MAK

Full text: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 194)

Eine Bestandsaufnahme 
rde dem Bauherrn des "Internationalen Amtssitz- 
onferenzzentrums Wientt, eines der größten Bau- 
ben derRepublik, bald klar.daß indiesem Rahmen 
die österreichische Gegenwartskunst in einem 
rechenden Umfang Platz finden müßte. 
llte und konnte natürlich nur ein repräsentativer 
ichnitt in Form von Beispielen sein. die hier gebo- 
urden. Und das Gebotene sollte selbstverständ- 
usschließlich österreichischen Charakter haben 
ils Visitkarte des Landes gegenüberden Vereinten 
wenn dienen. 
itreffendeAuswahlwarkein leichtes Unterfangen. 
iblick auf das große Interesse der Künstlerschaft, 
zrmitmachen wollte, weil sie inden zurVergebung 
genden Aufträgen große Vorteile für sich sah, so- 
n Hinblick aufdie Prominenz des Platzes, als auch 
e zu erwartenden finanziellen Gewinne. Schließ- 
rerden nicht allzu viele Großaufträge vergeben. 
rie sich nach AbschlußderArbeiten herausstellte. 
ies doch rund 19 Millionen Schilling. die ausgege- 
iurden, was 0,3"!" der Gesamtkosten des interna- 
en Zentrums entspricht. 
chtiges Problem. das sich neben derAuswahl der 
:ler stellte. lag vor allem in der Auswahl der Platze. 
rdie Aufstellung oder die Anbringung eines Kunst- 
zs im Rahmen des Baukorpers in Frage kamen. 
iler wie Auftraggeber standen vor der Aufgabe. 
nit einer vorgegebenen Architektur auseinander- 
n" zu müssen, was mitunter nicht einfach war. Es 
iatürlich heute. im Hinblick auf den, auf die Funk- 
itat des Bauens ausgerichteten Charakter der Ar- 
rtur in der Natur derSache, daß von ihrer Seite auf 
gen der Kunst im Grunde genommen kaum Rück- 
genommen wird. 
len sich also im vorhandenen Baukörpervon vorn- 
1 nicht sogleich Plätze für Kunstwerke an. Natür- 
allten es solche sein. wo sie auch gesehen werden 
en, vonuiegend also in den Foyers und Eingangs- 
"I. 
iweiters keine Frage war. daß bei derAuswahl der 
ller ausschließlich fachliche Gesichtspunkte zu 
1 hatten, wurde eine Jury zusammengestellt, die 
zhläge auszuarbeiten hatte. auch hinsichtlich der 
rvahLsowiewas Gegenstand, Material undThema- 
itraf. Dabei galt natürlich neben dem Prinzip der 
gen Objektivität auch das Bestreben, jene öster- 
ischen Künstler in den Vordergrund zu stellen. die 
nit ihrem Werk bereits im ln- und Ausland bewährt 
n. Und so war es auch von vornherein klar. daß un- 
"inte Künstler nicht zum Zug kommen konnten. zu- 
einerleiAbsichtbestand,Aktionen der Kunstförde- 
ZU SETZEN. 
elen gestellten Aufgaben mußten die Künstler also 
auf die vorgegebene Architektur eingehen. Es 
te aber auch eine Reihe bereits Iertiggestellter 
.e angekauft werden. weil entsprechende Platze im 
ich des Gebäudes, wo sie passend aufgestellt wer- 
zonnten, zu finden waren. Der Aufgabe selbst ent- 
:h es, daß beispielsweise Aktionskünstler, die in 
zwar entschieden eine gewisse Rolle spielen, wie 
oments, Multi-Media-Installationen, Aktionen und 
ienings durch die Tatsache der vorhandenen Ar- 
ktur von vornherein ausgeschlossen war. 
ury. die aus o. Prof. Dr. PeterGorsen, o. Prof. Hel- 
äsöllpointner. Obersenatsrat Dr. Walter Skopalik. 
Arch. Dipl. Ing. Johann Staber, Hofrat Dr. Robert Wai- 
ßenberger und Sektionschef Dr. Walter Waiz bestand. 
trat am 23. Oktober 1978 zum ersten Mal zusammen. 
Eine derersten Fragen, überdiezu entscheiden war, be- 
trafdie Gestaltung der sogenannten vPlaza-i. des reprä- 
sentativen Vorplatzes vordem Gebäude. Es war an eine 
Plastikgedacht, die diesen Bereich beherrschen sollte. 
Zur Erlangung eines Entwurfes wurde ein Wettbewerb 
ausgeschrieben, an dem Joannis Avramidis. Franz An- 
ton Coufal, die Gruppe Haus-Rucker, Gerhard Moswit- 
zer und Erwin Reiter teilnahmen. Die nPlazaw ist ein 
beachtlich großer Raum, der von sehr hohen Fenster- 
wanden umschlossen wird. Die erste Frage, die sich er- 
gab, war deshalb. ob es überhaupt möglich sein könne. 
daß eine Plastik zu einem so großen architektonischen 
 
1 Joannis Avramidis. iwPolisx. Plastik. Eronzeguß, 200 X 
240 cm. Plaza des Vienna International Center - Blick auf 
die U-Bahnstation 
2 Wander Bertoni, iiConcordiau. Relief. Bronze, Messing. 
350 X 700 cm (K! +1.TK6) 
3 Plaza des Vienna International Center. Eine internationale 
Veranstaltung unter der Flagge der UNO + UNICEF. Ver- 
schiedene Volksgruppen aus aller Welt vor österreichi- 
schem Publikum. Das neue Zentrum, eine Ställe der Kom- 
munikation gemäß der Charta der UNO. im Sinne von 
Freiheit. Gleichheit und Frieden 
Raum in Konkurrenz tritt. Die eingereichten Ent 
ließen diesen Zweifel bald als berechtigt erschi 
Deshalb wurde dann auch der Plastik i-Polisu von 
nis Avramidis von derJuryderVorrang vor den an 
Entwürfen gegeben. Sie steht in ihrer klaren ur 
fachen Gestaltung in keiner Beziehung zu den II 
sionen des Baukorpers. und niemand kommt ai 
Gedanken, daß hier etwa Zusammenhänge bes 
könnten. Auch die iiAutonomieu des künstleri 
Wollens bleibt auf solche Weise selbstverstä 
gewahrt. 
Ein weiterer beschränkter Wettbewerb wurde z 
schrieben. der der Erlangung eines Entwurfes 1 
Glasfenster im Meditationsraum zum Gegenstant 
und den Mario Decleva gewann. Seine auf die W 
von Farbübergängen bezogene Komposition aus 
bruchstücken überzeugte.Weitersgingesumdie 
gung eines Entwurfes für einen Gobelin im Bi 
"Gemeinsame Einrichtungem, ein Wettbewert 
Edda Seidl-Reiter gewann. Alle anderen künstleri 
Auftrage wurden auf Grund von auf die Person bt 
nen Einladungen eingereichten Entwürfen oderl: 
vorliegender fertiggesteilter künstlerischer Ar 
vergeben. 
im Wesen der Kunstausübung heute liegt es, daß 
verschiedenen künstlerischen Lösungen wenig 
danken ausgedrückt werden, wie sie die Aufgat: 
nuiert. als die persönliche Eigenart des Gestalter 
Formbewußtsein im Vordergrund steht. Wenn r 
mane Bezogenheit des Werkes eines Künstle 
vornherein immanent erschien, war damit freili 
Optimum erreicht. Und so ergibt sich oft die Frag 
weit es sich hiebei nicht um nachträglich erfolgte 
pretationen und Erklärungen handelt, oder ob ir 
lichkeit für den Künstler bei seinen Gestaltungen 
ausschließlich formale Probleme im Vordergruni 
denSoerscheintzwarinJ0annisAvramidis Gest 
vPolisii, womit die Zusammengehörigkeit von Bi 
in einerStadtausgedrücktwird,einigermaßen üb 
gend. wenngleich die Plastik natürlich durchau 
sonst vom Künstler geübten Formprinzip entspr 
Ähnliches wäre wohl auch im Falle des i-Medit. 
steines: von Karl Prantl zu sagen. einer großen, 1 
im Durchschnitt als Ring erscheinender Serper 
stik. Hier ist die Erklärung insofern in besonderei 
überzeugend, alsdasThemadernMeditationxbei 
immer angestrebt. ja geradezu vorgegeben vt 
überzeugt der humane Bezug, der im Bereich 
vlnternationalen Zentrumsri natürlich besonde 
fragt war. 
Was gab es nun für Möglichkeiten der Unterbr 
der Werke? Von der wPlazau und dem Meditation 
wurde bereits gesprochen. Wände in den weitet 
delgängen, auf den verschiedenen Ebenen de 
stöckigen Gebäudes boten am ehesten Platz für: 
hangung von Gemälden, die Anbringung von 
oder auch die Aufstellung von Plastiken. Man br. 
hier keine gesonderten Aufgaben mehr zu stell 
Jury sah nun eigentlich in erster Linie ihre A 
darin. vorwiegend in den Ateliers der Künstler l 
die bereits vorhanden waren, und geeignet erscl 
auszuwählen und zu prüfen. für welchen Platz 
bäude sie am besten in Frage kommen würden 
Am einfachstenwarnatürlich die KategoriederB 
den Raurnen unterzubringen. Von Christian AI
	        

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