MAK
Nr. 17 
Seite 147 
I n t e r n a t i o n a 1 e S a m m 1 e r - Z e i t u n g 
Ausbleiben den Meister in Angst und Sorge versetzt 
hatte (vier volle Seiten) hat man mit 1000 Mark 
taxiert. Der Beethovenkreis ist durch Fürst Nikolaus 
G a 1 i t z i n, Erzherzog Rudolf von Oesterreich, 
den Schüler und Gönner Beethovens und Friedrich 
T r e i t s c h k e, den Verfasser des Fideliotextes, ver 
treten. 
Von Gluck finden wir in der Sammlung eine 
Anzahl von sehr interessanten Briefen an seinen ge 
treuen Freund Franz Kruthoffer in Paris, den 
Privatsekretär des Grafen Mercy-Argenteau, des 
österreichischen Botschafters am französischen Flofe; 
jeder der Briefe ist mit 1200 Mark bewertet. Mozart 
ist durch fünf Nummern vertreten, darunter durch 
ein unvollendetes Konzert für Oboe mit Orchester 
(sechs zehnzeilige Seiten in Großformat) und einen 
Partitur-Entwurf zum Anfang der Serenade Es-dur 
für Blasinstrumente (eine zwölfzeilige Seite in Quer 
format). Die drei anderen Nummern sind Briefe an 
den Vater und seine Gattin Konstanze. Mozarts Vater 
und andere Familienangehörige des Meisters figurie 
ren mit sechs weiteren Nummern, der weitere Mozart 
kreis mit fünf Nummern. Ein Brief Mozarts an Kon 
stanze ist auf 3000 Mark geschätzt; die Taxen für 
die anderen Mozart-Stücke bewegen sich zwischen 
1800 und 2000 Mark. 
Von Schubert kommt u. a. eine „Kantate“ 
(Sänger, der vom Herzen singet) zum Verkauf; es ist 
dies ein Gelegenheitswerk, das er zum Geburtstage 
seines Freundes und Gönners, des Sänger Michael 
Vogl auf seiner Sommerreise nach Oberösterreich 
in dessen Vaterstadt Steyr komponiert hatte. Schätz 
wert 3600 Mark. Dies als Proben aus der Sammlung, 
die im ganzen 442 Nummern aufweist und kaum einen 
bedeutenden Namen vermissen läßt. 
Im Anschlüsse an die Sammlung Heyer bringt 
K. E. H e n r i c i eine kleinere, aber nicht minder 
bedeutende Sammlung von Musiker-Autographen zur 
Versteigerung, die Sammlung Josef L i e b e s k i n d 
in Leipzig. Unter ihren 67 Nummern sind Briefe und 
Musikhandschriften von Beethoven, Hans v. Bülow, 
Kreutzer, Liszt, Lortzing, Mehul, Mendelssohn- 
Bartholdy, Mozart, Schubert, Schumann, Johann 
Strauß Vater, Richard Wagner, Weber etc. Der Clou 
ist aber ein eigenhändiges vollständiges Musikmanu 
skript Glucks (16 zehnzeilige Seiten in Querformat). 
Das schöne, mit 25.000 Mark nicht zu hoch bewertete 
Manuskript enthält in Glucks sorgfältiger Nieder 
schrift der Partitur der ,,I lamenti d’arnores“ genann 
ten Solokantate für Sopran mit Streichquartett. Diese 
Kantate wurde von Gluck aus einigen Nummern — 
Arie des Admet „Misero! e che faro?“ usw. — des 
3. Aktes der italienischen Fassung der Oper „Alceste“ 
(Wien 1667) zusammengestellt, denen der Meister 
einen Schluß von wenigen Takten beifügte, da das 
letzte Stück in der Oper unvermittelt in die folgende 
Szene übergeht. Anton Schrnid erwähnt dieser Kan 
tate in seinem Gluck-Buch und berichtet, daß Gluck 
sie für seine Gattin eingerichtet habe. Aus diesem 
Grunde hat er die in der Oper für Tenor gesetzten 
Stücke für Sopran umgeschrieben und die Orchester 
begleitung auf Streichquartett beschränkt. 
JyidericiauiscFie tülößef. 
Von Jldoff SFeufner, ‘Direktor des .‘Desidenz-ffflii seums in JTiüncfien.* 
In Deutschland sind die künstlerisch qualitätvoll 
sten Rokokomöbel in B e r 1 i n entstanden. Sie sind 
Früchte einer einzigartigen Blüte der Kunst unter 
Friedrich dem Große n. Wenn eine Periode 
der Kunst dieses absolutistischen Zeitalters nach dem 
Herrscher benannt werden darf, so ist es diese. Mehr 
yils in Paris, in Wien oder anderswo hat hier der 
Wille eines Fürsten bestimmend, der überlegene 
persönliche Geschmack eines Herrschers fördernd 
eingewirkt. Der Geschmack eines genialen Mannes, 
der nicht nur als König, sondern auch als Denker und 
Genießer auf den Höhen der Menschheit wandelte, 
der die künstlerischen Leistungen seiner Zeit kannte 
und das Beste seinen Bedürfnissen dienstbar zu 
machen suchte. Seine Neigung zur französischen 
Kunst und Kultur entsprach dem sicheren Empfinden 
für das geschmacklich Wertvolle. Wenn er von 
französicher Malerei die Werke von L a n c r e t, 
Pater, Chardin sammelte, an Gemälden Wat 
te a u s aber zu erreichen suchte, was zu erreichen 
war, so. ist auch das ein Zeichen, daß er das Bleibende 
erkannte. Trotz dieser Vorliebe für französische 
Kunst hat der Fürst, der Voltaire an seinen Hof 
berief, von einer Verpflanzung französicher Künstler 
nach Berlin abgesehen. Die Skulpturen der Ada m 
spielen im Gesamtbezirk des Geschaffenen nur eine 
nebensächliche Rolle. Bei seinen Bauten hat er 
deutsche Kräfte bevorzugt. An Talenten fehlte es 
nicht. Es ist auch hier persönliches Verdienst, daß er 
die richtigen Kräfte auszuwählen und für einige Zeit 
an sich zu fesseln verstand. 
Aus der demnächst im Propyläen - Verlag in Berlin 
erscheinenden reich illustrierten „Kunstgeschichte des Möbels“ 
von demselben Verfasser. 
Unter diesen Kräften, die das Friderizianische 
Rokoko geschaffen haben, ist vorerst zu nennen 
Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699 
1753), der Jugendfreund undBerater desKronprinzen, 
der Oberintendant bei den Bauten des Königs. Nicht 
eine ursprüngliche, schöpferische Kraft, fast etwas 
geschmälert tendiert, hat Knobelsdorff die abgeklärte 
Richtung des französichen Klassizismus sich zum Vor 
bild genommen, dem er durch deutsche Elemente 
(Reminiszenzen an den. eben vollendeten Dresdner 
Zwinger) Leben und Wärme zu geben suchte. Es 
trifft den Kern, wenn Friedrich der Große in dem 
Nachruf die Vorliebe des Architekten für die vor 
nehme Einfachheit der Griechen und das feine Ge 
fühl rühmt, das ihn alle überflüssigen Zierarten ver 
meiden ließ. In der fein proportionierten Architektur 
hat Knobelsdorff den Rahmen geschaffen, indem die 
lebendige Kunst der Dekorateure erst zur Geltung 
kommt. 
Von den Hilfskräften ist der bedeutendste und 
selbständigste Künstler der Bildhauer Johann August 
N a h 1, der „Direkteur des Ornements“. Neben 
Knobelsdorff ist er einer der selbständigen Meister. 
Er ist 1710 in Berlin als Sohn eines aus Bayreuth 
zugewanderten Gehilfen Schl ü ters geboren. Auf 
seinen Wanderungen muß er ausgiebig Frankreich 
berührt haben. 1736 war er in Straßburg Bürger, und 
1741 wurde er nach Berlin berufen. Schon 1746 zog 
er wieder weg. Später treffen wir ihn in Kassel, wo 
er Schloß Wilhelmsthal dekorieren half. Dort ist er 
1781 gestorben. Die Dekoration der Haupträume im 
neuen Flügel in Charlottenburg, der Wohnung des 
Königs im Potsdamer Stadtschloß und Entwürfe für 
die Ausstattung von Sanssouci sind sein Werk. Er ist
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.