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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 7 
(Der schöne Mensch in der Neuen Kunst.) Unter diesem 
Titel veranstaltet die „Interessengemeinschaft fortschrittlicher 
Künstler Hessens" (Darmstädter Sezession und Darmstädter 
Gruppe) zusammen mit der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für 
bildende Kunst dieses Jahr eine großangelegte internationale 
Ausstellung. Sie wird von Mitte Juni bis 6. Oktober in dem 
Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe zu Darmstadt 
gezeigt werden. Eine retrospektive Schau vermittelt in cha 
rakteristischen Stichproben einen Ueberblick über die künstle 
rische Prägung des Körperideals in vergangenen Epochen, von 
der Steinzeit bis zur Moderne. Die besten deutschen und aus 
ländischen Vertreter der Malerei und Plastik werden durch 
neue Arbeiten zeigen, wie das heutige Kunstschaffen dem 
Problem gegenübersteht, 
(Diebstahl im griechischen Kloster Haghia Laura.) Aus 
Athen wird uns geschrieben: Die Oeffentlichkeit beschäf 
tigte sich viel mit Diebstählen, die im Kloster Haghia 
Laura entdeckt wurden. In diesem Kloster, das wie ein 
Schwalbennest an den Abhängen des Gebirges Kalavryta 
klebt, waren seit Jahrhunderten Kunstschätze angehäuft, die 
man leider zu wenig hütete. Diese Schätze bestanden aus 
verschiedenen kostbaren Reliquien des griechischen Be 
freiungskrieges. So befand sich zwischen anderem auch das 
Labarum, welches der Bischof von Patras Germanos am 
25. März 1821 einsegnete, und mittelst welchem das Zeichen 
zur allgemeinen Erhebung der Nation gegeben wurde. Aus 
goldgesticktem Seidensamt angefertigt, stellt diese durch tür 
kische Gewehrkugeln durchlöcherte Fahne im Zentrum die 
Himmelfahrt Mariä dar. Neben dem Labarum befanden sich 
in einem Glaskasten das Meßgewand und die Stole des Bischofs 
aus einfachem Purpur, Brokat und Gold, die Mitra und der 
Bischofsstab. Letzterer aus Elfenbein und Goldinkrustationen 
hergestellt, enthielt entzückende Miniaturen, darstellend ver 
schiedene Szenen aus dem Leben Jesu. Von großem Kultur 
wert war das Evangelium, welches die Kaiserin Katharina von 
Rußland dem Kloster geschenkt hatte. Der Deckel des Evan 
geliums, aus ziseliertem Gold mit unzähligen Diamanten ver 
ziert, enthielt Miniaturen von seltener Zartheit. Ein russischer 
Mönch soll daran mehr als 15 Jahre gearbeitet haben. Diese 
Miniaturen waren so fein, daß man ein Vergrößerungsglas be 
nötigte, um die dargestellten Handlungen: 30 Szenen aus dem 
Leben Jesu auf dem einen und ebenso viele aus dem Leben der 
heil. Maria auf dem anderen Deckel, wahrnehmen zu können, 
Daneben befand sich ein Kelch, vom Brande des Klosters 
beschädigt, den Ibrahim befohlen hatte. Aus diesem Kelch soll 
Germanos den ersten Kämpfern für die griechische Unabhän 
gigkeit die heil. Kommunion verabreicht haben. Ebenso fan 
den sich im Kloster zahlreiche Papyrusse und andere Ma 
nuskripte vom Gründungsjahre des Klosters, 1100, vor. Zwi 
schen anderem waren im Kasten aufbewahrt: Die Heiratsur 
kunde des letzten byzantinischen Kaisers, Kpnstantin Paläolog, 
ein Originalbrief Mohammeds II. an diesen Kaiser, endlich der 
ganze historische Briefwechsel zwischen Ibrahim und den 
Mönchen, Ibrahim forderte durch impertinente, anmaßende 
Worte die Mönche auf, ihm das Kloster zu übergeben, worauf 
diese mutig erwiderten, er möge das Kloster durch das Schwert 
einnehmen. Die meisten dieser Reliquien wurden nun ent 
wendet. Die Polizei hat den Superior und mehrere Mönche 
verhaftet, da man sie des Diebstahls verdächtigt. 
VOM KUNSTMARKT. 
(Ostasiatisches Kunstgewerbe und Antiquitäten.) Am 16. 
und 17. April findet in Rud. L e p k e s Kunstauktionshaus, 
Berlin W 35, eine Versteigerung von o s t a s i ajtlis c h e m 
Kunstgewerbe und Antiquitäten statt. Der erste 
Tag bringt hervorragende Arbeiten der Han- und Tang- 
Periode, vor- und nachchristliche Bronzen, eine Reihe von 
interessanten Han- und Tang-Spiegeln. Unter den Porzellanen 
sind einige sehr gute Stücke der Käng-Hsi-Periode. Auch die 
Ming-Zeit ist mit einigen schönen Arbeten aus der Seladon 
gruppe vertreten. Dann folgt eine Sammlung besonders reiz 
voller Jadearbeiten (Schnallen, Beschlagstücke, Zeremonial- 
gegenstände), sowie 100 Stück ausgesucht wertvoller japani 
scher Schwertstichblätter. — Am zweiten Tage gelangen 
europäische Antiquitäten zum Ausgebot: Möbel von der 
italienischen Renaissance bis zum 18. Jahrhundert. Porzellane 
verschiedener deutscher Manufakturen, Kreussener Krüge von 
sehr schöner Qualität und deutsche Fayencen des 18. Jahr 
hunderts, ferner eine Reihe guter alter Gläser und Kabinett 
scheiben, sowie einige Gemälde alter Meister. An Silber, 
Bronzen und verschiedenen Arbeiten der Kleinkunst enthält 
die Versteigerung auch manches interessante Stück. — Der 
illustrierte Katalog Nr. 2010 ist durch Rud. L e p k e zu be 
ziehen. — Die Ausstellung ist vom 13. bis 15. April geöffnet. 
(Kuplerstichsammlung Schloß E.) Vom 6. bis 8. Mai wird 
die umfangreiche Sammlung Schloß E. bei H o 1 1 s t e i n & 
Puppel in Berlin versteigert. Mit ihr kommen auch eine 
beträchtliche Anzahl von Dubletten aus a u s ländi 
schen Museen unter den Hammer. Der zirka 1650 Num 
mern enthaltende Katalog umlaßt mehr als vier Jahrhunderte 
(15. bis Anfang des 19, Jahrh.), gibt also eine Uebersicht über 
die ganze Entwicklung der graphischen Künste. Als Vertreter 
des 15. Jahrhunderts ist zunächst Martin Schongauer zu 
erwähnen, der mit zwölf Blatt vertrelen ist, unter denen die 
wundervolle Geißelung, die große Kreuztragung, Johannes 
der Täufer, die heilige Katharina, eine der törichten und eine 
der klugen Jungfrauen besonders hervorzuheben wären. Neben 
ihm erscheint der interessante Israel van Meckenem mit 
der Kreuzigung im frühen Zustand, den spielenden Kindern 
und dem sehr seltenen Wappen mit dem Löwen in einem 
Exemplar mit breitem Rand. Von hervorragender Druck 
qualität sind die Kupferstiche von Dürer. Vier seiner Ma 
donnen, der verlorene Sohn, Hieronymus im Gehäus, Raub der 
Amymone, die Wirkung der Eifersucht, die Melancholie, das 
große Glück, das Liebesanerbieten, Wappen mit dem Hahn 
und mit dem Löwen, St, Georg zu Fuß —alle diese Blätter von 
seltener Schönheit und Erhaltung, Eine Sammlung von Holz 
schnitten des Meisters schließt sich an, die ebenfalls manchen 
Fig, 6. Hans Baidung Grien: „Der heilige Hieronymus 
in der E i n ö d e". 
Ein äußerst seltener Originalholzischnitt, von dem ein Exem 
plar (Dublette des Britischen Museums in London) am 10. Mai 
bei C. G. B o e r n e r in Leipzig zur Versteigerung kommt. 
herrlichen zarten Abdruck aufweist. Von Augustin Hirsch 
vogel enthält die Sammlung die Landschaft mit der ge 
bogenen Holzbrücke in einem köstlichen Druck, von Lukas 
Cranach das Clairobscur-Blatt: Der heilige Christopherus, 
ein Blatt von seltener Schönheit. Von gleich hoher Qualität 
sind auch der heilige Hieronymus unter dem Baum, Anna 
Selbdritt und Christus und die Samariterin. Das seltenste 
Blatt der Sammlung dürfte wohl die kleine Radierung von 
Hans B a 1 d u n g-G r i e n sein, eine Pieta in Rund, von der 
nur noch ein einziges Exemplar im Kupferstichkabinett in Ber 
lin bekannt ist, das, aus der Sammlung Lanna stammend, dort 
dem Jacob Bink zugeschrieben war. Es war damals ein hef 
tiger Kampf des Berliner Kabinetts gegen Geheimrat Lehrs 
entbrannt, der das Blatt für das Dresdner Kabinett' sichern 
wollte. Von Rembrandt enthält die Sammlung 55 Blatt, 
darunter große Seltenheiten, wie: Das herrliche Hundertgulden-
	        

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