MAK
Seite 42 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 4 
des Monats Juni betrachtet werden, der wohl sei 
ner künstlerischen Bedeutung wie seiner Farben 
frische und guten Erhaltung wegen ein Meisterwerk 
französischer Bildwirkerei genannt werden muß. Un 
ter den übrigen Arbeiten des Kunsthandwerks fällt 
vor allem die schöne, russische Empire-Toilette 
garnitur und das große Szepter auf. Mit der kunst 
historischen Forschung der letzten zwanzig Jahre, 
die sich unter Führung bedeutender Forscher, wie 
Roberto Longhi, Hermann Voß, Hans Posse und an 
deren um die wissenschaftliöhe Bearbeitung der ita 
lienischen Malerei des Hoch- und Spätbarocks und 
die Erkenntnis ihrer besonderen künstlerischen Werte 
in intensivster Weise bemüht hat, hat auch die ge 
rechte Würdigung und Wertschätzung dieser Epoche 
in den Kreisen der Kunstfreunde wieder zugenom 
men. Es sind allerdings meist nur einige wenige 
Namen, deren Klang aus besonderen, nicht immer 
gerechtfertigten Gründen die Jahrhunderte über 
dauert hat, während gerade in der Sammlung Karat- 
sonyi eine größere Reibe von Meistern anzutreffen 
ist, die zu ihrer Zeit und auch noch während des 
18. Jahrhunderts zu den gefeiertsten Erscheinungen 
der Epoche gerechnet wurden. Wir erwähnen hier 
nur den Genuesen B a c i c c i o mit seiner „Erziehung 
des Amor", die interessante „Heilige Familie" C e- 
ranos oder das Maskenfest des in Treviso tätig 
gewesenen Mechelner Meisters Tolput, genannt P o z- 
zoserrato. Von ganz besonderem Interesse, auch 
von der wissenschaftlichen Seite her, dürfte das 
Martyriumsbild sein, das woihl mit guten Gründen 
der frühesten und noch wenig durchlichteten Neapo 
litaner Epoche des Salvatore Rosa zugeschrieben 
werden darf, ebenso der frühe Luca G i o r d a n o, 
der den Meister noch vollkommen in der Abhängig 
keit seines großen Vorbildes Ribera zeigt. Das mo 
numentale Gemälde des Einzugs Davids in Jerusa 
lem kennte nicht mit Sicherheit mit einem bestimm 
ten Namen in Verbindung gebracht werden, es han 
delt sich in diesem Falle jedoch um ein Werk, 
dessen besondere künstlerische Qualitäten heute 
nicht mehr übersehen werden können. Typisch und 
qualitativ einwandfreie Werke des 18, Jahrhunderts 
sind die beiden Gegenstücke des in Italien lebenden 
und nach seinen Lebensumständen noch wenig un 
tersuchten Deutschen C i p p e r, genannt Todes- 
c h i n i und die beiden reizvollen, bezeichnender 
Weise früher den Namen Lancreds tragenden mytho 
logischen Gemälde des von Voss in seiner Bedeu 
tung erstmals wieder gewürdigten Michele R o c c a. 
Von den wenigen niederländischen Werken sei 
hier nur auf das, zwar in mehreren Versionen be 
kannte, aber hier in einem Exemplar von tadelloser 
Frische der Handschrift und äußerster Feinheit der 
malerischen Behandlung vorliegende Gemälde der 
„Hygieia" von Rubens erwähnt, das in das Ende 
des zweiten Jahrzehnts des 17. Jahrhunderts zu 
datieren ist. 
Der zweite Jeil der Bibliothek Blome. 
Aus Hamburg wird uns geschrieben: 
Das Interesse für den zweiten Teil der Bibliothek dar 
Grafen Bio me auf S-alza u, der am 24. und 25. Jänner in 
der Bücherstube Hans Götz versteigert wurde, war recht 
lebhaft. Besonders hatten sich viele auswärtige Händler einge 
funden, -so aus Berlin, Frankfurt, Bremen und dam Haag. Das 
Interesse konzentrierte sich, wie man auf allen Auktionen der 
letzten Zeit beobachten konnte, lediglich auf Ule größeren 
Stücke, die die Taxen meist annähernd erreichten, bezw. über 
stiegen. Durchschnitts-Literatur war billig zu haben. 
Die wichtigeren Ergebnisse sind (in Mark): 
8 Demosthenes, Oratorium, 3 Bde. 1543 230 
9 Diodorus Siculus, Bibliobhecae hist 310 
32 Sophokles (Opera), 2 Bde, 1786 190 
62 Friesland: Kempius. De Origine 105 
104 Hoffmann, Schriften. 15 Bde. 1827/28 165 
106 Jean Pau'l, Werke. 60 Bde. 1826/28 105 
120 Schiller, Die Räuber, 1782 105 
163 Scott, Novels 110 
178 Merian, Theatrum Europäum 520 
230 Balzac, Physiologie. 2 Bde. 1830 120 
235 Boileau-Despreaux, Oeuvres. 2 Vols 360 
258 Diderot, Le neveu de Rameau 100 
278 Helvetius, Oeuvres completes 260 
299 Moliere, Oeuvres, 1692 165 
300 Moliere, Oeuvres. (1791/94) 520 
314 Rabelais, Oeuvres, 1823 105 
318 Barnave, Oeuvres, 1843 280 
335 Roman de Comte de Potiers. 1831 280 
345 (Stendal), Histoire de la Peinture 110 
404 Clarke, Travels. 6 Bde. 1810/23 300 
419 Bergomas, Supplementum. 1535 105 
427 Las Casas, Entre los Remedios. 1552 200 
452 Forbes, Oriental Memoire 360 
462 Gell, The Topography of Troy 100 
467 Peron, Voyages 260 
481 Kip, Nouveau theatre. 4 Bde, 1713 370 
524 Brentano, Gockel, Hinkel, Gakelaia 175 
527 Chants et Chansons 110 
543 Eugen von Savoyen. 1729 135 
545 Favre, Les quatre Heures de Toilette des Dames. 1779 300 
546 Fbnelon, Les aventures de Telemaque 400 
552 Hogarth, Works 180 
Holzschnittbücher. 
554 Cicero 180 
555 Grapaldus, Poetae laureati 90 
556 Missale Pataviense. 1522 450 
557 Ovid, Metamorphosis. 1509 160 
558 Poggius, 1513 115 
558a Stundenbuch. 1511 1050 
559 Vigerius. (1507) 600 
564 Fischfang: Oppianus. 1555 170 
565 Gillray, The genuine Works. 1830 210 
566 Leech-Beckett, The Comic History of England . . . 130 
597 Nibelungenlied. 1840 160 
604 Piranesi 270 
612 Richter-Beckstein, Märchenbuch 145 
614 Ridinger. 1760 110 
615 Rops: De Coster, Ulenspiegel, 1869 150 
630 Tasso, La Gerusalemma. 1771 880 
692 St, Petersburg: Labensky. 1809 105 
712 Nees von Esembeck, Plantae officinalis 100 
715 Regemfuß, Schnecken, Muscheln usw 165 
716 Shaw, Cimelia Physica. 1796 300 
720 Latham, A general History oll birds 310 
721 Lewin, The Birds of Great Britain 310 
846 Krantz, Chronica Regnorum. 1546 120 
860 Schweden: Karl XII. 3 Bde. 1745/51 140 
877 Kalligraphie: Ohlers (ca. 1718) 135 
Chronik. 
BIBLIOPHILIE. 
(Neue Cusanus-Funde.) Bei seinen Forschungen für die 
von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vorbe 
reitete Ausgabe des Nicolaus von Cu es hat R. Klibansky 
ein seit dem 16. Jahrhundert verschollenes Werk des großen 
mittelalterlichen Denkers entdeckt. Es handelt sich um die 
wahrscheinlich letzte Schrift des Cusaners, die Directio spe- 
culantis, die in 20 kurzen Paragraphen den Begriff des „Posse“ 
behandelt. Weiter hat Klibansky in der vatikanischen Biblio 
thek eine bisher nicht bekannte Fassung der Kreismessung des 
Archimedes aufgefunden, und zwar das lateinische Manu 
skript einer Uebersetzung aus dem Arabischen, die wahrschein 
lich aus dem Besitz des florentinischen Astronomen und Geo 
graphen T oscanelli stammt und dem Cusanus die An 
regung zu seinen Kreisuntersuchungen gegeben hat.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.