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Internationale 
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
17. Jahrgang. Wien, 1. Februar 1925. Nr. 3. 
c Oer Rauf der c Üf)asa- c Bi6fiotReR. 
Die Hamburger Buchhandlung L. Friedrich sen 
& Go. hat, wie sie uns mitteilt, die Wasa-Bibliothek 
geschlossen nach Schweden zurückverkauft. Damit 
kommt die Bibliothek in ihre Heimat zurück, wo sie 
traditionell notwendigerweise hingehört. 
Ueber das Schicksal dieser Bibliothek unterrichtet 
vorzüglich die ausführliche Einführung zu dem schön 
gedruckten Katalog, die Fedor von Z o b e 11 i t z im 
Aufträge der Buchhandlung Friedrichsen geschrieben hat. 
Wir entnehmen ihr, daß König Gustav 111. von Schwe 
den der Begründer dieser Bibliothek war, die er in 
seinem herrlichen Sommerschlosse H ag a bei Stockholm 
zu sammeln begann. Dabei standen ihm Graf Tessin, 
der berühmte schwedische Architekt, und der franzö 
sische Maler und Kupferstecher Mari liier hilfreich zur 
Seite. Mit derselben Pracht wie seine Schlösser stattete 
der König auch seine Bücher aus. Der schwedische 
Buchbindermeister S c h e i 11 e r, der durch die besten 
französischen Buchbinderschulen gegangen war, band 
wohl den größten Teil der Bibliothek kostbar und künst 
lerisch vollendet ein. 
Nach dem Tode Gustav III. setzte Gustav IV. den 
Ausbau der Bibliothek fort. Besonders sammelte er alles 
über Revolutionsgeschichten und die großen Reisewerke 
seiner Zeit. Nach seiner Thronentsagung wurde ihm die 
Bibliothek nach Deutschland nachgeschickt. Von ihm 
erbte sie sein Sohn Gustav, der in österreichischen 
Militärdienst trat, wo er sich anfänglich Prinz von 
Schweden und von 1829 an in romantischer Erinnerung 
an eine versickernde Tradition Prinz von Wasa nannte. 
Er lebte, ohne übrigens seine Ansprüche auf den schwe 
dischen Thron aufzugeben, meist in Wien als Feld- 
marschalleutnant und starb im August 1877 in Pillnitz. 
Vermählt war er mit seiner Cousine, der Prinzessin 
Luise von Baden, von der er nur eine Tochter hatte, 
Carola, die den damaligen Kronprinzen von Sachsen, 
späteren König Albert, heiratete. 
Ihr war die Bibliothek des letzten Wasa zugefallen. 
In Dresden fand sie aber eine wenig königliche Unter 
kunft. Man brachte sie in einem ziemlich abgelegenen 
Gemach im vierten Stockwerk des sogenannten Georgen 
haus des alten Residenzschlosses unter, wo sich zwei 
fellos kein Mensch intimer mit ihr beschäftigt hat. Sie 
schlummerte dort einen Dornröschenschlaf, aber immer 
hin geschützt vor den bösesten Bücherfeinden, vor Feuer 
und Wasser und den Papier zerstörenden Nagetierchen. 
Erst nach den Revolutionsereignissen von 1918 
wurde man wieder auf die Bibliothek aufmerksam. 
König Friedrich August und die Prinzen packten 
damals ihren Hausrat zusammen, um in neue Wohnsitze 
zu übersiedeln, und so stieß man auch auf diese an 
scheinend völlig dem Gedächtnis entschwundene Bücherei. 
Interesse brachte man ihr nicht entgegen, und da man 
nicht wußte, wo man sie hinbringen sollte, entschloß 
man sich, sie zu verkaufen. So kam sie in den Besitz 
der Buchhandlung L. Friedrichsen & Co. in Ham 
burg, die sie in einem besonderen Raum ihres biblio 
philen Antiquariats aufstellte und zwecks Versteigerung 
katalogisierte. Unter der Hand wurden aber auch Ver 
kaufsverhandlungen mit Schweden angeknüpft, die sich 
sehr schleppend gestalteten, schließlich aber zur Erwer 
bung der Bibliothek führten. 
Den Hauptstamm der Bibliothek bildet Geschicht 
liches und Geographisches. Deutschsprachiges ist wenig 
vorhanden, schwedische Literatur gar nicht, ungemein 
reichhaltig dagegen die französische. Denn wenn 
Gustav IV. auch von fanatischem Haß gegen Napoleon 
erfüllt war und schließlich sein Unglück Frankreich 
verdankte, so lag es doch im Charakter der Zeit, daß 
eine Bibliothek jener Tage unter dem Zeichen franzö 
sischen Geistes stehen mußte. Daher denn auch die 
Masse französischer Memoirenwerke, vornehmlich zur 
Revolutionsgeschichte, die reiche Sammlung Napoleon 
literatur, die vortrefflichen Ausgaben der Altlateiner und 
die französischen Klassiker, die zum Teil in. köstlichen 
Exemplaren mit Kupfern von Gravelot, Maril- 
lier, Eysen, Moreau lejeune, Cochin, de 
Launay u. a., darunter die prachtvolle dreißigbändige 
Genfer Voltaire-Ausgabe in ebenfalls schönster Erhaltung. 
Dazu kommen umfangreiche lexikalische Werke 
in längst vergriffenen Ausgaben und die Standard 
werke der R e i s e 1 i t e r a t u r, keine zierlichen Hand 
bücher, sondern mächtige Folianten, schön und 
dauerhaft gebunden, mit edel gehaltenem Textdruck 
und zahlreichen Tafeln im Kupferstich. Weiter die 
nicht minder riesenhaften Atlanten, denen man im 
18. Jahrhundert gleichfalls eine luxuriöse Ausstattung 
zuteil werden ließ, und die meist höchst selten gewor 
denen Bildwerke zur Kunstgeschichte, fast alles 
in prunkhaften Einbänden, vielfach aus gefärbtem Ziegen 
leder mit aufgelegtem Bronzeschmuck und einem Vor 
satz aus Moire und Brokat.
	        

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