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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 11 
%03. JCunstauktion des Derotheums. 
Vom 4. bis 6. Juni veranstaltet die Kunstabtei 
lung des Dorotheums ihre 403. Kunstauktion. Die 
Ausstellung wird am 31. Mai, am 2. und 3. Juni von 
10 bis 6 Uhr und am Sonntag, den 1. Juni 1. J. von 
10 bis 1 Uhr geöffnet sein. Eine Reihe erlesener, wert 
voller Gemälde wird das Auge des fachkundigen 
Sammlers erfreuen. Neben einer Darstellung der 
hl. Familie von Orazio Borgianni, einem Römer 
des frühen 17. Jahrhund., findet man einen C ana 
le 11 o „Blick auf den Canale grande in der Rich 
tung gegen die Dogana“, eine vom Meister in ver 
schiedenen Fassungen ausgeführte Komposition, 
Sehr interessant ist eine aus der für den Grafen 
Brühl gemalten Bilderserie stammende Ansicht 
der Dresdener Kreuzkirche während des Abbruches, 
von der Meisterhand Belotto-s geschaffen. Von 
italienischen Gemälden sind noch besonders erwäh 
nenswert: Ein kreuztragender Heiland von So 
la r i o und ein Madonna mit Heiligen von Giovanni 
Battista C r e s p i, Auch die Niederländer sind mit 
vorzüglichen Arbeiten vertreten. Wir erwähnen 
hier nur von jenen des 16. Jahrhunderts einen 
hl, Hieronymus im Gehäus, eine Küchenszene 
von Pieter Aertsen sowie eine Charitas von 
Frans Floris. Aus der Reihe der holländischen 
Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts sind Claes 
B e r c h e m, Dirk van d. L i s s e, Pieter de M o 1 i j n 
vertreten. Besonders hervorzuheben ist ein großes 
Historienbild aus dem Kreise der Amsterdamer um 
den frühen Rembrandt: ,,Die Anbetung des goldenen 
Kalbes“ von M o e i j a e r t, mit welchem die 
Oeffentlichkeit bereits vor Jahren von Gustav Glück 
bekanntgemacht wurde. Wir finden weiters auch 
den Stillebenmaler Adriaen van Utrecht und 
den Zeichner und Kupferstecher Gerard H o e t, 
durch zwei delikat gemalte Bildchen mythologischen 
Inhaltes vertreten. 
Unter den Gemälden neuerer Meister ist vor 
allem ein Gemälde des Engländers John Morgan 
zu nennen, ein figurenreiches Genrebild, das uns in 
das Milieu einer jener englischen Auktionen ver 
setzt, wie sie aus dem Kreise Dickens bekannt sind, 
Von Oesterreichern werden einige malerisch beson 
ders feine Arbeiten August von Pettenkofens 
und farbig besonders reizende Aquarelle des 20 jährig 
verstorbenen Karl Schindler Gefallen finden. 
Wenn nun noch auf das oft gemalte Bild „Pferde im 
Schnee" von Teutwart Schmittson hingewiesen 
wird, so ist damit noch lange nicht die Zahl bemer 
kenswerter Gemälde neuer Meister, die in dieser 
Auktion zur Versteigerung gelangen, erschöpft. 
Unter den Handzeichnungen wäre besonders auf 
eine Arbeit des in den 90 er Jahren auch dem Kreise 
Oscar Wildes angehörenden Praeraffaeliten Edward 
Burne Jones hinzuweisen, welche schon aus dem 
Grunde auffallen muß, da außerhalb Englands nur 
sehr wenige der Arbeiten dieses charakteristischen 
Meisters-vorhanden sind. Das vorliegende Blatt, 
welches in einem altarnischenartigen, alten Renais 
sancerähmchen zu besonders guter Wirkung gelangt 
und eine leicht mit Gold gehöhte, schwebende weib 
liche Gewandfigur darstellt, stammt aus den seiner 
zeit von Erzherzog Friedrich aus den Beständen 
der Albertina abgegebenen Objekten. Einer beson 
ders frühen Arbeit unseres österreichischen Alt 
meisters der Aquarellmalerei Rudolf von A 11, den 
Marktplatz des kärntnerischen Städtchens Friesach 
darstellend, wäre wegen der Entstehungszeit und 
der flotten Ausführung ebenso Erwähnung zu tun, 
wie zweier Aquarelle des uns allen noch aus seiner 
Tätigkeit in München und Karlsruhe so bekannten 
und "auf dem Kunstmarkte immer beliebter und ge 
suchter werdenden Hans T h o m a. 
Von Werken der Graphik sehen wir gute 
Stücke, darunter die in ihrer Vollkommenheit im 
Handel fast nie vorgekommene Folge der „Rustic 
Hours“ nach F. Wheatley, gestochen von Gilb an, 
welche neben De Couriers ,,Les espiegles das 
18. Jahrhundert ebenso ausgezeichnet vertreten, wie 
Dürer, Rembrandt und Schongau er die 
beiden vorhergehenden Jahrhunderte für die Länder 
germanischer Kultur. 
Außer den angeführten Bildern enthält die 
Auktion noch vielerlei, was für Sammler und Lieb 
haber alter Kulturdokumente von Interesse sein 
wird. Einer Sammlung von verschiedenen H 1 o h 1 - 
gläsern, unter denen sich besonders neben einer 
Anzahl früher römischer und griechisch - römischer, 
die schlesischen und böhmischen Gläser durch Fein 
heit ihrer Verzierungen auszeichnen, schließt sich, 
aus altem Besitze stammend, eine Menge von 
Kriegs-, Jagdwaffen und Jagdgeräten an. Allerhand 
Hausrat, wie er in der bürgerlichen und bäuerlichen 
Wohnung und Werkstatt der letztvergangenen drei 
Jahrhunderte in Verwendung gestanden hat, ist von 
besonderem kulturhistorischem Interesse. Unter den 
vielen Dingen befinden sich auch zwei Konvolute, 
die für den Käufer noch manche Entdeckung bergen 
mögen. Das eine ist eine Sammlung von Schlüs 
seln aller Arten und Formen, vom hohen Mittelalter 
gefangen bis zur Wende des 18, und 19. Jahr 
hunderts, das andere ist eine Sammlung von 
Sporen, die ihrerseits wieder den Zeitraum vom 
14. bis zum 17. Jahrhundert umfaßt. Wie wenig 
diese Sachen, die heute von einschlägigen Sammler 
kreisen sehr gesucht sind, seinerzeit auf Verständnis 
gestoßen sind, beweist, daß sich beide Konvolute 
an einem Drahtring aufgefaßt beim Vorbesitzer vor 
fanden. 
Eine Kassette aus der Werkstatt der Embri- 
a c c h i in Venedig um 1400, deren Schnitzereien aus 
Knochen höfische Paare, Krieger mit Schild und 
Keule etc. zeigen, wird gewiß auch Interesse begeg 
nen. An mittelalterlichen Holzplastiken fallen zwei 
Statuen aus der Wende des 15. zum 16. Jahrhun 
derts auf: Eine stehende Maria mit dem Kind und 
ein Johannes, der durch sympathische Farbgebung 
der Originalbemalung dekorativ wirkt. Aus der 
Folgezeit sind ein Elfenbeinfigürchen, einen Bettler 
darstellend, und eine feingeschnitzte und durch 
brochene Tafel, eine Schnitzerei der Mönche vom 
Berg Athos, bemerkenswert. Nicht unerwähnt soll 
ein Englein mit der für Neapel so charakteristischen 
emailartigen Bemalung um 1700 bleiben. 
Unter den Bronzen sei auf den schönen 
knienden Faun des Paduaners Riccio hingewiesen 
und nicht zuletzt auf eine reizende charakteristische 
österreichische Bronzegruppe aus dem Anfänge des 
18, Jahrhunderts, welche eine Szene aus einer 
Löwenjagd darstellt. Unter den Uhren. Möbeln und 
anderen Einrichtungsgegenständen sind besonders 
eine komplette Einrichtung für ein Speisezimmer in 
holländischen, reich eingelegten Möbeln aus den 
letzten Dezennien des 18, Jahrhunderts und ein Paar 
sehr kostbare Louis-XV.-Uhren in verschiedenster 
Ausführung und reichster Bronzeverzierung hervor-
	        

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