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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 5 
während der Siebziger- und Achtzigerjahre des vori 
gen Jahrhunderts hereingekommen. Das große 
Robbiarelief mit dem Erzengel Michael wurde 
1875 in Bologna erworben, 400 Jahre, nachdem es 
über dem Hauptportal der Kirche Sant’ Michele Arc- 
angelo in Faenza angebracht worden war. Weiterhin 
wurden wichtige Ankäufe bei den Versteigerungen 
der Sammlungen des Freiherrn von Minutoli in Lieg 
nitz, von Parpart aus Schloß Hünegg (1884), Lorenz 
Gedon in München, Castellani in Rom, Eugen Felix 
aus Leipzig (1886) getätigt. 
Zur Zeit, als die Majoliken der Sammlung Vie 
weg erworben wurden, fanden die primitiven und 
noch gotisierenden Gefäße des 15. Jahrhunderts, die 
Bode ein Vierteljahrhundert später in seinem Werk 
über die Anfänge der Majolikakunst in Toskana 
(1911) gewürdigt und geordnet hat, bei Händlern 
und bei Sammlern noch keine Beachtung. Der Zeit 
geschmack war noch auf die farbenreichen Arbeiten 
der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gerichtet. Am 
meisten wurden die Majoliken der mediceischen 
Fabrik in Ca-ffagiolo begehrt, wobei aber Florentiner 
und sienesische Gefäße, die als solche noch nicht 
erkannt waren, unter der Benennung Caffagiolo mit 
einbegriffen waren. 
Jlembrandt-Jlusstellung in JSerlin. 
Als Vorleier zum hundertjährigen Jubiläum der Berliner 
Staatlichen Museen wurde am 22. Februar in der Akademie 
der Künste in Berlin eine Rem brandt-Aus Stellung 
eröffnet. 
Die Festrede hielt der Präsiden! der Akademie Max L i e- 
bermann, der es als angemessen erklärte, daß die Akademie 
als erste dieses Jubiläums gedenkt, und. es durch eine ge 
meinsame Veranstaltung mit den Museen feiert, denn sie war 
"bei der Entstehung der Preussischen Museen mitbeteiligt und 
jahrelang war die Sammlung Giustiniani, ein Grundstock der 
Gemäldegalerie, vor der Errichtung von Schinkels Museums- 
bau in den Räumen der Akademie .ausgestellt. 
■ Liebermann bezeicfanete es als besonders glücklichen Ge 
danken, aus dem unermeßlichen Besitz an Kunst gerade Rem 
brandts Werk ausgewählt zu haben, nicht etwa, um den hol 
ländischen Meister zu ehren— denn dessen bedarf Rembrandt 
heut weniger als je — sondern weil man mit Recht der Meinung 
war, daß von allen alten Meistern Rembrandt unserem Kunst 
empfinden am nächsten steht. Er ist der aktuellste unter den 
alten Meistern: nicht vor oder nach ihm ist ein Maler er 
standen, der unserem Begriff vom Künstler in höherem Maße 
entspräche, keiner, der die Kämpfe, die auch heute noch jeder 
Maler durchzumachen hat, so klar in seinem Werk darstellte. 
Dann malte Liebermann, dieser Poet des Pinsels, in Wor 
ten ein Bild Rembrandts, wie es trefflicher nicht gedacht wer 
den kann. „Schon als Jüngling ein technisch Fertiger, seelisch 
langsam reifend" sagte er, „wird Remibrandt mit jedem Jahr 
zehnt mehr Remibrandt, wenn wir mit diesem Namen das 
Höchste bezeichnen, was die Malerei im Staffeleibilde her 
vorgebracht hat. Sein Werk ist frisch und unverstaubt geblie 
ben, als wäre es eben aus seiner Werkstatt hervorgegangen: 
es ist Fleisch von unserem Fleische, Was hat ihm diese ewige 
Frische bewahrt? Nicht anderes als daß Rembrandts Werk 
lebt, Die Kunst ist Leben und das Leben Kunst geworden. Alte 
Kunst oder neue Kunst: das einzig Bleibende in ihr ist das 
Lebendige! 
Der in seiner Jugend berühmteste und gesuchteste Maler 
Hollands schafft mit Aufbieten seiner ganzen Kraift, in seines 
Lebens Mitte und im Zenith seines Ruhmes stehend, sein wenn 
auch nicht gelungenstes, doch nach Form und Format bedeu 
tendstes Werk, die sogenannte Nachtwache, in Wirklich 
keit die Porträtdarstellung von . einigen zwanzig Mitgliedern 
einer Amsterdamer Schützengilde. Der Ue'berschwang, ich 
möchte fast sagen, die Vergeudung an Phantasie und Origina 
lität machte das Bild um so unverständlicher, als weder die 
Dargestellten noch die Darstellung (wie der falsche Titel be 
sagt) erkannt wurden, Das Bild fiel durch — wie man heute 
sagen würde — und Remibrandt in Mißkredit. Die Porträtauif- 
träge blieben aus, ebenso die Käufer seiner Bilder, und Rem- 
brandt geriet in Bankerott. Sein Haus, sein auch noch nach 
heutigen Begriffen kolossaler Besitz an Kunst, wurde verauk 
tioniert, und arm und verlassen siedelte unser Meister in ein 
kahles Gelaß in der Rozengracht über, wo er in den letzten 
zehn Jahren seines Lebens, ohne daß er sich um die Welt oder 
die Welt um ihn sich gekümmert hätte, die Bilder seines soge 
nannten Altersstils schuf, Bilder, wie die Judenbraut, die Staal- 
meesters, der Segen Jakobs, das Braunschweiger Familienbild 
— die beiden letzteren .sind die Zierde unserer Ausstellung, 
der verlorene Sohn in Petersburg — dessen Transport hierher 
leider unterbleiben mußte —- und last not least — die zahl 
reichen Selbstporträts, von denen jedes einzelne ein von keinem 
anderen Maler je erreichtes Meisterwerk darstellt. 
Und so offenbart uns die Tragik seines Lebens nicht nur 
Rembrandts Kunst, sondern auch .seinen Charakter in seiner 
vollen Größe, Ungebeugt und unberührt von der Mißgunst der 
Verhältnisse, malt der in der Mitte der Fünfzigerjahre Ste 
hende, ohne dem Zeitgeschmack Konzessionen zu machen, nur 
seinem künstlerischen Gewissen folgend, nur sich als Richter 
über sich anerkennend, jedes Werk das vorhergehende über 
treffend, bis an sein Ende. Sein Tod wurde so wenig bemerkt, 
daß man bis vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal wußte, 
wann Remibrandt gestorben ist. 
Seine Bilder galten als roh, zu schwarz und zu sehr ge 
schmiert, Ludwig XIV. ließ „Ces magots-lä“, diese scheuß 
lichen Fratzen, aus seinen Schlössern entfernen, und auch 
Friedrich der Große scheint die Greuze, die Watteau, 
die Lancret und die Pater mehr geliebt zu haben. Aber in der 
zweiten Hallte des 18. Jahrhunderts fingen die kleinen deut 
schen Fürsten, die Landgrafen von Hessen, die Oldenburger 
und Braunschweiger Herzoge, denen, angeregt durch Reynolds 
und 'Gainsborough die englische Aristokratie folgte, Rembrandt 
zu kaufen an, und von da setzt der Umschwung in der öffent 
lichen Meinung über Rembrandt ein, der ihn heute sogar, 
wenigstens dem Preise nach, den seine Bilder erreichen, über 
Raffael triumphieren läßt.“ 
Liebermann schloß: „Hie Riaffael — hie Remibrandt! Idea 
lismus und Realismus streiten, und werden immer streiten in 
den ästhetischen Auseinandersetzungen, so lange, 'bis das Wort 
Goethes : „Das Reale ist das wahre Ideal" die herrschende 
Meinung geworden ist,“ 
Außer den in der Rede Lieibenmanns genannten enthält die 
Ausstellung noch 25 Gemälde von Rembrandt. Die Staatlichen 
Museen marschieren an der Spitze mit sieben Bildern: dem 
Mennonilenprcdiger Anslo, dem Potiphar-Bild, der Vision 
Daniels, dem Mann mit dem Goldhelm, der Hendricikje Stoffels 
und zwei Selibstporträts. Die Galerie in Cassel konnte fünf 
beistellen, darunter eben Jakobis Segen, das Porträt des Nico- 
laes Bruyning, die Ruinenlandschaft, und die Braunschweiger 
Galerie brilliert mit dem iFamillenibild, das Rembrandt in 
seinem Todesjahr, 1669, vollendet hatte. Aus privatem Berliner 
Besitze stammen, drei: das Bildnis des Gerard de Lairesse 
(Sammlung Koppel), die Landschaft mit der Taufe des Käm 
merers (Galerie Matthiesen) und ein Bild aus der Sammlung 
Klotz. 
Ein Saal ist der Graphik des Meisters gewidmet. 220 
Radierungen des Kupfer,stichka'binetts in Berlin sind da
	        

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