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Internationale 
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde 
Herausgeber: Norbert Ehrlich 
23. Jahrgang Wien, 15. Dezember 1931 Nr. 24 
cAuflösung der Sammlung cMax von <53leicherl 
Aus Berlin wird uns geschrieben: 
Die Versteigerung der Sammlung Max von 
B 1 e i c h e r t (Leipzig), die Rud. L e p k e vom 8. bis 
10. Dezember durchführte, bot den erfreulichen Be 
weis, daß trotz der Wirtschaftskrise das Interesse 
für Qualitäten der modernen Kunst lebendig ist. Die 
Auktion wies einen ausgezeichneten Besuch auf; un 
beschadet der Deviseneinschränkungen sah man 
zahlreiche Sammler und Kunsthändler aus Oester 
reich, der Tschechoslowakei und dem weiteren Aus 
land. Berlin, dessen Nationalgalerie durch Geheim 
rat Dr. J u s t i vertreten war, kaufte wenig, umso 
mehr aber München und Leipzig. Nach München 
geht u. a. Leibis Porträt seiner Nichte aus dem Jahre 
1871. Gegen Berliner Wettbewerb ersteigerte es die 
dortige Ludwigs-Galerie um 23.000 Mark. In Leip 
ziger Privatbesitz kommen Marees „Lob der Be 
scheidenheit“, wofür 18.000 Mark bezahlt wurden, 
Corinths „Tändelei“ (5200 Mark), Spitzwegs „Erin 
nerung“ (5400 Mark), sowie einige, gewiß zu niedrig 
bewertete Zeichnungen von Klinger und Greiner. 
Die Böcklin'sche Variante des Schack-Gemäldes 
„Pan erschreckt einen Hirten", wandert nach Basel; 
10.000 Mark läßt ein dortiger Sammler sich das wir 
kungsvolle Gemälde kosten. Von den Liebermanns 
der Sammlung brachte die „Brabanter Spitzenklöp 
plerin“ vom Jahre 1881 den Preis von 8900 Mark, 
„Das ländliche Paar beim Mahl“ aus dem Jahre 1880 
2600 Mark. Für Uhdes „Kartoffelschälerin“ (von 1885) 
wurde 4700, für Zügels „Ochsenkarren“ 2400 Mark 
gezahlt. 
Eine scharfe Grenzlinie wurde preismäßig inner 
halb des Werkes Ludwig Thomas zwischen den alle 
gorischen Szenen und den feinen, stillen Landschaf 
ten gezogen. Als wirklich gelungen ließ man unter 
den Allegorien nur die märchenhaften „Wunder 
vögel“ von 1902 gelten, für die Max von Bleichert 
im Jahre 1917 40.000 Mark gezahlt hatte und die 
man jetzt mit 6000 Mark nicht höher bewertete 
als den „Talblick“, der 6200 Mark erzielte. „Adam 
und Eva" dagegen wurden nur mit 1050 Mark weg 
gegeben. 
Die Münchener Genrebilder, mit denen Bleichert 
vor Jahren zu sammeln anfing, fanden alle zu über 
raschenden Preisen Abnehmer. So erzielte Max 
Gaissers „Beratung“ 1100 MaPk. Die Krönung dieser 
Gruppe waren die zehn Bilder Stucks, die Bleichert 
während des Krieges vom Künstler selbst, wie man 
sich damals erzählte, um 50.000 Mark erworben 
hatte, jetzt haben sie im ganzen 9080 Mark gebracht. 
Für alte Bilder gab es wenig hohe Preise: für 
Cranachs „Hl. drei Könige" 3800 Mark, für einen 
feinen Graff, Baron Cerini darstellend, 1150 Mark, 
für das etwas kühler gemalte Gegenstück der Baro 
nin Cerini 4150 Mark. 
Unter den Teppichen erzielte ein ziegelroter 
Tä'bris 1450, unter den Möbeln eine französische 
Garnitur 1600 Mark, ein vlämischer Gobelin 5200 
Mark, eine vergoldete Augsburger Schale (Ende 16, 
Jahrhundert) 1250 Mark. Zinn und Fayencen blieben 
billig, Eine schöne Dose sächsischer Arbeit,' von 
Neuber mit einer Miniatur von Zincke kostete 2400 
Mark, zwei Porzellanfiguren von Kaendler, ein Du 
delsackbläser und ein Schäfer brachten 480 und 510 
Mark, eine feine Ludwigsburger Gruppe 620 Mark, 
Das Gesamtergebnis der V ersteigerung Bleichert 
beläuft sich auf etwa 275.000 Mark, 
Nachstehend die erzielten Preise (in Mark): 
I. Teil. 
Gemälde. 
1 ßöcklin, Pan erschreckt einen Hirten, 75:62 cm 10.000 
2 Corinth, Tändelei, 73:110 cm 5200 
3 Corot, Passiance, 50:60 cm 12,200 
5 Defregger, Kopf eines Tiroler Mädchens, 
52:39 cm 1450 
6 Ant. Dieffenbach, Kleine Erdbeersammlerin . 240 
7 Ludwig Dill, Venezian, Fischerboote, 63:48 cm . . 1150 
8 Eberle, Mutter an der Wiege, 46:35 cm 410 
9 Max Gaisser, Eine Beratung, 49:55 cm 1100 
10 Otto Greiner, Bayerkinder, 141:112 cm 800 
11 Ders., Prometheus, 120:80 cm 520 
12 Ders., Bacchantenzug, 28:60 cm 300 
13 Habermann, Tanzende Bacchantin, 65:69 cm . . 410 
14 Hagemeister, Herbst am Schnüllowsee. 50:75 cm 560 
15 Hengeler, Familienidyll, 80:144 cm 920 
16 Ders., Frühling, 72:60 cm 470 
17 H i 1 g e r s, Wintervergnügen, 69:81 cm 130 
18 Jos. Israels, Kinder am Strand, 53:90 cm .... 4000 
20 Herrn. Kaulbach, Der zerbrochene Krug, 28.5 zu 
24.5 cm 820 
21 Albert v. Keller, Tänzerin in weißem Tüllkleid, 
34:25 cm 160 
22 Ders., Das Urteil des Paris, 160:81 cm 300 
23 K o s 1 e r, Bildnis eines jungen Mädchens, 45:41 cm . 190 
24 Leibi, Die Nichte Leibis (Lina Kirchdorffer] . , . 23,000 
25 Lieb er mann, Die Tochter des Künstlers zu 
Pferde, 70:88 cm 1650 
26 Ders., Ländliches Paar beim Mahl, 32:42 cm .... 2600 
27 Ders., Badestrand an der holländ. Küste, 65:88 cm . 1550 
28 Ders., Garten am Haus, 66:80 cm 730 
29 Ders., Kindermädchen und Bonnen in Unterhaltung, 
64:106 cm 2400 
30 Dens., Brabanter Spitzenklöpplerin, 72:53 cm .... 8900 
32 Hans v. Marees, Lob der Bescheidenheit, 118 zu 
118 cm 18.000
	        

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