MAK
Nr. 3 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 33 
Chronik. 
BIBLIOPHILIE. 
(Große Versteigerung bei Baer in Frankiurt.) Die Firma 
Joseph Baer & Co. in Frankfurt a. M. versteigert am 
28. und 29. April die Bibliothek des bekannten Bibliophilen 
Carl Hirsch in Konstanz, außerdem Teile der Bibliotheken 
des Grafen S t r o g a n o f f (1770—1857) und der Eremitage 
in Leningrad. Die Bibliotheken enthalten Americana, 
Autographen, Bodoni-Drucke, deutsche, englische, französi 
sche, italienische und spanische Literatur, Geographische Rei- 
sewerke, Judaica, illustrierte Bücher vom 16. bis 19. Jahrhun 
dert, Kunst, Kostüme, Feste, Naturwissenschaften, Medizin 
u. a,, darunter große Seltenheiten, Die Bücher sind meistens 
in vorzüglichen alten Einbänden, zum großen Teil in 
alten Maroquinbänden gebunden. Der Katalog, der 
in Vorbereitung ist, gelangt Ende März zur Versendung. 
(Der älteste Buchumschlag in Bayern.) Augsburg galt bis 
her mit Ferrara und Venedig als Ilerslellungsort der ältesten. 
Buchumschläge, die sich nur sehr vereinzelt erhalten haben 
und Raritäten sind. Ein Blockbuch aus der Augsburger Buch 
binderei des Holzschneiders Jörg Schar p ff schien den frü 
hesten Beleg für einen holzschnittverzierten Papierumschlag 
zu liefern. Nun hat der Direktor der Staatlichen Bibliothek, 
Max Müller, in den Beständen der Bamberger Inkunabeln 
aus ursprünglichem Dominikanerbesitz einen um sechs Jahre 
älteren Einband gefunden; er stammt ebenfalls aus einer Augs 
burger Werkstätte, und zwar aus der des Hans Schösper- 
g e r, und ist 1482 gedruckt. Ein safrangelb eingefärjbter Bogen, 
bedruckt mit zwei verschiedenen Holzschnittmüstern für die 
Vorder- und Rückseite des Buches, So stammt der bis jetzt 
älteste Buchumschlag aus Augsburg und gehört der Staatsbi 
bliothek Bamberg. Sein Entdecker bespricht und bildet ihn ab, 
in der soeben erschienenen Festschrift für Georg L e i d i n g e r. 
(Die Bibliothek des Gnesener Domkapitels.) Die Schätze 
der Bibliothek des Gnesener Domkapitels sind neuerdings 
durch einen Katalog erschlossen worden, den der Präfekt der 
Bibliothek Leon Formanowicz herausgegeben hat; »Kata 
log drukow polskich XVIgo wieku Bibljoteki Kapitulenej 
w Gneznie« (Poznan 1930, gr, 8*, XII, 115 S.). Unter den 426 
Nummern finden wir eine Reihe von Unikaten und seltenen, 
zum Teil wenig bekannten Drucken, die der Bearbeiter in 
mehreren Fällen in den Einbänden der ihm anvertrauten Samm 
lung entdeckt hat. Es sind u. a. Fragmente der »Prawa fran- 
towe« (um 1538), die bisher aus dem Inventar der Druckerei 
Szarffenbergers bekannt waren, des »Raj duszny« (um 1540) 
und eines Kalenders für 1584. In einer Vorrede wird über die 
Entstehung und Anlage des Kataloge® berichtet. 
(Bücherversteigerung.) Vom 19. bis 21. Februar findet im 
Dorotheum in Wien eine große Sonderauktion der Bü- 
cheraibteilung statt. Zur Versteigerung gelangen: Wertvolle 
Kunstpublikationen, illustrierte Bücher, Luxusausgaben, Bücher 
in kostbaren Einbänden usw. 
(Der Nachlaß Holmannsthals.) Hugo von Hofmanns 
thals literarische Hinterlassenschaft wird einer allmählichen 
Durcharbeitung unterzogen. ;Sie umfaßt, wie der Münchener 
Literarhistoriker Walther Brecht in der Bayrischen Aka 
demie der Wissenschaften mitteilte, in 63 Konvoluten den Nie 
derschlag der gesamten literarischen Tätigkeit des zu früh Da 
hingegangenen, mit Einschluß der veröffentlichten Werke. 
Findet sich, wie zu erwarten, wenig Abgeschlossenes, so bietet 
doch die Menge der Fragmente eine Fülle von Schönheit und 
geistigem Reichtum, so daß die Tiefe des Denkers wie die 
Fähigkeiten und reichen Möglichkeiten des Dichters sich erst 
voll erschließen. Die nahezu lückenlose Vollständigkeit in der 
Erhaltung alles dessen, was der Dichter seit seinen Schüler 
tagen geschrieben und geplant hat, gestattet eine wissenschaft 
lich gesicherte Erfassung seines Lebenswerkes und seiner Ent 
wicklung und gibt darüber hinaus wertvolle Möglichkeiten zur 
Erhellung des dichterischen Schaffensprozesses überhaupt.. In 
seinem Bericht erörtert Brecht den Charakter des Nachlasses 
vom stoffgeschichtlichen, gedanklichen und künstlerischen Ge 
sichtspunkt aus und behandelte im Anschluß das von ihm so 
eben im Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts veröffent 
lichte »Ad me ipsum«, einen dichterisch-philosophischen Selbst 
rechenschaftsbericht Hofmannthals, dessen christlich-neupla 
tonischen Charakter er nachwies. 
(Die Gottfried Keller-Gesamtausgabe gesichert.) Der Ziir- 
chersche Kantonsrat hat auf Antrag des Regierungsrates be 
schlossen, die durch einige Jahre unterbrochene Gesamtaus 
gabe der Werke Gottfried Kellers von Prof, Dr. Jonas 
Fränkel zu subventionieren. Mit der Weiterführung des 
Unternehmens wurde der Verlag B e n t e 1 i in Bern-Bümpliz 
beauftragt, der künftighin auch die bereits vorliegenden Bände 
ausliefert. Ein ungehindertes Weitererscheinen des Werkes ist 
damit gesichert. Im Laufe des Jahres 1931 werden zwei 
neue Bände herauskommen, darunter ein Band mit unbe 
kannten Gedichten Kellers. 
BILDER. 
(Ein frühes Dante-Bildnis.) ln der St. Dominic-Kxrche zu 
Pistoia ist hinter einem Altar aus dem .17. Jahrhundert 
ein Fresko mit einem der frühesten Porträts Dantes ent 
deckt worden. Die Malerei, die leider nicht gut erhalten ist, 
stammt nach ihrer Technik aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. 
Unter einer der auf dem Fresko abgebildeten Gestalten steht 
»D a n t e«, unter einer anderen »P e t r a r c h«, aber auch ohne 
diese Unterschriften hätte der typische Gesichtsschnitt zu einer 
Identifizierung des Dichters ausgereicht. Auf dem Bilde wird 
Dante als junger Mann dargestellt, im Gegensatz zu allen 
anderen erhaltenen Gemälden und Bildwerken, auf denen stets 
nur der ältere Dichter zu sehen ist. 
HANDSCHRIFTEN. 
(Eine neue Dickens-Entdeckung.) Vor 26 Jahren veröf 
fentlichte der bekannte Dickensforscher John Harrison S fö 
ne h o u s e einige Briefe des großen Erzählers, die er in spä 
teren Jahren an seine erste Liebe Maria B e a d n e 11 geschrie 
ben hatte, die als das Urbild der Dora im »David Copper 
field« unsterblich geworden ist. Mehr über diese Familie, die 
mit der Entwicklung des jungen Dickens so eng verknüpft war, 
wird nun durch eine neue Entdeckung bekannt, die Stone- 
house soeben in einem Buch »Grüne Blätter, neue Kapitel aus 
dem Leben von Charles Dickens« mitteilt. Es ist gelungen, 
eine Handschrift aufzufinden, die von dem 'Vater des Dichters, 
John Dickens, verfertigt ist und eine parodistische Dichtung 
des Sohnes enthält. In dieser lustigen Verssatire werden die 
Mitglieder der Familie Beadnell, ihre Freunde und Bekannten 
verspottet, und zwar bei Gelegenheit einer Gesellschaft, bei 
der die einzelnen Personen als bestimmte Gerichte eingeführt 
werden. Maria, seine »Flamme«, und ihre Schwester Anne 
erscheinen z. B. als »zwei niedlich kleine Enten«. Das Wich 
tigste aber daran ist, daß diese Gestalten schon deutliche Züge 
aufweisen, die später in den berühmten Figuren des Pick- 
wick-Klulbs erscheinen, und augenscheinlich hat Dickens 
in der Familie der Beadnells viele der Studien gemacht, die 
er dann in seinem ersten großen Roman so meisterhaft zu ver 
werten wußte. 
PHILATELIE. 
(Mophila 1931.) Die erste Internationale Ausstellung mo 
derner Philatelie »M o p h i 1 a« findet vom 22. bis 30. August 
1931 in den Ausstellungshallen des Hamburger Zoo statt. 
Die »Mophila« unterscheidet sich durch einen wichtigen Fak 
tor von ähnlichen großen Veranstaltungen der jüngsten Vergan 
genheit: durch die bewußte Betonung des Modernen! Sie 
steht den Philatelisten der ganzen Welt offen, allen Sammlun 
gen, die nicht rein schematisch, sondern unter Anwendung neu 
zeitlicher Gedanken und Methoden aufgebaut sind; allen Ar 
beiten, die sich auf moderne Sammelgebiete erstrecken, bietet 
die »Mophila« weiten Raum. Die »Mophila« wendet sich dabei 
ebensogut an die alten bewährten Vorkämpfer der Postwert 
zeichenkunde, die schon in hervorragendem Maße philatelisti- 
sche Wertarbeit geleistet haben, wie auch ganz besonders an 
die jüngere Generation, die bisher annahm, daß sie mit den 
von ihr häufig bevorzugten neuzeitlichen Sammelgebieten hin 
ter den vorwiegend klassischen Objekten der älteren Genera 
tion zurückstehen müßte. Die vornehm auisgestatteten Werbe 
hefte gelangen an alle bedeutenden Philatelisten und Vereine 
der ganzen Welt zum Versand und können vom Sekretariat der 
»Mophila«, Hamburg 39, Sierichstraße 42, kostenfrei 
angefordert werden. 
VERSCHIEDENES. 
(Tod bekannter Sammler.) In Berlin ist der Keramik- 
Sammler Karl Zimmermann gestorben. Zimmermann hatte 
seine besondere Neigung den norddeutschen Fayencen zuge 
wandt; er hat namentlich die Erzeugnisse der vom Großen 
Kurfürsten 1688 nach holländischem Muster eingerichteten 
Berliner Manufaktur mit feinem Verständnis auf gefunden und 
den Beständen seiner Kollektion eingefügt. Man findet in die-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.