenbilder (1805) 230, Sammlung von 22 
Landschaftsradierungen 360, Originalaquarelle 310; Locher, 
Kostümblätter 235 und 210; Lory, Ansicht von Chillon 1100, 
vier Ansichten zusammen 1635, zwölf kleinere Blätter zusammen 
1225; Weibel, Bauernhaus 510; Wisard, Trachtenbilder 240, 
139, 150; Wocher, fünf kolorierte Stiche 400; Wolff, Trachten 
bilder 225—240 Franken. — Von den Preisen, die am zweiten 
Tag die Auktion der Sammlung Gallet brachte, seien registriert: 
Aberli, Jungfrauhorn 670 Fr.; Bidermann, Ansicht von Winter 
thur 1100; Freudenberger, la proprete villageoise 585; Linck,
	        

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