MAK
Nr. 13 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 103 
Form eines runden Medaillons und, stark vergrößert, auch als 
Plakette ausgegeben wird. Auf der Rückseite der Medaille ist 
der schöne Leitsatz Schenkers aufgearbeitet: „Musik ist leben 
dige Bewegung von Tönen im naturgegebenen Raum.“ 
PHILATELIE. 
(Lettische Kuriosa.) In Londoner philatelistischen 
Kreisen hat man vor einiger Zeit herausgefunden, daß die 
Rückseite gewisser lettischer Briefmarken Spuren von 
Geländekarten mit deutschen Schriftzeichen aufweist. 
Man ging der Sache weiter nach und stellte dabei fest, daß 
diese Marken im Jahre 1918 zur Ausgabe gelangten, und zwar 
zu einer Zeit, als in der eben erst geborenen lettischen Repu 
blik eine empfindliche Papiernot herrschte. Mangels anderen 
Materials benützte man daher zum Druck der Marken die G e- 
ncralstabskarten des deutschen Heeres, die 
dieses bei seinem Rückzug zurückgelassen hatte. Als im Jahre 
1919 auch diese Kartenvorräte erschöpft waren, mußte man 
sich nach einem anderen Behelfsmittel umsehen. Als solches 
diente zunächst Zigarettenpapier. Aber auch dieses 
ging bald aus. Im Jahre 1919/20 sah man sich daher genötigt, 
die Briefmarken auf das linierte Papier zu drucken, das 
in den Elementarschulen für den Schreibunterricht der 
Kinder benützt wurde. 
(Das Sonnentor in Briefmarken.) Die Republik 
Bolivien, die am 6. August die Feier ihres hundertjährigen 
Bestehens begeht, hat aus diesem Anlaß den Direktor ihres 
Nationalmuseums, Professor Artur Posnansky, mit der Aus 
führung einer künstlerischen Briefmarke betraut. Bei der Her 
stellung dieser Marke ging man von dem originellen Gedanken 
aus, das älteste und bedeutungsvollste vorgeschichtliche Kultur- 
denkmal Boliviens und Südamerikas, eines der ältesten Kultur 
denkmäler der Welt, das noch heute wohlerhaltene Tor des 
Sonnentempels von Tihuanaku im Bilde festzuhalten. 
Dieses kulturhistorisch wie künstlerisch einzig dastehende 
Momument, um dessen Rekonstruktion, Aufstellung und Deutung 
sich Professor Posnansky außerordentliche Verdienste erworben 
hat, stellt einen Monolithen dar, auf dem in wundervollsten 
Reliefs der Kalender der damaligen eingeborenen Kulturwelt 
(Sonne, Monate, Sonnenwenden usw.) verewigt ist. Von dem 
Mittelpunkt dieses Monolithen beobachtete die Priesterschaft 
den Sonnenaufgang, um die verschiedenen Jahreszeiten zu be 
stimmen und nach dem Stande der Sonne den Zeitpunkt für 
den Beginn der einzelnen landwirtschaftlichen Arbeiten an 
zugeben. Die neue Briefmarke bildet genau die zahlreichen 
Reliefs des Sonnentores bis in die kleinsten Details nach. Aus 
der Zusammenlegung von 43 Marken mit darauf dargestellten 
19 verschiedenen heraldischen Typen kann man das gesamte 
Sonnentor aufbauen, und aus dem Zusammenspiel der herrlichen 
Farbtöne, die auf goldenem Untergrund gedruckt sind, ergeben 
sich gleichzeitig die Farben der bolivianischen Nationalflagge, die 
schon in ältester vorgeschichtlicher Zeit das Wahrzeichen des 
Inkas war. Nur der Fachmann wird zu schätzen wissen, welche 
außerordentlichen Schwierigkeiten phothogranimetriseher und 
typographischer Natur hier zu überwinden waren, um ein 
wunderbares heraldisches Kunstwerk zu schaffen. Aber auch 
wer diese Marke nur mit künstlerischem Auge betrachtet und 
sammelt, wird von ihrer Schönheit entzückt sein. Bolivien hat 
mit diesen Marken, die nicht nur vorübergehend anläßlich des 
Jubiläums ausgegeben werden, sondern auch dem weiteren Ver 
kehr zu dienen bestimmt sind, den Tihuanakustil auch für seine 
Postwertzeichen endgültig gefunden. 
VERSCHIEDENES. 
(R e i n h o 1 d Entzraannf.) In Wien ist hochbetagt 
der Kunsthändler Reinhold E n t z m a n n gestorben. Entzmann 
trat, wie wir Frimmels „Geschichte der Wiener Gemälde 
sammlungen“ entnehmen, 1886 in Gemeinschaft mit Carpentier 
als Kunsthändler auf. Später führte er den Kunsthandel selb 
ständig weiter. Er hatte gelegentlich gute Aquarelle, Kunst 
drucke, auch Gemälde. 1902 z. B. waren Bilder aus F ... eschem 
Besitz bei Entzmann zum Verkauf, ein Daniel Gran : Farben 
entwurf für ein Deckenbild mit der Aufnahme des hl. Florian, 
Laurentius und der hl. Katharina von Alexandrien in den 
Himmel. Als Tizian wurde durch ein Mißverständnis eine 
Anbetung durch die Könige geführt, die von D i z i a n i gemalt 
war. Vom Laden in der Seilerstätte 30, den er mit Carpentier 
gemeinsam besaß, übersiedelte Entzmann im Mai 1905 in das 
Haus Seilerstätte 21, wo er, seit einigen Jahren mit seinem 
Sohne gleichen Namens, sein Geschäft weiter führte. 
(Meister Franckes Barbara-Altar in Ham 
burg.) Durch eine seltene Fügung beherbergt die Hamburger 
Kunst ha Ile zurzeit, wenn auch nur gastweise, fast das 
gesamte Werk des Meisters F r a n c k e. Das Finnische National 
museum in Helsingfors hat die Flügel des Barbara-Altars, den 
es schon damals, als die Urheberschaft Franckes. noch nicht 
festgestellt war, zu verkaufen sich mit gutem Grund weigerte, 
in Hamburg reinigen und wiederherstellen lassen. Nach zwei 
jähriger Arbeit wird das köstliche Werk, ehe es wieder gegen 
Norden geht, noch einmal den deutschen Kunstfreunden gezeigt. 
Soweit es bis jetzt überhaupt bekannt geworden ist, sieht man 
hier also die Gesamterscheinung des immer noch von dunkeln 
Rätseln umwobenen Meisters, der um 1453 in Hamburg malte 
und den erst Alfred Lichtwark völliger Vergessenheit entrissen 
hat. Auf diesem Altar hat der Meister die Leidensgeschichte der 
heiligen Barbara in acht Szenenbildern verewigt. Auf dem alter 
tümlichen Goldgrund spielt sich die Geschichte in bewegter 
Anmut ab, in tiefer Zartheit, ganz unkonventionell im Formalen 
wie in der inneren Auffassung, all das reicher und innerlicher 
noch als in der von Lichtwark damals aus der Petrikirche 
herausgeholten Pieta und in dem berühmten Thomas-Altar. 
Wenn auch die Gestalt der Barbara in ihrer hellen Blondheit 
niederdeutsche Merkmale aufweist, so bleibt dennoch die Licht- 
warksche Auffassung, Meister Francke sei ein rein nieder 
sächsischer Künstler gewesen, nach wie vor zweifelhaft. Aber 
losgelöst von diesen kunsthistorischen Fragen bleibt dem Be 
trachter der köstliche Eindruck eines der vollendesten künst 
lerischen Zeugnisse des deutschen Mittelalters, reich an malerischer 
Schönheit wie an innerer Kraft; mit Bedauern stellt man den 
großen Unterschied fest zwischen dem zarten Original und der 
daneben fast brutal wirkenden Knalligkeit der für die Hamburger 
Kunsthalle angefertigten Kopie. 
MUSEEN. 
(Erwerbung von Albertina-Dubletten.) Aus 
Bochum wird gemeldet: Bei der bei Boerner in Leipzig 
abgchaltenen Versteigerung von Dubletten der Albertina in 
Wien und des Britischen Museums in London erwarb der Leiter 
des städtischen Museums zu Bochum, Rektor Kleff, für die 
städtische Sammlung alter Graphik eine Reihe seltener Kupfer 
stiche und Holzschnitte. Zunächst konnte die besonders ge 
pflegte Bochumer Aldegrever-Sammlung um einige 
recht wertvolle Stücke bereichert werden. Aus Aldegrevers Um 
kreis kamen u. a. mehrere große Friese von Barthel B e h a m, 
darunter der seltene Titus Gracchus, hinzu. Von dem Kölner 
Meister Jakob Bink wurde das sehr gesuchte Selbstbildnis 
erworben. Der Straßburger Franz Brun ist mit einer selten 
vollständigen Folge der Hochzeitstänzer vertreten. Von Hans 
Ladenspelder von Essen fielen Bochum neun Blätter, 
darunter ein großes Hauptblatt und ein großer Prachtfries, um 
dessen Erwerb es während der Versteigeruug sehr lebhaft her 
ging, zu. Besonders erfreulich ist endlich der Erwerb D ü r e rscher 
Prachtstücke, drei Kupferstiche aus der Passion und die voll 
ständige Folge der sogenannten „Kleinen Passion“. 
VOM KUNSTMARKT. 
(Kunstauktion in München.) Durch die Firma 
Hugo Helbing, München, Wagmüllerstraße 15, gelangt am 
14. Juli eine Sammlung moderner Oelgemälde aus 
deutschem Besitze zur Versteigerung. Diese Auktion bildet die 
letzte des ersten halben Jahres. Von den zur Versteigerung ge 
langenden Werken seien folgende Namen genannt: Albört, 
Franz und Julius Adam, W. Boshard, K. Bühlmayer, W. Busch, 
B. Buttersack, G. v. Canal, W. v. Diez, P. C. de Duval, Ad. 
Eberle, C. Ebert, M. Gaisser, A. Jank, Hermann Kaulbach, 
A. v. Keller, G. Kühl, Andre Lambert, A. Laupheimer, W. Leibi, 
F. v. Lenbach, A. Lier, W. Löwith, H. Ludwig, G. v. Max, Nils 
Pedersen Mols, L. Neubert, K. A. H. F. Oesterley, F. v. Pau- 
singer, W. Räuber, Ph. Röth, Karl und Leopold Rottmann, Juan 
Pablo und Antonio Salinas, Ed. Schleich d. Ae., G. Schönleber, 
Anton und Otto Seitz, C. Spitzweg, F. v. Stuck, Ignatius Taschner, 
H. Thoma, F. v. Ude, Fr. Voltz, A. Weisgerber, Josef und Lud 
wig Willroider, J. Wopfner, Ernst und August Richard Zimmer 
mann, L. v. Zumbusch, A. Zwengauer u. a. m. Da es sich in 
der Hauptsache um sehr qualitätvolle Arbeiten handelt, werden 
dieselben wohl regstes Interesse bei den Kunstfreunden finden. 
Der reich ausgestattete Katalog gelangte Ende Juni zur Ausgabe. 
Preis Mk. 1.—. Nähere Auskünfte über Schätzungen etc. erteilt 
die genannte Firma.
	        

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