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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 17 
homo“ um 1470,80 von besonderem Werte ist. Dann 
seien noch genannt: Zwei romanische Miniaturen 
um 1150, oberösterreichische Schule, zwei kleine 
Bronzen, eine Plakette um 1460 70, die in mehreren 
Exemplaren erhalten ist (unter anderem im Berliner 
Staatsmuseum) und ein kleines Christuskind mit 
Spuren einstiger Vergoldung, Rest einer Madonnen 
statuette einer passauischen Werkstatt, die Stilzu 
sammenhänge mit dem berühmten Käfermarkter 
Altar zeigt. Die altertümliche Haarbehandlung weist 
das reizvolle Werkchen in die Zeit vor 1500, Eine 
weitere Kostbarkeit dieser Vitrine stellt der Rahmen 
eines gotischen Tafelbildes, die Madonna in Halb 
figur mit Umschrift „Maria-Gracia" enthaltend, dar; 
ganz flaches Rankenwerk, aufs reichste vergoldet, 
heute vom einstigen Glanze nur mehr überhaucht. 
Die Tafel ist Fragment eines kleinen Reisealtars, 
auf dessen zweiten, verlorenen Flügel wohl der Ver 
kündigungsengel dargestellt war. Seltenheiten sind 
auch in der linken Hälfte der Vitrine zusammenge 
stellt; ein Gebetbuch des Erzherzogs Matthias, 
geschrieben zu Linz 1588 von Daniel Meitzer, 
ein gesticktes Altartüchlein mit der Jahreszahl 1598 
und eine Sterbekerze eines Abtes von St. Florian, 
ganz figural und bemalt und mit Spuren von Ver 
goldung, vom Ende des 16. Jahrhunderts. — Die 
zweite Abteilung dieser Doppelvitrine enthält hei 
mische Wachsbossierungen und Miniaturen der Zeit 
um 1800; darunter als Hauptstücke ein Köpfchen 
eines weinenden Kindes, noch frühes 17. Jahrhun 
dert und eine Porträtgruppe eines fußkranken Kin 
des, Weihegabe an einen Wallfahrtsort. Ende 18, 
Jahrhundert, Dieselbe Vitrine enthält interessante 
Erinnerungen an Oesterreichs großen Dichter, der in 
Linz lebte und starb, Adalbert Stifter. Neben 
den religiösen Darstellungen der Wachsbossierungen 
fallen besonders ein paar Genreszenen auf, so eine 
„Gardinenpredigt“ und eine köstliche Szene, Pfarrer 
beim Kartenspiel mit einer Dörfschönen, 
In der zweiten Vitrine fesseln den Kunstkenner 
vor allem die römischen Altertümer; eine wohler 
haltene Terra Sigillataschale und der Deckel einer 
kleinen Aschenkiste, in Ton gebrannt, mit einer lie 
genden Figur, in Nachahmung der etruskischen 
Aschenkisten und Sarkophagfiguren, die schon im 
6. Jahrhundert v. Chr. häufig Vorkommen. Es ist 
das erste Exemplar dieser Art, das in Norden ge 
funden wurde; offenbar hielt eine etruskische Fa 
milie, stolz auf ihre Herkunft, am alten Typus ihres 
Gräberschmuckes fest und bezog die Aschenkiste 
mit dem figuralen Deckel aus dem Süden. Das aus 
gestellte Stück wurde in Enns—Lorch gehoben; trotz 
mangelnder Beweise der näheren Fundumstände ist 
an der Echtheit nicht zu zweifeln. Die Aschenkiste, 
zu welcher der Deckel gehört, hat sich in Steyr er 
halten und ist ebenfalls figural geschmückt. — 
Raummangel zwang dazu, in derselben Vitrine außer 
den römischen Altertümern auch Linzer Kleinkunst 
aus der Zeit um 1840 aufzustellen. Hier fällt be 
sonders bei den Buchbinderarbeiten ein linear-orna 
mentaler Stil auf, der leider nur kurze Zeit anhielt 
und durch neue Moden bald verdrängt wurde; es 
ist das letzte Aufflackern eines Stilwillens, der nach 
Allgemeingültigkeit strebt und ganz aus eigenem 
schöpft. Hauptstücke der zweiten Hälfte der Vitrine 
II sind das Porträt des um 1840 populären Linzer 
Armenvogtes, Stadtpfarrer Kirchsteiger, geh. 
in Eberschwang 1Ü70, gest, zu Linz am 31. Oktober 
1859, und eine Mappe mit Aquarellen in roten Samt 
gebunden, 1844 dem um die Entdeckung der Natur 
schönheiten des Salzkammergutes hochverdienten 
Salzamtmann v, Schiller, beim Scheiden aus dem 
Amte überreicht. 
Die Vitrine III enthält wieder bürgerliche Klein 
kunst, in der zweiten Hälfte Buntpapiere des 17. bis 
19. Jahrhunderts in reichster Auswahl, durchaus als 
einheimische Kunst beglaubigt. Vielleicht das inter 
essanteste Stück dieser Abteilung ist eine alte, 1703 
bei Caspar Freyschmid in Linz auf Karton ge 
druckte Kinderfibel in schönem Buntpapiereinband. 
Die Hauptzierde dieser Vitrine sind zwei prachtvolle 
barocke Schnitzwerke in alter Fassung: Ein Schlit 
tenkopf von seltener Größe und Schönheit und ein 
kleines Schnitzwerk ,,Gott Vater“. Beachtenswert 
ist es, wie diese beiden Stücke im Stil mit den dar 
unter aufgestellten Buntpapieren des 17./18. Jahr 
hunderts wundervoll zusammenklingen. 
Die Vitrine IV ist ganz dem Linzer Buchbinder 
handwerk und der Geschichte des Linzer Buch 
drucks gewidmet. Zu oberst in der Mitte sind drei 
herrliche Prunkbände der deutschen Renaissance 
zusammengestellt, alle drei Werke des ersten deut 
schen Buchbinders der Renaissance. Thomas Krü 
ger, der 1591 in Wittenberg starb. Die Bibel (in 
der Mitte) von 1581 war beim Gottesdienst der ober 
österreichischen Stände in Linz um 1600 in Gebrauch 
und stammt jedenfalls aus der einstigen ständischen 
Bibliothek, die 1800 beim Brand der Stadt fast voll 
ständig verbrannte; sie trägt vorne das Porträt 
Luthers, rückwärts das Melanchthons, reich 
umrahmt und sorgfältigst bemalt; leider hat Thomas 
Krüger diesen Band nicht signiert. Voll bezeichnet 
sind dagegen die beiden anderen Prachteinbände 
von zirka 1595, eine zweibändige Ausgabe der Po 
stille Hunnens; sie standen jahrhundertelang ver 
gessen unter den verbotenen Büchern des Linzer 
Kapuzinerklosters; gerade über ihnen hatten sich 
Mäuse aus zernagten Büchern ein großes Nest ge 
baut; wir müssen ihnen überaus dankbar sein, daß 
sie die beiden Prachtwerke verschonten, die sich 
durch ihre vorzügliche Erhaltung besonders aus 
zeichnen. — Prachtvolle Linzer Bucheinbände füllen 
die ganze übrige Vitrine, Schätze, die zum Teil seit 
Jahrhunderten unbekannt in der Linzer Kapuziner 
bibliothek schlummerten, zum Teil hier zum ersten 
Mal ausgestellt werden. Eine selten schöne Buch 
binderarbeit ist der rote Samtband mit Metallbe 
schlägen von zirka 1730, Katalog der Kapuziner 
bibliothek; der umfangreiche Band blieb leider völ 
lig unbenutzt; seine tausend blütenweißen Seiten 
schönsten handgeschöpften Papiers bilden die Sehn 
sucht jedes graphischen Künstlers. 
Die zweite Hälfte der Vitrine IV ist der Buch 
druckergeschichte von Linz gewidmet. Als wich 
tigste Neufunde begegnen uns hier bisher unbekannte 
Uinizer !„ X e n i a “, welche als Neujahrsgeschenke 
an die Vorstände der Linzer Sodalenkongregation 
geschickt wurden; sie spiegeln durch weit mehr als 
hundert Jahre die ganze Geschichte des Linzer 
Buchdrucks und des Buchbinderhandwerks; das 
erste Xenion aus dem Jahre 1647 verzeichnet der in 
Vitrine III ausgelegte Katalog der Kapuzinerbiblio 
thek von 1679 unter dem Titel: Novus Annus Ma 
rianus; der Verfasser ist N i 11 z ; leider konnte das 
Werk in der arg in Unordnung geratenen Bibliothek 
des Klosters bisher nicht gefunden werden, doch ist 
bei der sonstigen Lückenlosigkeit der Bestände 
sicher zu hoffen, daß es sich bei gründlicher Nach 
schau findet. — Der schönste je in Linz entstandene 
Druck ist ein Vorläufer der „Xenia“, 1636 bei P a 11- 
a u f f gedruckt, mit 59 herrlichen Stichen eines un 
bekannten süddeutschen Meisters: „Asma Poeti-
	        

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