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Internationale 
^ammfer-^ßifutyj 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde 
Herausgeber: Norbert Ehrlich 
22. Jahrgang Wien, 15. Juni 1930 Nr. 12 
Die erste &igdor*Jluktion. 
Eine große Schlacht ist geschlagen — die 
erste Figdor-Auktion ist vorüber. Es sind 
drei Tage, die denkwürdig bleiben werden für Wien, 
für die Geschichte des Wiener Kunsthandels. Unser 
Blatt hat die Internationalität auf seine Fahne ge 
schrieben, wir wissen uns frei von jedem engherzigen 
Lokalpatriotismus, aber es erscheint uns billig, fest 
zustellen, daß Wien die Probe auf das Exempel 
glänzend bestanden hat. Wien ist ein Kunstmarkt. 
Wir kennen die Einwendungen, die manche machen 
werden: Ja, bei einer Figdor-Auktion war es keine 
Kunst, prominente Sammler und Kunsthändler nach 
Wien zu ziehen; man wird sich vielleicht auch an 
die Worte Figdors erinnern, der einmal, als die Mög 
lichkeit einer Versteigerung seiner Sammlungen be 
sprochen wurde, meinte: »Wegen des Ortes wird 
man sich nicht den Kopf zu zerbrechen brauchen; 
wenn man die Auktion in Schwechat (einem kleinen 
Ort bei Wien] veranstalten würde, würden die Leute 
auch dahin kommen.« So viel Wahres in dieser 
Aeußerung lag, suchte man doch die Absicht, die 
Versteigerung nach Berlin zu verlegen, damit zu mo 
tivieren, daß Wien nicht zugkräftig genug sei, die 
Fremden würden nicht nach Wien kommen, Nun, 
die eben durchgeführte Auktion hat diese Pessimi 
sten gründlich ad absurdum geführt. Wir glauben 
nicht, daß mehr Prominente nach einer anderen 
Auktionsstadt gekommen wären, als nach Wien. 
Und daß es auch gleich gesagt sei: Wien selbst 
stellte seinen Mann. Wandern auch die ganz großen 
Kanonen, wie etwa der Tournai-Teppich oder der 
Strozzi-Schemel ins Ausland, ein namhafter Teil der 
Schätze wurde von Wiener Sammlern, von Wiener 
Händlern erstanden und bleibt Wien erhalten. So 
verarmt ist Wien noch lange nicht, wie im Ausland 
verbreitet wird: an allen großen Auktionen der 
letzten Jahre haben, man darf es uns glauben, Wie 
ner teilgenommen und bedeutende, sehr ins Geld 
gehende Erwerbungen gemacht; daß es bei der 
Figdor-Auktion nicht anders sein werde, stand für 
uns von vorneherein fest. 
Es ist schwer, alle zu nennen, die diese Auktion 
nach Wien gezogen hat. Man sah u. a. den Direktor 
des Metropolitanmuseums in New York. Break, der 
mit zwei Assistenten, Fachleuten für Teppiche und 
historische Möbel, erschien, die Museumsdirektoren 
Mr. Fiske K i m b a 11 (Philadelphia), K i 11 e r u d 
(Oslo), Dr, S 1 o m a n n vom Kunstindustriemuseum 
in Kopenhagen, E. F. Bange vom Kaiser-Friedrich- 
Museum in Berlin, Robert Schmidt vom Berliner 
Schloßmuseum, Dr. Swarzenski vom Städel- 
schen Institut in Frankfurt a. M., Halm und Dr. 
Berliner vom Nationalmuseum in München, Dr. » 
Schermann vom Münchener Völkerbundmuseum, 
Dr. S c h a r d t (Halle), Sau er mann (Kiel), Buch- 
h e i t (Stuttgart), G a 11 o i s vom Gemeentenmuseum 
im Haag, Simon Meller (Budapest), Dr. Braun 
(Troppau), Dr. L e i s c h i n g (Salzburg), die Kunst 
historikerin Dr. Schütte (Leipzig), Vertreter des 
Rudolfinum in Prag, der Museen in Brünn, Linz u. a. 
Wien war durch den Direktor des Oesterreichischen 
Museums Dr. S c h e s t a g, Hofrat Dr. Glück von 
der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums, 
die Kustoden Dr. Be n e s c h, Dr. Buschbeck 
u. a. vertreten. 
Der internationale Kunsthandel war repräsen 
tiert durch H. M. Brummer (New York), Harris 
(London), B a c r i und Brimo (Paris), Adolpho 
Loevi (Venedig), J. u. S. Goldschmidt, Max 
Heilbronne r, Hermann Ball, Alfred Cassi- 
rer, J. Rosenbaum und W i 11 e k i n d (Berlin), 
Geheimrat Hugo H e 1 b i n g, B e r n h e i in e r, 
Boehler, A. S. Drey (München), Salomon 
(Dresden), Jacob Hirsch, Steinmeyer und 
Fischer (Schweiz), Behrens (Bad Gastein) u, a. 
Auch die Berliner Kunstkommissäre Abt und 
Söhwersenz waren da. Daß der Wiener Kunst 
handel sehr stark vertreten war. braucht wohl nicht 
erst gesagt zu werden und es fiel angenehm auf, daß 
er sehr lebhaft in die Versteigerung eingriff. Neben 
Po llak & Winternitz waren es insbesondere 
Richard L e i t n e r und Frau Elsa Z e i s 1 e r, die 
sich durch sehr große Ankäufe bemerkbar machten. 
Von bedeutenden Sammlern waren erschienen: 
der Chef des Wiener Hauses Rothschild, Baron Louis 
Rothschild mit seiner Schwägerin Baronin Cla- 
risse Rothschild, der deutsche Großindustrielle 
Baron Thyssen mit Gemahlin, Baronin Thyssen- 
Bornemisza, Comtessa B e h a g u e (Paris), Mar 
quise de Constantino (New York), Baron Hert- 
z o g (Budapest), Marcell von N e m e s (München), 
Oie Olsen (Kopenhagen), Frits Lugt (Holland), 
Hensler (Dresden), die Wiener Sammler Baron 
Reitzes, Dr. Hermann Eisler, Dr. August Hey 
mann, Stephan von A u s p i t z, Sandor Wolf, 
Stefan Mautner, Oskar B o n d y, Angelo E i s - 
n e r von Eisenhof, Lustig, Heinrich Lieben 
etc. Am zweiten Tag war auch die Erbin Figdors,
	        

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