MAK
Nr. 5 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 55 
keiten verlaufen. Aber schon lange konnte man 
ahnen, daß hier die Rubens - Forschung noch einen 
guten Fischzug würde machen können; schließlich 
geschah es durch ein paar Funde im Kunsthandel 
angeregt, ohne daß überhaupt große Hand angelegt 
zu werden brauchte, und im Kunsthandel sind meh 
rere dieser Frauenbildnisse verblieben. Was man 
früher aus Rubens“ Genueser Zeit kannte, war ein 
zig die große „Beschneidung Christi“, die 
nöch heute auf dem Altar von Sant' Am brogio 
in Genua steht, ihrem offenbar ursprünglichen 
Platze. Sonst las man nur in alten und neueren 
Nachrichten von Bildnissen, die in England in Pri 
vatbesitz kaum zugänglich sein sollten. Der Ber 
liner Museumsdirektor W a a g e n hat ein mächti 
ges Bildnispaar in Kingston Lacy beschrieben, und 
dort hängen noch heute die beiden Porträts, in der 
selben Sammlung der Mrs. Bankes. Und das eine 
dieser Porträts, das Bildnis der Marchesa Brigitta 
S p i n o 1 a, die von Mutterseite her auch den Na 
men Doria führte, trägt die Bezeichnung des Rubens 
mit vollem Namen und der Jahreszahl 1606. 
Es ist auffällig, daß Rulbens diese schöne Frau 
noch zweimal in erhaltenen Bildnissen gemalt hat; 
ein andermal in Weiß, dann aber in einem großen 
schwarzen Staatsporträt, das auch einige Zeit im 
Kaiser-Friedrich-Museum ausgestellt war. Vielleicht 
noch eigenartiger ist das Gegenstück zu diesem 
Frauenbildnis inKingstonLacy; eine Marchesa 
Maria Principessa Grimaldi, hinter deren Sessel die j 
groteske Gestalt eines dickköpfigen Zwerges auf 
taucht, um den Vorhang innerhalb der Säulen- 
Architektur zu raffem In Genua selbst, im Palazzo 
Reale, ist das Bildnis einer alten Dame bis heute 
geblieben; und in Modena hat Bode ums Jahr 1890 
das Bildnis einer alten Dame mit einem jungen Mäd 
chen, das aus dem Besitz der Genueser Familie 
Imperiale herstammt, für die Sammlung Karl von der 
Heydt erworben — heute hängt es in der Ber 
liner Galerie van Diemen. Bode war damals 
so glücklich, auch für das Museum in Straßburg das 
Porträt einer alten Dame aus der Familie Durazzo 
kaufen zu können. Aber diese Bildnisse gingen bis 
jetzt als van Dycks, bis die Zusammenstellung der 
ganzen Gruppe die wahre Herkunft klar machte. Die 
Halbfigur einer genuesischen Aristokratin in der 
Berliner Galerie Matthiesen, deren Erwerbung 1926 
den Anstoß zu diesen Entdeckungen gab, reiht sich 
an. Aber nicht einmal diese Folge ist vollständig; 
man kennt aus einer alten Wiedergabe sogar ein 
viertes Bildnis jener Spinola Doria, das in englischem 
Privatbesitz noch versteckt sein mag. 
Der junge Meister ist schon in diesen Bildnissen 
von einer Sicherheit der Charakteristik, die den ge 
borenen Frauenmaler bezeichnet. Er weiß ebenso 
um den milden Blick einer alten Frau wie um die 
Heiibigkeit des festgeschlossenen Mundes einer 
bleichen Frau aus fürstlichem Geschlechte, der sich 
weder zur Freundlichkeit kräuselt noch zur Herab 
lassung senkt. 
Die iOl. JCnnstauktion des Dorotheums. 
Die 401. Kunstauktion, die das Dorotheum 
in Wien vom 17. bis 19. Februar durchführte, be 
deutete einen guten Anfang im neuen Jahre. Von 
den 486 Nummern, die unter den Hammer kamen, 
ging der größte Teil zu guten, die Schätzungen über 
steigenden Preisen ab. 
Wir bringen im folgenden die Meistanbote (in 
Schilling): 
Gemälde alter Meister. 
2’B r a k e n b u r igih, In der Barbierstuibe 1000 
11 Fläm., 18. Jahrh. (Richtung des P. J. Verlhaghen.) 
Johannes der Täuifer 400 
13 Französisch, um 1700. Kbiegsszene mit Kaderabtei 
lungen 500 
14 Luca Giordano, Bathseba im Bade 1000 
15 Derselbe, Archimedes. Oel auf Leinwand 1100 
16 Holländisch, 17. Jahrh. Esther vor Ahasver .... 130 
22 Neapolit., 17. Jahr,h. Soldaten im Biwak 300 
24 Pfeiler, Stilleben mit Violine 1200 
25 Derselbe, Stillelben mit Laute 1000 
34 Venezian., 18. Jahrh. Cäsar setzt sich den Lorbeer 
aufs Haupt 450 
Neue Meister. 
38 Rudolf von Alt, Platz in Spalato 2000 
42 Derselbe, Waldrand. Aquarell auf Papier 200 
44 Päl Böhm, Zigeunerpaar 800 
45 F. de Bruycke r, Die verlassene Dorfschöne . . . 400 
46 J. Büche, Junge Italienerin 500 
49 Hugo CharDmont, Herbst im Park ...... 550 
53 Eduard lEnder, Bildnis eines jungen Mannes .... 75 
55 Franz Eylbl, Bildnis eines jungen Offiziers 300 
56 Gauermann, Felsenwand im Gebirge 250 
57 Goltz, Astern im Bauernkrug 350 
61 Kau Ibach, Landsknechte in der Wirtsstube . . . 400 
62 H. P. Koekoek, Baumlandschaft mit Mühle . . . 120 
63 Kriehuber, Dame in Hoclhzeitstracht, Aquarell . 450 
67 Fr. J. G. Lieder, Zwei Aquarellbildnisse. Blonde 
Dame, alter, glattrasierter Herr 130 | 
68 Makart, Selbstbildnis 1700 ] 
76 P. Reifenstein, Früchtestillöben 100 1 
78 R. Ribarz, Holländische Kanallandschaft .... 1500 j 
79 F. Rumpler, Rosenstrauch im Garten, Oel .... 700 
82 Ferdinand Schmutzer, Mütterliche Ermahnung . . 3000 
84 S c h r ö d 1, Rastende Herde vor der Sennhütte . . 400 
Miniaturen. 
91 Louis Arlaud zugeischr., Dame in Weiß 750 
92 Silvestro B o i t o, Dame mit turbanartigem Kopf 
putz und rotem Schal 250 
94 Dun, Dame in karminrotem Empirekleid 850 
95 Joseph (Ein sie, Herr in blauem Rock 130 
100 Dame mit gepudertem Haar, Miniatur auf Elfenbein 100 
101 Französisch, 18. Jahrh,, Bildnis eines Herrn in grün 
lichem Rock mit grauem Haar 200 
106 M. We ix Iba um, Herr in dunkelblauem Rock . . 450 
114 Elfenbeindose mit Miniatur in der Art des Blaren- 
berghe 450 
Handzeichnungen. 
117 Bernini L., Putten auf Delphinen reitend, Rötel . 40 
119 Chapron, Darbringung im Tempel, Federz. ... 10 
120 A. E g g e r - L i e n z, Sitzender Bauer, Kreidez. . . 450 
121 Fendi, Kompositionsskizze zum Gemälde: Uelber- 
schwemmung in der Leopoldstadt im Museum der 
Stadt Wien 120 
124 Fontebasso Fr., Herkules . 22 
131 Arl des Nicolaes Maes, Christus bei Maria und 
Martha. Pinsel und Feder in Bister 50 
132 Sau van P,, Gartenarchitektur. Feder und Pinsel . . 10 
133 Schiele, Sitzendes Mädchen. Aquarellstudie . . 130 
134 Derselbe, Frauenakt, liegend, Bleistiftz 110 
Silber. 
135 Kugelbecher, Halle a. d. Saale, um 1680, 130g . . . 100 
136 Desgleichen, 187 g 150 
137 Desgleichen, 112 g 80 
138 Becher, süddeutsch, Anfang 18. Jahrh., 185 g . . . 160 
139 Konischer Becher auf Fuß, Petersburg, 1744, 95 g . 60 
140 Kleiner Münzbecher, norddeutsch, 18. Jahrh.. 105 g . 120 
141 Konischer Becher, Augsburg, Mitte 17. J„ 150 g . . 100 
142 Desgleichen, 1700, 125 g 170 
143 Desgleichen, Breslau, um 1720, 98 g 120 
144 Desgleichen, Petersburg, 1730, 80 g 75 
145 Desgleichen, 1770, 72 g 50 
146 Konischer vergoldeter Münzbecher, norddeutsch, 
um 1750, 107 g 140 
148 Runder Teller, Kopenhagen, 1703, 160 g; dazu ein 
reich getriebener Teller aus Silber, modern, 232 g . . 170
	        

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