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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 14 
fand. Der Moliere von 1773 in wunderbaren Maro 
quin-Einbänden, mit der Besitzmarke des Dauphin, 
ergab 12.500 Mark, und der Ovide in unvergleich 
lichen Spitzeneinbänden 24.600 Mark, Montesquieu 
„Le Temple de Gnide“ erzielte 2000 Mark, Shake 
speares „The Dramatic Works“ 720 Mark und der 
Kehler Voltaire 1350 Mark, 
Auch die Farbstiche erfreuten sich lebhaftesten 
Interesses. Besonders hohe Preise waren: d'Arcis, 
„La Sentinelle en defaut“ und ,,L‘Accident imprevu“ 
für 2400 Mark, Bonnets „Jupiter et Danae“ 1500 
Mark. Die Röteldrucke von Demarteau stiegen auf 
3000 bis 4000 Mark, für die seltenen Farbdrucke 
„l'Amant surpris“ und „Les Expiegles“ von Des- 
courtis zahlte man 4250 Mark, Dodds „Große Ma 
rinen“ brachten 1700 Mark und für zwei figuren 
reiche Blätter nach Bigg gab es 4300 Mark. Die be 
rühmten Ärchitekturblätter von Jaminet „Colog- 
nade et jardins du Palais Medici“ und „Restes du 
Palais du Pape Jules“ konnten für 2300 Mark fort- 
gehen. Besonders gut bezahlt wurde Morland, „Ga 
thering Fruit“ und „Gathering Wood“ mit 3100 Mark, 
„The Fruits of early Industry and Oeconomy“ und 
„The Effects of Extravagance and Idleness“ mit 
3650 Mark. Den höchsten Preis von allen Farb 
stichen brachte das berühmte Farbblatt von Ward 
„Livery Stable“ mit 8400 Mark. Die 13 braunen 
„Cries of London“ erzielten 4000 Mark und die ein 
zelnen bunt gedruckten Blätter der Serie 1800 bis 
2000 Mark, während das 12., im Katalog als Nr. 14 
aufgeführte Blatt, den außerordentlichen Preis von 
5700 Mark errang. 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Versteigerung bei Stargardt.) Bei der am 15. Juni bei 
.]. A. Slarigardt, Berlin, abgehaltenen Autographen- 
Versteigerung erzielten: Nr. 28, ein B i s m a r Cik-Brief, eine 
Seite eighd. mit Unterschrift 1853: M, 155; Nr. 54, Eichen 
dorff, eine halbe Seite eighd. mit Unterschrift „Vater E," 
(1856): M 62; Nr. 79, eigenhändiger Schlachtbefehl Fried 
rich des Großen, eine Viertelseite mit Unterschrift: 
M 210; Nr. 103, der eigenhändige Brief Goethes an Chr. 
G. Körner, 2/ Seiten mit voller Unterschrift, 1790: M 1465; 
Nr. 118, H a m e r 1 i n g s eigenhändige Niederschrift seiner 
Dichtung „Amor u, Psyche", 126 einseitig-beschriebene Blätter, 
1881: M 115; Nr. 185, eigenhändige Bemerkung von Lincoln, 
dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, mit Unterschrift, 
1858: M 205; Nr. 253, Rollenhagen, der Dichter des 
„Froschmäuseler“, eighd. Albumblatt mit Unterschrift, 1570: 
M 120; Nr. 273, Schubert, eighd. Musikmanuskript mit eighd, 
Bemerkung und Unterschr., eine Seite, 1818: M 1150; Nr. 150, 
Sal. M a i m o n, vier Seiten mit Unterschr.: M 135; Nr. 174, 
Laplace, 1K Seiten mit Unterschrift: M 64; Nr. 178, 
L e i b n i z, eine Seite mit Unterschr., latein.: M 190; Nr. 205, 
J. R. v. M a y e r, % Seiten mit Unterschr.: M 115; Nr. 302, 
James Watt, eine Seite mit Unterschr.: M 86. 
BIBLIOPHILIE. 
(Die Bibliothek Alexander Mavrocordatos.) Wie aus 
Athen gemeldet wird, ist die altgriechische Bibliothek Ale 
xander Mavrocordatos, des Staatsmannes aus der Zeit 
des . griechischen Unabhängigkeitskrieges, vom Staat für 314 
Millionen Drachmen erworben worden. Besonders hervorragend 
ist die Kollektion der Drucke des 15. Jahrhunderts und die 
Sammlung von Werken, die srur Zeit der Türkenherrschaft 
erschienen. 
(Jahrbuch der Bibliotheken.) Das „Jahrbuch der Deut 
schen Bibliotheken" ist zum neunzehnten Male erschienen. Der 
Verein Deutscher Bibliothekare, der das unentbehrlich gewor 
dene Handbuch herausgibt, hat seit mehreren Jahren den viel 
besprochenen „Anschluß" in aller Stille vollzogen. So findet 
man die ründ 500 deutschen und österreichischen Bibliotheken 
in einer einzigen Reihe, nach ihren Sitzen alphabetisch geord 
net, mit den Angaben über Bücherbestand, Vermehrungsgel 
der, Oeffnungszeiten, Personal und über ihre Veröffentlichun 
gen aus dem letzten Jahre. Diesmal ist auch versucht, die im 
Auslande vorhandenen deutschen wissenschaftlichen Bibliothe 
ken aufzuführen. So finden wir Anstalten in den vormals , deut 
schen Orten Danzig, Memel, Graudenz, Kattowitz, Posen und 
Reichenberg, sowie in Athen und Rom angegeben. Auch die 
etwa 900 an diesen Anstalten tätigen wissenschaftlichen Beam 
ten sind in einer alphabetischen Reihe mit ihren Lebensdaten 
verzeichnet. Verordnungen und Erlasse sowie die ausführliche 
Betriebsstatistik für 1926/27 machen den Schluß. — Stellt man 
die Bibliotheken zusammen, die mindestens 500.000 Bände be 
sitzen, so finden sich deren elf zwischen 500.000 und 900.000 
und vier einfache Millionäre, nämlich die Münchener Staats 
bibliothek mit 1,530.000, die Wiener Nationalbibliothek mit 
1,287,000, die Universitätsbibliothek in Wien mit 1,071.000 und 
die in Heidelberg mit 1,066,000 Bänden. Als Doppelmillionär 
thront in einsamer Höhe die Preußische Staatsbibliothek mit 
2,129.000 Bänden Druckschriften. Diese 16 größten deutschen 
Büchersammlungen bieten zusammen 14 und eine halbe Million 
Bände der Benützung dar, Außer Ansatz bleiben dabei die sehr 
bedeutenden Bestände an Handschriften, Karlen, Kunstblättern, 
Patentschriften und dergleichen mehr. 
BILDER. 
(Unbekannte Gemälde von Goya.) Aus Madrid 
wird berichtet; In der Kirche von Valdemoro, auf der Strecke 
zwischen Alicante und Andalusien in Südspanien, ist von dem 
spanischen Kunsthistoriker T o r m o ein Gemälde entdeckt 
worden, das nach seinen Angaben bisher vollkommen unbe 
kannt war, und zweifelfrei Goya zuzuschreiben ist. Es stellt 
den heiligen Julian, den Bischof von Cuenca vor, wie sich 
ihm die heilige Jungfrau nähert. Die Figuren sind in natür 
licher Größe gemalt. 
(„Ein Tisch im Moulin Rouge“.) Eines der bedeutendsten 
Bilder von Toulouse-Lautrec „Ein Tisch im Moulin 
Rouge", ist von der Firma Reid und Lefevre an das Art 
Institute in Chicago verkauft worden. Das Bild stellt einen 
Winkel des alten Moulin Rouge ungefähr um das Jahr 1890 
dar. An einem Tisch sitzt der Künstler in Gesellschaft einiger 
seiner besten Freunde, u. a. Tapie de Ceieyran, Maurice Gui- 
bert, Sescau, La Macarona und als Hauptperson die seinerzeit 
auf dem Montmartre berühmte Tänzerin La Goulue. Diesen 
Spitznamen erhielt sie, weil sie in ihrer Jugend die üble Ge 
wohnheit hatte, im Moulin Rouge von einem Tisch zum ande 
ren zu gehen und die übrig gebliebenen Reste von Wein und 
Sekt auszutrinken, 
(Ein spanisches Altarblatt aus dem Jahre 1606.) Bei Re 
novierungsarbeiten in der Franziskaner-Kirche in Huelva 
bei Madrid wurde ein Altarbild aufgedeckt, das, augenschein 
lich aus der Schule von Sevilla stammend, auf den Anfang des 
17. Jahrhunderts geschätzt wurde. Da es sich um ein außer 
ordentlich schönes vielfarbiges Reliefwerk handelte, wurden 
alle möglichen Wege versucht, seinen Ursprung festzustellen. 
Dies war bis heute nicht möglich. Jetzt aber hat der Kunsthi 
storiker Jose Hernandez D i a z in einem Archiv von Sevilla 
einen Kontrakt aus dem Jahre 1606 entdeckt, in dem der se- 
villanische Meister Francisco P a c h e c o (bekannt als der 
Schwiegervater von Velasquez) sich verpflichtet, dem Capitäri 
Don Andres Garracho „la ystoria de la purificacion des escul-
	        

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