MAK
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Nr. 22/28 
internationale Sammler-Zeitung 
Juno derselben Zeit, eine liegende Juno, deutsch, 16. J., 
eine kleine gotische Platte aus Buchs, die von selten 
schöner Qualität ist, und über ein Dutzend anderer 
reizender Buchsschnitzereien. Unter den Uhren finden 
sich sehr wertvolle Stücke neben den weniger anspruchs 
vollen „Wiener Wacklern“, wie die französischen Uhren 
von Volant von Corbassiere und die grosse Spieluhr 
mit reichser Bronzemontage auf Schildpattgrund. Von 
den kleineren Gegenständen seien nur die kleinen Mann- 
Pistolen und das Mann-Kästchen erwähnt. 
Tdertiner ‘ÜücFieruerst eigerungen. 
Das Buch- und Kunstantiquariat Paul G r a u p e in 
Berlin versendet soeben den Katalog seiner Verstei 
gerung 57, die für den 14. Dezember anberaumt ist. 
Diese Auktion wird die bedeutendste Bücherver 
steigerung werden, die in Deutschland seit Jahrzehnten 
stattgefunden hat, denn der mit großer wissenschaftlicher 
Sorgfalt bearbeitete Katalog enthält außer einigen sehr 
kostbaren Handschriften mit Miniaturen über 15U Drucke 
des 15. Jahrhunderts. Unter diesen Inkunabeln ist fast 
jedes Stück in irgend einer Weise bemerkenswert. Der 
ungenannte Sammler, dem diese Bibliothek gehört, hat 
fast nur Inkunabeln mit Holzschnittschmuck gesammelt 
und so enthält seine Bibliothek denn auch die berühm 
ten Stücke der Holzschnittk.unst des 15. Jahrhunderts, 
z. B. Schedels Chronik, den Poliphil, die neunte deutsche 
Bibel, Breydenbachs „Reise in das heilige Land", Brants 
„ Narrenschiff'', den Schatzbehalter, den venezianischen 
Dante von 1491 und zahlreiche Ausgaben des Heiligen 
lebens. Das kostbarste Hauptstück ist wohl ein Block 
buch von 30 Folio-Blatt, eine niederländische Biblia 
Pauperum von 1460. 
Der Katalog enthält ferner noch eine Sammlung 
von Proben der frühesten Druckerzeugnisse Gutenbergs 
und Schöffers, ganz seltene und nur in wenigen Exem 
plaren erhaltene Holzschnittbücher, wie den Ulmer Aesop 
von 1476, Barlaam und Josaphat, Augsburg 1475, den 
in Saragossa 1494 gedruckten spanischen Boccacio und 
das berühmte von Nizschewitz herausgegebene Psal- 
terium von 1497, den im Kloster Zinna gedruckten frü 
hesten Druck der Mark Brandenburg. 
Unter den Manuskripten sind mehrere französische 
und vlämische Livres d’heures des 15. Jahrhunderts mit 
reichem Miniaturschmuck und in kostbaren Einbänden. 
Unter den Holzschnittbüchern des 16. Jahrhunderts der 
Theuerdank, Weiß-Kunig, Rüxners Turnierbuch, Model 
bücher, eine Anzahl anatomischer Abbildungswerke und 
eine sehr umfangreiche Serie von Dürers Holzschnitt- 
und Kupferstichfolgen. Eine der größten Kostbarkeiten 
ist ferner eine Bibel von 1542 mit Holzschnitten von 
Springinklee und Schön, auf deren Vorsatz sich eine 
prachtvolle eigenhändige Eintragung Martin Luthers 
befindet. 
Eine besondere Abteilung des Kataloges bilden die 
Aldinen, die bis in das 15. Jahrhundert zurück 
reichenden frühesten Drucke des Venezianers Aldus 
Manutius, die wegen ihrer Schönheit berühmt und 
seit Jahrhunderten gesammelt sind. Eine sehr reichhaltige 
Abteilung Bibliographie beschließt den Katalog, der auch 
wichtige Nachschlagewerke über die alten Drucke ent 
hält. 
Am 15. Dezember versteigert Paul Graupe eine 
Sammlung französischer illustrierter Bücher des 18. und 
19. Jahrhunderts, in der die Werke der berühmten 
Stecher enthalten sind, wie Eisen, Morreau, Marillier, 
Cochin, Gravelot u. a. Die Bibliothek ist besonders reiz 
voll durch die vortreffliche Erhaltung der Exemplare und 
durch die fast durchweg französischen Einbände von 
den berühmtesten Buchbindern der Zeit um 1800. 
GßroniR. 
BIBLIOPHILIE. 
(Bücherversteigerungen in Hamburg.) Die 
Bücherstube Hans Götz in Hamburg veranstaltet am 4. und • 
5. Dezember die Versteigerung einer Schloßbibliothek, 
die aus dem Besitze der Pommerschen Grafen von P 1 a t e n 
und von Usedom stammt und Kulturgeschichte des 18. Jahr 
hunderts, darunter interessante Dokumente zur Geschichte der 
Regierung Friedrich des Großen und der Befreiungskriege, so 
wie anderes Hübsche an deutscher Literatur in Erstausgaben 
enthält. Die illustrierten Bücher des 18. und 19. Jahrhunderts 
sind nicht systematisch gesammelt, sondern bunt durcheinander 
gewürfelt. Die Bände zeichnen sich durch einen prachtvollen 
Erhaltungszustand aus; fast alle sindjn hübsches Kalbleder d. 
Zt. gebunden und reich vergoldet. Anschließend an die alten 
Sachen kommt bei Götz eine moderne Bibliothek in 
Handeinbänden eines Leipziger Buchbinders zur Versteigerung; 
im ganzen 500 Bände, darunter 200 in Ganzmaroquin-. Es han 
delt sich hier um Einbände des Buchkünstlers Hochmann 
aus Chemnitz, die M ü h 1 e r in Leipzig gebunden hat. Eine 
solche Qualität von modernen Einbänden ist nicht häufig anzu 
treffen. 
BILDER. 
(EinPesne-Fund in der Berliner Hedwigs 
kirche.) Auf dem Boden der Berliner Hedwigskirche hat Karl 
Walter jüngst ein verschollenes religiöses Hauptbild von 
Antoine P e s n e wiedergefunden, dem Maler Friedrichs des 
Großen. Walter konnte fesstellen, dass diese „Geburt Christi“ 
schon lange Zeit den Seitenaltar der Kirche verlassen hat. Die 
Berliner Akademie der Künste hat sich nun für Erhaltung und 
Reinigung des Bildes eingesetzt, das die Kirche wohl wieder 
aufstellen wird. Das Bild ist nach Walter wahrscheinlich zwischen 
1727 und 1737 entstanden. 
(Verkauf eines Crivelli.) Durch die Galerie Huld- 
schinsky in Berlin ist jetzt ein wertvolles Stück alter ita 
lienischer Malerei in den amerikanischen Kunsthandel über 
gegangen. Es handelt sich um ein kleines, aber reizvolles Werk 
von Carlo Crivelji, dem interessanten Spätgotiker der venezi 
anischen Frührenaissance. Das Bildchen stand nicht im Ver 
zeichnis der national wertvollen Kunstwerke, so daß eine Schutz 
möglichkeit für Deutschland fortfiel, und auch nicht in den Bilder 
listen Bernhard Berensons in seinen „Venezianischen Malern der 
Renaissance“, die sonst für den englisch-amerikanischen Kunst 
handel maßgebend sind. Trotzdem ist an der Echtheit und dem 
Wert des kleinen Werkes nicht zu zweifeln, und so ist denn 
auch der stattliche Preis von 225.000 Mark, der dafür gezahlt 
wurde, nicht verwunderlich. 
MEDAILLEN. 
(Eckener-Plakette.) Der Münchener Bildhauer Adolf 
Rothenburger hat eine künstlerisch vollendete, porträtähn 
liche Bronze-Plakette von Dr. E c k e n e r, dem berühmten Führer 
des Amerika-Zeppelin, angefertigt. Die Plakette ist käuflich zu 
erwerben. Ein Teil des Erlöses soll der Eckener-Spende zuge 
führt werden.
	        

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